Naturschutz:Ein Pilz bedroht den Feuersalamander

Erstmals Hautpilz bei Feuersalamander in Bayern nachgewiesen

Feuersalamander fühlen sich am wohlsten unter abgestorbenen Bäumen, Baumwurzeln oder flachen Steinen.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Die schwarz-gelb gefleckte Lurchart ist in ihrem Bestand stark gefährdet. Der Grund dafür kommt aus Ostasien.

Von Christian Sebald, Weißenohe

Fünfzehn bis zwanzig Zentimeter groß und auffällig schwarz-gelb gefleckt: Das ist der Feuersalamander (Salamandra salamandra). Einst traf man die Amphibien vielerorts in Bayern an. Besonders häufig waren sie in den kühlen und feuchten Laubmischwäldern der Mittelgebirge - zum Beispiel in der Rhön oder dem Spessart, aber auch im Oberpfälzer Wald und im Alpenvorland.

Inzwischen sind Feuersalamander aber selten geworden, auf der Roten Liste werden sie als gefährdet geführt. Und nun droht ihnen auch noch große Gefahr durch einen tödlichen Hautpilz. Damit der Feuersalamander in Bayern eine Zukunft hat, startet Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) an diesem Freitag in Weißenohe in der Fränkischen Schweiz ein Artenhilfsprogramm für die Lurchart.

Der Ort ist gut gewählt. Weißenohe liegt nicht nur im Landkreis Forchheim, der Heimat von Umweltminister Glauber. Sondern er wird von der Lillach durchflossen. Der 2,8 Kilometer kurze Bach ist für seine eigentümlichen Sinterstufen bekannt. Und an der Quelle der Lillach tritt der Feuersalamander noch vergleichsweise oft auf. Träger des Artenhilfsprogramms, für das das Umweltministerium 1,7 Millionen Euro zur Verfügung stellt, sind der Bund Naturschutz (BN), der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der Landesverband für Amphibien- und Reptilienschutz (Lars) in Bayern.

Feuersalamander halten sich zumeist unter abgestorbenen Bäumen, Baumwurzeln oder flachen Steinen, aber auch zwischen Felsblöcken auf. Sie fressen Regenwürmer, kleine weiche Käfer, Schnecken, Spinnen und alle möglichen Insekten. Die Weibchen legen die Larven von Februar bis Mai lebend in Quellbäche und andere kühle, saubere Kleingewässer ab. Inzwischen sind die Vorkommen nicht nur stark geschrumpft, sondern zumeist weit voneinander isoliert. Die wichtigsten Gründe für den Schwund sind die Verluste an Mischwäldern und die Kanalisierung vieler Bäche.

Der Pilz wird über Körperkontakt übertragen

Und nun bedroht der Salamanderfresser die Art. So lautet der umgangssprachliche Namen von Batrachochytrium salamandrivorans, kurz Bsal. Der Hautpilz stammt aus Ostasien und ist wahrscheinlich durch den Import asiatischer Schwanzlurche nach Europa eingeschleppt worden. Die Feuersalamander sind Bsal schutzlos ausgeliefert, der Pilz frisst Löcher in ihre Haut, sodass sie letzten Endes ersticken, weil ihre Hauptatmung nicht mehr funktioniert. In Holland hat Bsal den Feuersalamander schon fast komplett ausgerottet. In Deutschland sind bisher vor allem die Eifel und die Gegend um Essen stark betroffen. 2020 ist Bsal erstmals in Bayern nachgewiesen worden - an einem toten Feuersalamander im Steigerwald.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich der Salamanderfresser hauptsächlich durch einen direkten Körperkontakt der Tiere etwa bei der Paarung ausbreitet. Der Pilz selbst ist wie die Amphibien auf eine kühle, feuchte Umgebung angewiesen. Die Sporen können sich einkapseln. Als sogenannte Dauersporen können sie dann sogar längere Zeit ohne Wirt überleben. Aber auch Forstleute und Wanderer können den Erreger weitertragen, zum Beispiel durch Erde an ihren Schuhen.

Um die Ausbreitung von Bsal möglichst zu verhindern, sollen Wanderer und Spaziergänger in Amphibiengebieten möglichst auf den Wegen bleiben. Im Rahmen des Artenhilfsprogramms wollen sich BN, LBV und Lars zunächst einen Überblick verschaffen, wie es um den Feuersalamander bestellt ist. Dazu suchen sie in acht bekannten größeren Vorkommen quer durch Bayern die Bäche nach Larven der Amphibien ab.

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