Berchtesgadener Land:Bauer erschießt seine Katze und wird wegen Tierquälerei verurteilt

Lesezeit: 2 min

Weil ein Landwirt seine Katze mit einem Bolzenschussapparat erschossen hat, musste er sich vor Gericht verantworten. Nun wurde der Angeklagte verurteilt und geht in Berufung.

Von Sina-Maria Schweikle

Schnauzbart, Vokuhila-Frisur, ein Piercing über dem linken Auge und ein Tiger auf dem rechten Arm: So sieht man Joe Exotic aus der Netflix-Serie "Tiger King" auf einem der vielen Bilder, die über den Großkatzenhalter kursieren. Die True-Crime-Dokumentarserie hat sich während der Corona-Pandemie in ein bizarres Medienphänomen auf der Streaming-Plattform entwickelt und Tierquälerei wohnzimmertauglich gemacht. Sie erzählt die Geschichte eines Privatzoobesitzers in den USA, der seit 2019 wegen Tierquälerei und versuchtem Auftragsmord an einer Tierschützerin im Gefängnis sitzt.

Um Mord ging es freilich nicht in dem Verfahren am Amtsgericht Laufen gegen einen Landwirt aus dem Berchtesgadener Land, aber um Tierquälerei, und eine recht harte Strafe hat er dafür auch bekommen. Der Mann hat eine Katze getötet - mit einem Bolzenschussapparat. Die Urteilsbegründung des Gerichts offenbart ein wenig lukratives Leben des Viehzüchters, ganz im Gegensatz zu dem des exzentrischen Großkatzenhalters in den USA. Der 63-Jährige lebt allein auf einem landwirtschaftlichen Anwesen. Etwa 20 Stiere verkauft er pro Jahr, demgegenüber stehen höhere Ausgaben, als der Mann mit dem Verkauf einnimmt. "Das landwirtschaftliche Anwesen steht im Eigentum des Angeklagten und ist nicht mit Schulden belastet. Ansonsten hat der Angeklagte kein Vermögen", konstatiert das Gericht.

Der Prozess hat eine Vorgeschichte. Das Veterinäramt habe einen Hinweis auf eine kranke Katze bekommen, heißt es aus dem Landratsamt Berchtesgadener Land, und daraufhin auf dem Anwesen vorbeigeschaut. Tatsächlich war da eine kranke Katze, der Landwirt wurde angewiesen, sie zum Tierarzt zu bringen. Machte er allerdings nicht, das stellten die Veterinäre bei einem Besuch zwei Monate später fest. Als sie ihn erneut aufforderten, das Tier versorgen zu lassen, muss sich der Mann fürchterlich aufgeregt haben und kündigte an, die Katze "mit einem Bolzenschussapparat zu erschießen", wie es im Urteil heißt

Das machte er zwei Tage später und nach einem weiteren Anruf des Veterinäramts auch. Eine Obduktion ergab, dass das Tier nicht sofort durch den Schuss starb, sondern erst nach einem "qualvollen Todeskampf". "Sie hat noch gelebt, das Blut aus ihrem Hirn hat sie eingeatmet, und man fand es in der Lunge", so beschrieb Staatsanwalt Thomas Putschbach die Ergebnisse der Untersuchung einem Zeitungsbericht zufolge.

Vom Tod der Katze habe das Veterinäramt vom Landwirt selbst erfahren, heißt es aus dem Landratsamt. Daraufhin wurde "seitens des Amtes entsprechend Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft erstattet". Dem entgegen steht die Aussage des Anwalts des Landwirts. Am Telefon sagt er, dass sich sein Mandant in einem Streit mit der Nachbarin befunden habe, welche wohl die Schüsse hörte und das Amt deshalb anrief. Der Anwalt selbst stand dem Angeklagten nur beratend beiseite - vor Gericht hat er sich selbst vertreten: "Es fehlt ihm an Geld", erklärt der Anwalt.

Der Landwirt wurde vom Amtsgericht Laufen der Tierquälerei für schuldig befunden und zu 200 Tagessätzen zu je 25 Euro verurteilt. Fünf Jahre ist es dem Bauern untersagt, Heim- und Kleintiere zu halten und zu betreuen. Aufgrund der wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Landwirtschaft und Nutztierhaltung wurde das Verbot auf Heim- und Kleintiere beschränkt. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, der Angeklagte hat Berufung eingelegt.

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