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Lebensmittel:Kantinen sollen öko werden

Essen in Kitas

In Kitas wird schon oft Essen in Bio-Qualität serviert.

(Foto: Georg Wendt/dpa)

Verbände, Caterer und Naturschützer fordern eine 30-Prozent-Quote an Bio-Gerichten in staatlichen Großküchen. Und sie sehen auch an anderer Stelle noch Potenzial.

30 Prozent Bio-Landwirtschaft bis 2030 lautet das Ziel, das sich die Staatsregierung 2019 nach dem erfolgreichen "Volksbegehren Artenvielfalt - Rettet die Bienen" in der Agrarpolitik vorgenommen hat. Die Öko-Verbände, aber auch Bio-Caterer, Hersteller von Bio-Lebensmitteln und der Bund Naturschutz (BN) fordern jetzt, dass alle staatlichen Kantinen Bayerns 30 Prozent der Gerichte auf ihrem Speisekarten in Bio-Qualität anbieten.

"Wir brauchen dringend so eine Vorgabe", sagt Hubert Heigl von der Landesvereinigung ökologischer Landbau (LVÖ). "Der Freistaat muss den Anfang machen, dann werden Kommunen, Kirchen, Unternehmen und andere Einrichtungen folgen und ihre Gemeinschaftsverpflegungen entsprechend umstellen. Nur so können wir das 30-Prozent-Ziel für den Biolandbau erreichen." Die LVÖ ist der Dachverband der vier großen Öko-Verbände Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter.

In der Bio-Branche herrscht Einigkeit, dass die sogenannten Gemeinschaftsverpflegungen ein ungehobener Schatz für den weiteren Ausbau der Öko-Landwirtschaft sind. Jeden Tag werden etwa 1,8 Millionen Speisen am Tag außer Haus in den 22 000 Kantinen und Betriebsrestaurants, Kitas und Schulen, Kliniken, Seniorenheimen, Jugendherbergen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen in Bayern eingenommen. "Aber nur ein kleiner Bruchteil sind Gerichte in Bio-Qualität", sagt Heigl. Selbst in den Kindergärten und Schulen, wo vergleichsweise oft Bio-Speisen angeboten werden, gibt es noch Potenzial.

In der Stadt Nürnberg, die sich dem Netzwerk deutscher Bio-Städte angeschlossen hat, liegt der Bio-Anteil in den Kitas bei 75 Prozent, der in den Schulen immerhin bei 20 Prozent. Das Nürnberger Ziel bis 2026 sind Anteile von 100 beziehungsweise 75 Prozent Bio-Speisen. "Das gelingt aber nur im Dreiklang aus Begeistern, Beraten und Begleiten", sagt Werner Ebert, Chef der "Biometropole Nürnberg" und Geschäftsführer des Netzwerks der Bio-Städte. "Für die Schulen braucht es einen klaren Auftrag des Kultusministeriums. Und in den Schulverwaltungen und Jugendämtern muss es Mitarbeiter geben, die ein professionelles Essensmanagement einführen und umsetzen."

Die Öko-Verbände fordern denn auch eine groß angelegte Werbekampagne für Bio in der Außer-Haus-Verpflegung. "Die Träger und Betreiber von Großküchen müssen vom Mehrwert der Bio-Produkte überzeugt sein, damit sie diesen an ihre Gäste weitergeben können", sagt Ebert. Außerdem brauche es Fortbildungen für Köche, Beratungsangebote für Kantinen-Betreiber und Förderprogramme für Lieferanten, wenn sie in teure Anlagen für Großgebinde investieren. "So gibt es bis dato keine Großverpackungen für Bio-Milch, wie sie Kantinen gewohnt sind", sagt Heigl. "Für konventionelle Milch dagegen sind sie seit Langem üblich."

In den Forderungen schwingt eine leise Kritik am Freistaat mit. Das Kabinett hatte Anfang des Jahres beschlossen, dass der Anteil von regionalen und Bio-Lebensmitteln in den staatlichen Kantinen auf 50 Prozent erhöht werden soll. Viele in der Branche sehen das als Verwässerung an. Denn damit steht es den staatlichen Kantinen letztlich frei, ob sie eher auf konventionell erzeugte Produkte aus Bayern setzen oder auf Öko-Produkte aus dem Freistaat, wie sich das die Bio-Branche wünscht.

Agrarministerin Michaela Kaniber begründete den Beschluss damit, dass der Freistaat auch ein starkes Zeichen für regionale Lebensmittel setzen wollte. In Bayern gibt es etwa 10 800 Biobauern, das entspricht gut zehn Prozent der Landwirte insgesamt. Die Fläche, die öko bewirtschaftet wird, beträgt etwa 371 000 Hektar oder elf Prozent des Agrarlands.

© SZ vom 01.07.2020/vewo

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