Artenvielfalt:"Bayern hat eine ganz besondere Verantwortung für den Erhalt des Grubenlaufkäfers"

Artenvielfalt: Der Grubenlaufkäfer hat seinen Namen von den vielen vergleichsweise großen grubenartigen Vertiefungen auf seiner Körperoberfläche. Er lebt in Quellmooren und Bachauwäldern.

Der Grubenlaufkäfer hat seinen Namen von den vielen vergleichsweise großen grubenartigen Vertiefungen auf seiner Körperoberfläche. Er lebt in Quellmooren und Bachauwäldern.

(Foto: Michael Püls/LWF)

Das Insekt macht in Waldbächen Jagd auf Schnecken, Kleinkrebse und sogar winzige Fische. Die streng geschützte Art kommt deutschlandweit praktisch nur in Bayern vor.

Von Christian Sebald

Eine gute Nachricht für die Freunde besonderer, sehr seltener Käfer: Die Bestände des Grubenlaufkäfers oder Carabus variolosus nodulosus, wie der wissenschaftliche Name der Art lautet, in Bayern sind stabil. Das hat jetzt ein turnusmäßiges Monitoring der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) ergeben. Der Grubenlaufkäfer, der gute drei Zentimeter groß werden kann, ist tiefschwarz, sein Körper glänzt bisweilen schwach. Man erkennt den Waldbewohner gut an den großen, grubenartigen Vertiefungen auf den Flügeldecken und dem Halsschild. Von ihnen hat er seinen Namen.

Der Grubenlaufkäfer kommt weltweit nur in Mittel- und in Osteuropa vor, in Deutschland ist die streng geschützte Art bis auf einen Standort nur in Bayern nachgewiesen. Und zwar an ungefähr 80 Stellen in dem Dreieck zwischen dem westlichen Oberbayern, dem östlichen Niederbayern und der Landesgrenze nach Tschechien und Österreich entlang. Hier lebt Carabus variolosus nodulosu in weitgehend naturbelassenen Laubwäldern mit Mooren und Waldbächen. Die Käfer können nicht fliegen. Deshalb breiten sie sich selbst unter günstigen Verhältnissen kaum aus.

In den Waldbächen und Moortümpeln macht der Grubenlaufkäfer Jagd auf Schnecken, Kleinkrebse, Insekten und deren Larven, aber auch auf Kaulquappen und sogar kleine Fische. Zum Tauchen bildet er unter seinen Flügeldecken einen Luftvorrat. Als Versteck und Überwinterungsplätze dienen ihm abgestorbene Bäume und Moospolster. Die meisten Vorkommen sind sehr klein und noch dazu isoliert voneinander, sodass kein Austausch zwischen den Beständen stattfinden kann.

"Bayern hat eine ganz besondere Verantwortung für den Erhalt des Grubenlaufkäfers", sagt der Präsident der LWF, Peter Pröbstle. "Zumal er ein wichtiger Indikator für den ökologischen Zustand unserer Waldbäche und Waldquellen ist." Und er steht stellvertretend für viele andere Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, die in demselben, immer selteneren Lebensraum vorkommen. Nur wenige dieser Arten sind so prominent wie die Wasseramsel. Die weitaus meisten, unter ihnen Strudelwürmer oder Quellschnecken, sind so winzig und unscheinbar, dass nur Experten von ihnen wissen.

Nach dem aktuellen Monitoring sind zwar nur zwei Prozent der bayerischen Grubenlaufkäfer-Vorkommen in einem hervorragenden Zustand. Aber immerhin 56 Prozent wurden als gut eingestuft. Bei 42 Prozent der Bestände ist der Lebensraum gestört, sei es, weil er zu klein ist, der jeweilige Bach in schlechtem Zustand ist oder nicht ausreichend viele tote Bäume als Winterquartiere für die Käfer vorhanden sind. Die Ergebnisse des Monitorings werden dieser Tage über das Bundesamt für Naturschutz an die EU-Kommission gemeldet, wo sie mit den Daten aus anderen Mitgliedstaaten zusammenführt werden.

An die Besitzer von Wäldern mit Grubenlaufkäfer-Vorkommen appelliert Pröbstle derweil, sich für ihren Erhalt einzusetzen. Oft helfen schon ein paar einfache Maßnahmen. Beispiele sind das Absperren sensibler Bereiche bei Fäll-Aktionen, das Vermeiden von Holzlagerung auf feuchten Waldböden oder das Liegenlassen von abgestorbenen Bäumen an den Ufern von Waldbächen.

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