Offener Brief:Hochschulen kritisieren Söders Gender-Verbot

Offener Brief: Ein Verbot des Genderns sei ein Rückschritt, heißt es in einem offenen Brief, der als Reaktion auf Markus Söders Regierungserklärung zum Thema verfasst wurde.

Ein Verbot des Genderns sei ein Rückschritt, heißt es in einem offenen Brief, der als Reaktion auf Markus Söders Regierungserklärung zum Thema verfasst wurde.

(Foto: Christian Ohde/Imago)

Die Initiatoren sammeln bereits mehr als 7000 Unterschriften, Unterstützung kommt von Gewerkschaften, Professoren und Kunstschaffenden.

Von Lina Krauß

Das von Markus Söder in seiner Regierungserklärung angekündigte Gender-Verbot an Schulen, Hochschulen und Behörden trifft bei einigen der Betroffenen auf Widerstand. Mehr als 7000 Menschen haben seit Mitte Dezember einen von der Landeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an bayerischen Hochschulen (LaKoF) angestoßenen offenen Brief unterschrieben. Elke Wolf, Sprecherin der LaKoF, ist positiv überrascht über die große Zahl der Unterzeichnenden. "Es zeigt, dass das Thema die Menschen bewegt", sagt sie.

Unter anderem die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Landesverband Bayern und der Verdi Landesbezirk Bayern zählten zu den Erstunterzeichnenden. Viele weitere Unterschriften stammen aus Hochschulkreisen des Freistaates. So unterzeichneten beispielsweise der aus Talkshows bekannte Münchner Politikprofessor Carlo Masala sowie Dietmar Süß, Historiker und Professor an der Universität Augsburg, den Brief. Auch Menschen aus dem künstlerischen Umfeld unterstützen den Aufruf wie die Gleichstellungsbeauftragte der bayerischen Staatsoper, Stephanie Bachhuber, und Regisseur Marcus H. Rosenmüller. Und die Unterschriften kommen auch von außerhalb Bayerns - zum Beispiel gehören Professoren aus Gießen, Amsterdam und Wien hinzu.

Ein Verbot des Genderns sei ein Rückschritt, heißt es in dem Schreiben. Es widerspreche den "grundgesetzlich verankerten Prinzipien der Gleichbehandlung". Spätestens seit dem Personenstandsgesetz (PstG) Paragraf 22 Absatz 3 aus dem Jahr 2018 sei juristisch ausdrücklich entschieden, dass es mehr als zwei Geschlechter gebe. Daraus resultiere die Pflicht, sich in allen gesellschaftlichen Bereichen geschlechtergerecht auszudrücken. Schulen, Hochschulen und Verwaltungen sollten frei sein, wie sie dies tun. Es gebe "verschiedene sprachliche Lösungen", die sich "in vielen gesellschaftlichen Bereichen" bereits durchgesetzt hätten.

Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) kritisierte die Initiatoren des offenen Briefes. Sie versuchten "offensichtlich bewusst, durch Missinterpretation den Eindruck einer Benachteiligung von Personen oder Gruppen zu vermitteln". Ihre Behauptungen seien falsch. Die Staatsregierung bekenne sich zu geschlechtergerechter Sprache. Für die Hochschulen gelte das amtliche Regelwerk nach den Empfehlungen des Rates für Deutsche Rechtschreibung - "nicht mehr und nicht weniger". Blume spricht sich aber deutlich gegen "sprachliche Künstlichkeit und spracherzieherische Tendenzen" aus.

Zur konkreteren Ausgestaltung des angekündigten Gender-Verbots äußerte sich das Wissenschaftsministerium auf Nachfrage der SZ nicht. Auch wie man den Sprachgebrauch kontrollieren und sanktionieren wolle, bleibt weiterhin unklar. So gehe es auch den Erstunterzeichnern des offenen Briefes, sagt Elke Wolf nach einem Treffen dieser am Mittwoch. Sie werden sich nun voraussichtlich in einem persönlichen Schreiben mit der Bitte um Konkretisierung an den Ministerpräsidenten wenden. Erst dann könnten die Erstunterzeichner entscheiden, wie sie weiter vorgehen. Zunächst gehe es ihnen laut Wolf erst einmal darum, den Status quo - also keine Sonderzeichen in amtlichen Dokumenten - beizubehalten und eine Verschärfung zu verhindern.

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