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Heimische Fledermausarten:Selten, streng geschützt und keine Gefahr

Die Große Hufeisennase im Flug bei Nacht in Luxemburg, Fledermaus

Die Große Hufeisennase ist die seltenste Fledermausart in Deutschland. Die einzige Kolonie lebt in Hohenburg in der Oberpfalz. Im Gegensatz zu asiatischen Fledermäusen sind die deutschen frei von Coronaviren.

(Foto: Marko König/ imago)

Bayerische Fledermäuse sind nach Ansicht von Experten keine Überträger des Coronavirus. Die Große Hufeisennase etwa wurde schon 2011 negativ getestet.

Es ist unklar, wo das Coronavirus seinen Ursprung hat. Chinesischen Seuchenschützern zufolge ist der gefährliche Erreger Sars-CoV-2 auf dem gigantischen Hunan-Markt in Wuhan, wo täglich zigtausend Wildtiere geschlachtet und verkauft wurden, auf den Menschen übertragen worden - womöglich von Fledermäusen. Von dem Markt aus, so sagen es die chinesischen Experten, habe sich die verheerende Pandemie ausgebreitet. Bei Fledermausschützern und beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) gab es in letzter Zeit vermehrt Anfragen, ob auch heimische Fledermäuse Träger des Coronavirus und damit ein Grund für das Anhalten der Pandemie sein könnten. Der Biologe und oberste Artenschützer des LBV, Andreas von Lindeiner, tritt solchen Befürchtungen entgegen.

"Natürlich nehmen wir solche Ängste und Sorgen sehr ernst", sagt Lindeiner. "Aber wir müssen auch über falsche Vorstellungen und Vorbehalte gegenüber Fledermäusen aufklären." Die Fledermäuse in Bayern "sind nicht mit Sars-CoV-2 infiziert", sagt Lindeiner, "sie können Menschen nicht mit Covid-19 anstecken". Zwar seien Fledermäuse wie andere Säugetiere inklusive des Menschen Träger aller möglichen Bakterien und Viren. Dazu gehörten auch verschiedene Arten Coronaviren. "Aber Sars-CoV-2 ist ein menschlicher Erreger, auch wenn er eng mit Viren aus dem Tierreich verwandt ist", sagt Lindeiner. "Eine direkte Übertragung von Fledermäusen auf den Menschen ohne Zwischenwirt ist sehr unwahrscheinlich und nicht belegt."

Lindeiner zufolge sind mehrere zeitlich gestaffelte Übergänge eines Virus von einer Tierart zur nächsten notwendig, bei denen sich bestimmte Eigenschaften des Erregers verändern, damit er letztlich Menschen infizieren kann. Der Sprung auf einen neuen Wirt passiere extrem selten und meist unter unnatürlichen Bedingungen, wie zum Beispiel auf Wildtiermärkten wie im chinesischen Wuhan, wo Tierarten aus den unterschiedlichsten Lebensräumen dicht gedrängt aufeinandertreffen. "So ein enger Kontakt von Zwischenwirt und Mensch, der für eine Krankheitsübertragung entscheidend ist, findet in Bayern aber nicht statt", sagt Lindeiner. "Unsere heimischen Fledermäuse sind als Krankheitsüberträger keine Gefahr."

Aber natürlich empfiehlt Lindeiner beim Umgang mit Fledermäusen, die zum Beispiel unter einem Dach wohnen, die Hygieneregeln einzuhalten. "Wie alle anderen Wildtiere sollte man auch Fledermäuse, und zwar gleich ob lebende oder tote, nur mit Handschuhen anfassen", sagt der Biologe. "Das gleiche gilt natürlich für Exkremente." Zumal Fledermäuse Kulturfolger ohne Scheu vor Menschen sind, die Scheunen, Keller, Kirchtürme oder Dachböden von Wohnhäusern bewohnen.

In Bayern kommen 25 Fledermausarten vor. Zwei davon, die Bulldogfledermaus und der Riesenabendsegler sind so genannte Irrgäste, die erst ein- oder zweimal entdeckt worden sind. Die Alpenfledermaus, die lange als verschollen galt, wurde in jüngster Zeit vereinzelt im südöstlichen Oberbayern nachgewiesen. Die anderen 22 Arten pflanzen sich regelmäßig in Bayern fort. Aber alle Arten sind gefährdet, viele stehen auf der Roten Liste. Deshalb sind Fledermäuse auch streng geschützt.

Eine besondere Rarität sind die Großen Hufeisennasen in Hohenburg (Landkreis Amberg-Sulzbach). Das ist die seltenste Fledermausart überhaupt in Deutschland, die Kolonie in der Oberpfalz ist die einzige hierzulande. Noch vor acht Jahren stand sie kurz vor dem Erlöschen. Dank eines groß angelegten Hilfsprogramms hat sie sich inzwischen stabilisiert. Diesen Winter umfasste sie 273 Tiere. Wegen ihrer Seltenheit sind die Großen Hufeisennasen in Hohenburg besonders gut erforscht. So wurden die Tiere bereits 2011 auf Coronaviren untersucht. "Alle Tests waren negativ", sagt Johannes Pirner, der die Kolonie für den LBV betreut. Da die Kolonie völlig isoliert ist und keinen Kontakt zu anderen Großen Hufeisennasen hat, sind die LBV-Experten überzeugt, dass sie nach wie vor frei von Coronaviren ist. Bei asiatischen Fledermäusen aus der Familie der Hufeisennasen hingegen haben Forscher Viren gefunden, deren Erbgut dem von Sars-CoV-2 ähnelt.

© SZ vom 24.04.2020/syn
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