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Kreativ in der Krise:In München gibt es jetzt Blühbriefe per Post

Sophia Engel, Landesbund für Vogelschutz, Grünspecht

Sophia Engel vom Landesbund für Vogelschutz schätzt, dass in jeder mittelgroßen Grünanlage in München mindestens ein Grünspecht-Paar heimisch ist.

(Foto: Florian Peljak)

Der Landesbund für Vogelschutz verschickt Tütchen mit Saatgut - damit es in der Stadt bald wieder wilde Ecken gibt.

In München fehlt es an wilden Ecken? Was ein Berliner über das Nachtleben der Stadt gesagt haben könnte, bezieht Sophia Engel auf die Grünflächen. Die stellvertretende Leiterin des Landesbundes für Vogelschutz in München erklärt das Dilemma der akkurat angelegten Parks. "Da München eine eher reiche Stadt ist, bleibt alles immer hübsch und gepflegt. Doch in Sträuchern, die immer stark geschnitten werden, können keine Vögel nisten. Und wo Rasenflächen einheitlich kurz bleiben, können keine Wildblumen wachsen."

Einheimische Wildpflanzen sollen nun auf anderem Wege eine Chance in der Großstadt bekommen. Der LBV versendet im Zuge des kollektiven Daheimbleibens kostenlos sogenannte Blühbriefe. Etwa 250 Mal wurde die wilde Post schon verschickt. Wer im Landkreis München ein Saatguttütchen erhalten möchte, kann sich bei dem Verband mit seiner Adresse melden.

Gemeinsam mit einem Saatgutproduzenten hat der LBV heimische Pflanzenarten für die Samentütchen ausgewählt, deren Inhalt für eine zwei bis drei Quadratmeter große Wildblumenwiese ausreicht. In Violett soll dort echter Ziest erblühen, in Rot die Lichtnelke, in Blau der Natternkopf und in Rosa die Moschusmalve. Auch die vielen anderen Kräuter und Gräser in den Blühbriefen sind an den jahreszeitlichen Verlauf unserer Region angepasst. Besonders hart im Nehmen seien die heimischen Pflanzen, erklärt Sophia Engel. Sie wachsen auch in kargen Böden gut und blühen zu Zeiten, in denen Bienen sonst nichts finden.

Ein "Bienenrestaurant" aus den Blühbriefen erwachsen zu lassen, leiste genau wie eine wilde Wiese im Hinterhof einen Beitrag zur Artenvielfalt. "Die Insekten, die bei uns vorkommen, bevorzugen Wildpflanzen. So schön beispielsweise eine Forsythie sein mag, Pollen und Nektar für die Wildbienen produziert sie keinen." Auch Geranien, die in üppigem Rot die Balkone schmücken, böten den Insekten wenig Nahrung, sagt Sophia Engel vom LBV. "Je prächtiger und größer die Blüten sind, desto weniger nützen sie meist der Artenvielfalt der heimischen Insekten." Die kleineren Blüten der Wildblumen sind dafür vitaler und beständiger in ihrer Heimat.

Im Garten kann der Inhalt eines Blühbriefs auf einer kleinen kargen Fläche ausgesät werden. Auch in einem Balkonkasten können die Wildpflanzen erblühen, solange sie nicht zu dicht oder in übersättigtem Boden, wie Kompost, wachsen. Oft sei Naturschutz in der Stadt schwer umzusetzen, weiß Sophia Engel. Doch mit einer aus dem Blühbrief entstandenen wilden Ecke könne man die Münchner Insekten sowie die Artenvielfalt der Pflanzen unterstützen. Jetzt sei nicht nur aufgrund der Temperaturen die beste Zeit, um Wildblumen auszusäen, meint der LBV. Schließlich habe man aktuell auch die Möglichkeit, den Mikrokosmos in der hauseigenen Wildblumenwiese ausführlich zu beobachten.

Die Blühbriefe können beim LBV unter bunter.balkon@lbv.de angefragt werden oder telefonisch unter der Nummer 089/ 20 02 70 73.

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© SZ vom 23.04.2020/syn
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