Klimaschutz:Bayern ist bei den erneuerbaren Energien nur Mittelmaß

Symbolbild Energiewende: Solardach mit Windkraftanlagen im Hintergrund (Composing) *** Symbolic image Energy revolution

Im Freistaat gibt es bei der Nutzung erneuerbarer Energien noch Luft nach oben.

(Foto: U. J. Alexander/Imago)

Zwar wiederholt der Ministerpräsident regelmäßig, wie gut Bayern bei den erneuerbaren Energien ist. Die Wirklichkeit sieht anders aus - der Freistaat rangiert auf Platz sieben im Ländervergleich.

Von Christian Sebald

Wenn es um die erneuerbaren Energien geht, lautet die Standardaussage von Staatsregierung und CSU, dass auch in dem Punkt Bayern Spitze sei. So hat es auch jetzt wieder Ministerpräsident und Parteichef Markus Söder in seiner Klimaschutz-Regierungserklärung selbstbewusst vorgebracht. In der Erneuerbare-Energien-Branche indes sehen sie das anders. "Bayern ist bei den Erneuerbaren allenfalls Mittelmaß", sagt Raimund Kamm, Chef der Landesvertretung Bayern im Bundesverband Erneuerbare Energien. "Unter den 16 Ländern rangiert der Freistaat nur auf Rang sieben, rechnet man die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen raus, steht er noch schlechter da."

Natürlich hat Söder recht - wenn man sich wie er die Stromproduktion aus den erneuerbaren Energien nur in absoluten Zahlen ansieht. Gleich ob Photovoltaik, Wasserkraft oder Biogas - kein Bundesland hat 2018 mehr Strom aus diesen drei Energiequellen erzeugt als Bayern. Selbst bei der von der CSU blockierten Windkraft kam der Freistaat noch auf Rang acht. So haben es das statistische Amt im Mecklenburg-Vorpommern und der Länderarbeitskreis Energiebilanzen ermittelt. Letzterer ist ein unabhängiges, hochkarätig besetztes Gremium mit der Aufgabe, die Energie- und CO₂-Bilanzen der Länder und des Bundes vergleichbar zu machen.

Aber auch Kamm hat recht. Nach seiner Überzeugung reichen die absoluten Zahlen der Stromproduktion durch erneuerbare Energien für ein echtes Ranking nicht aus. Dazu müsse man sie mindestens ins Verhältnis zum Stromverbrauch des jeweiligen Bundeslandes setzen. Das ist die sogenannte Stromquote der erneuerbaren Energien. Und da steht Bayern mit einem Schlag sehr viel schlechter da, als von Söder und der CSU beansprucht.

Wie jedes Jahr hat Bayern auch 2018 knapp 80 Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht. Etwas mehr als 36,5 Millionen Kilowattstunden lieferten die erneuerbaren Energien. Die Stromquote der erneuerbaren Energien belief sich auf also 46 Prozent. Damit lande der Freistaat aber eben nur auf Rang sieben - weit abgeschlagen hinter den Windkraft-Ländern Schleswig-Holstein (Rang eins, Erneuerbare-Energien-Stromquote 189 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (Rang zwei, 168 Prozent) und Brandenburg (Rang drei, 128 Prozent).

© SZ vom 27.07.2021/vewo
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