CSU:Martin Huber ist neuer CSU-General

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CSU: CSU-Chef Markus Söder und sein neuer Generalsekretär Martin Huber.

CSU-Chef Markus Söder und sein neuer Generalsekretär Martin Huber.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Mehr Sympathieträger als Wadlbeißer? CSU-Chef Söder hat den 44-jährigen Landtagsabgeordneten als Generalsekretär vorgestellt: "Er brennt, er will das, er ist bereit, diese Aufgabe zu schultern."

Von Roman Deininger und Andreas Glas

Martin Huber ist neuer CSU-Generalsekretär. Das hat Parteichef Markus Söder am Freitagvormittag in München bekannt gegeben. Davor hatte der CSU-Vorstand Söders Wahl in einer Videoschalte einstimmig abgesegnet. Der Landtagsabgeordnete Huber, 44, tritt die Nachfolge des zurückgetretenen Stephan Mayer an, der keine drei Monate im Amt war. "Er brennt, er will das, er ist bereit, diese Aufgabe zu schultern", sagte Söder über Huber. Der sei modern und konservativ, wertebewusst und weltoffen zugleich, "einfach ein kluger Kopf". Der neue CSU-General nannte seine Wahl selbst "eine große Ehre".

Die Fraktion ist die Machtbasis des Ministerpräsidenten, aber das Verhältnis Söders zu den Abgeordneten hat schon mal bessere Zeiten erlebt. Ein Friedenssignal durch die Berufung eines Generalsekretärs aus deren Mitte - das macht Sinn für Söder mit Blick auf den schwierigen Landtagswahlkampf 2023, den Huber nun organisieren wird. Die Abgeordneten hatten intern auch deutlich gemacht, dass sie eine andere Entscheidung nicht goutieren würden.

In der CSU-Landesgruppe im Bundestag war man dem Vernehmen nach bereits darauf gefasst, dass es nach Stephan Mayer diesmal kein Berliner Abgeordneter werden würde. Es sei gut, dass der neue Generalsekretär aus der Landtagsfraktion komme und "selbst Teil dieses Wahlkampfs" sei, statt "nur für andere" zu planen, sagte Söder. Im Februar, als er die Personalie Mayer vorstellte, klang das noch anders.

Martin Huber ist Sprecher des Arbeitskreises Umwelt der CSU - er hat sich mit grünen Themen schon beschäftigt, als Söder seine Leidenschaft dafür noch nicht verraten hatte. "Wir müssen wieder deutlich machen, dass Umwelt und Ökologie für unsere Partei Kernthemen sind", sagte Huber 2018 in einem SZ-Interview. Aktuell schreibt Huber - zusammen mit seinem Fraktionskollegen Gerhard Hopp - am neuen Grundsatzprogramm der CSU. Parteifreunde loben, er sei "analytisch gut drauf". Auch Söder hat ihn bereits öffentlich als Talent gekennzeichnet: Die Autoren des Grundsatzprogramms seien "pfiffige junge Leute".

Für Huber sprach sicher auch, dass ihm die inneren Gewerke der CSU-Landesleitung sehr gut vertraut sind. Von 2008 bis 2013 war er der persönliche Referent der Parteichefs Erwin Huber und Horst Seehofer. Die Nähe zu Seehofer galt bis zuletzt als Faktor, der Söder von Hubers Berufung abhalten könnte; anderseits soll der Draht zwischen Huber und Seehofer trotz gegenseitiger Wertschätzung nicht mehr allzu eng sein. 2013 zog Huber dann im Stimmkreis Altötting selbst in den Landtag ein - vor Ort erinnern sich viele an den enorm aufwendigen Wahlkampf, mit der Listenkandidat Huber auf sich aufmerksam machte. 2018 eroberte er dann das Direktmandat, vergleichsweise souverän mit 42 Prozent der Stimmen.

Persönlicher Wahlerfolg, das war eines der Kriterien, die Söder und andere bei der Suche nach einem neuen Generalsekretär anlegen wollten. Vom Land kommt Huber auch, sogar vom oberbayerischen Land, was durchaus hilfreich gewesen sein dürfte: Noch am Donnerstag hatte Ilse Aigner als Chefin des mächtigen CSU-Bezirksverbands Oberbayern in einem Interview gefordert, der Mayer-Nachfolger müsse "den ländlichen Raum repräsentieren".

Huber gilt in seinem Wahlkreis als einer, der in traditioneller CSU-Manier den Kontakt zu Vereinen und Verbänden pflegt und - selbst als Anhänger des FC Bayern - auch am Samstagabend beim 1860-Fanclub vorbeischaut. Huber, sagt einer aus der CSU, der ihn gut kennt, verbinde "intellektuelles Format und Bodenständigkeit, das Beste aus beiden Welten". Ein anderer CSU-Mann sagt, "das Einzige, was ihm vielleicht noch abgeht, ist Talkshow-Erfahrung".

Das ist auch das eine große Fragezeichen, das am Freitag in Gesprächen mit CSU-Vertretern auftaucht: Besitzt Huber die Wettkampfhärte für seinen neuen Job? Verglichen mit Huber, sagt einer, sei selbst sein Vorvorgänger Markus Blume ein "Raufbold" gewesen - und schon Blume stand ja bei manchen im akuten Verdacht, viel zu nett zu sein für die Abteilung Attacke. Zeichnet sich da ein ganz neues Profil der Planstelle CSU-Generalsekretär ab - Sympathieträger statt Wadlbeißer? Na ja, es schade nicht, "wenn er auch kämpfen und manchmal auch beißen kann", sagt Söder am Freitag über sein Generalsbild.

Allerdings, auch Leute außerhalb der CSU, die Huber aus dem Landkreis Altötting kennen, zeichnen das Bild eines zurückhaltenden und entspannten Menschen, der mit seiner Hilfsbereitschaft auffällt. "Hochanständig", sagt einer. So soll sich Huber etwa intensiv um einen Jugendlichen gekümmert haben, der seinen Vater bei einem Unfall verloren hat. Vor einigen Jahren setzte er sich stark dafür ein, dass ein von Abschiebung bedrohter pakistanischen Flüchtling in Deutschland bleiben darf. Oft erwähnt wird von Weggefährten auch Hubers Religiosität: Er bekreuzige sich zum Beispiel stets vor dem Essen, das sei bei ihm keine Show.

Am Freitag wirkte auch Markus Söder wie ein Mann, der drei Kreuze macht, dass er am Ende dieser Woche, die er selbst "keine leichte Woche" nennt, eine Nachfolge präsentieren kann, die den Blick etwas weglenkt von den Skandalschlagzeilen, die der Mayer-Rücktritt produziert hat. "Wir schauen nach vorn", sagte Söder.

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