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Heiraten in Corona-Zeiten:Der schönste Tag muss warten

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Der Tegernsee gilt vielen Paaren als die Traumkulisse für ihre Hochzeitsfeier. Solche Szenen waren wegen der Pandemie aber über Monate selten.

(Foto: Imago)

Trotz der Lockerungen will die Hochzeitssaison nicht durchstarten. Viele Paare verschieben das große Fest auf nächstes Jahr.

Das Rathaus direkt am Seeufer mag zwar weit und breit einer der beliebtesten Orte dafür sein, aber der Montag ist zum Heiraten eigentlich nicht der beliebteste Tag. Und doch haben das in der Stadt Tegernsee allein am Montag schon wieder drei Paare getan - im kleinen Rahmen, wie Maria Schmid vom Standesamt berichtet. Denn wegen der Corona-Pandemie dürfen derzeit höchstens zehn Leute in den Trausaal, und in den größeren Sitzungssaal nicht mehr als 20. Auch am Hochzeits-Hotspot Tegernsee, wo jedes Jahr Hunderte meist auswärtige Paare heiraten, hat der Lockdown Mitte März den Betrieb für mehrere Wochen ganz lahmgelegt. Für einige der betroffenen Heiratswilligen habe man aber inzwischen Lücken im Terminkalender gefunden, sagt Maria Schmid, und rein standesamtlich laufe hier mittlerweile alles wieder nahezu normal. Nur groß gefeiert wird dann halt wann anders.

Denn ein großes Hochzeitsfest, wie es sich die meisten Paare wünschen, war in den vergangenen Monaten schlicht nicht erlaubt. Inzwischen hat der Freistaat auch hier gelockert. 50 Gäste drinnen und 100 unter freiem Himmel dürfen nun miteinander feiern - und sie dürften sich dabei fast so frei fühlen wie früher, "mit Musik, Tanz und den üblichen Spielen", bekräftigt Thomas Geppert. Der Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands hat sich das alles vom Gesundheits- und von Wirtschaftsministerium bestätigen lassen, nachdem Ministerpräsident Markus Söder in einem Radiointerview zuletzt ausdrücklich nichts mehr von größeren Einschränkungen für Hochzeiten gesagt hatte. Außerdem hoffe und erwarte er, dass das Kabinett an diesem Dienstag bei privaten Feiern noch mehr Gäste zulassen werde, sagt Geppert. Groß gefeiert wurde in den Hotels und Gaststätten bisher trotzdem nicht, denn dazu hätten Hochzeiten einen zu langen Vorlauf.

Diese Erfahrung hat auch Martina Anders gemacht, die als Hochzeitsplanerin große Feste vorbereitet. Einige Paare hätten ihre Feiern ein ums andere Mal verschoben; aber viele hätten sie auch gleich ganz abgesagt und ins kommende Jahr verlegt. Dass in den Standesämtern teils wieder Normalbetrieb herrscht, wundert Martina Anders weniger, denn das Heiraten als Verwaltungsakt ist ihrer Erfahrung nach manchmal eben dringender - sei es, weil ein Paar ein Kind erwarte oder es ein Haus bauen und dafür lieber verheiratet sein wolle. Das Hochzeitsfest als einen der wichtigsten und schönsten Tage im Leben wolle sich aber niemand vom Coronavirus trüben lassen, sagt Anders. Für sie als Hochzeitsplanerin und für eine ganze Branche aus Fotografen, Floristen, Brautmodehäusern und vielen anderen Beteiligten ist das aber ein Problem, auf das sie alle miteinander vor drei Wochen schon mit einer Kundgebung am Münchner Marienplatz hingewiesen haben.

Denn der passende Anlass für das große Fest ist für viele Brautpaare in Bayern immer noch die kirchliche Trauung. Und was die betrifft, ist man auch am Tegernsee noch weit vom Normalbetrieb entfernt. Für die nächste Zeit stehe nur eine größere kirchliche Trauung im Kalender, in zwei Wochen in Rottach, heißt es etwa im Pfarrbüro des katholischen Pfarrverbands Tegernsee-Egern-Kreuth. Manche Paare hätten sich noch Termine im Herbst offen gehalten und wollten sich nach den Sommerferien entscheiden. Doch die allermeisten Paare hätten die kirchliche Trauung und damit auch das große Hochzeitsfest längst ins kommende Jahr verschoben.

© SZ vom 30.06.2020/vewo
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