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Corona in Bayern:Längere Weihnachtsferien sind nur die zweitbeste Lösung

Weihnachtsferien in Bayern starten eher

Die Weihnachtsferien in Bayern werden in diesem Jahr coronabedingt verlängert (Symbolfoto).

(Foto: dpa)

Aus Infektionsschutzgründen ist ein früherer Ferienbeginn sicher sinnvoll. Es hätte eine noch bessere Lösung gegeben - doch die haben Kultusministerium und Kommunen verschlafen.

Kommentar von Andreas Glas

Weihnachtsferien verlängern? "Nee", sagte Markus Söder, Debatte beendet, Mitte Oktober war das. In der Pandemie sei die Schule "schon anstrengend genug", befand der Ministerpräsident. Da müsse man bei Schülern, Eltern, Lehrern nicht noch zusätzlich "für Verunsicherung sorgen". Und jetzt, nur sechs Wochen später? Verkündet derselbe Söder, dass die Weihnachtsferien in Bayern zwei Tage früher beginnen werden. Eine gute Lösung? Ja. Die beste? Nein.

Die Lösung ist gut, weil sie dem Infektionsschutz dient, und die Lage ernster ist als im Oktober. Würden die Kinder bis 22. Dezember in den Schulen bleiben, bestünde die Gefahr, dass sie das Virus auf direktem Weg aus dem Klassen- ins Wohnzimmer tragen, wo sie nur zwei Tage später mit Oma und Opa unterm Christbaum sitzen. Sicherheit geht vor, diese Regel schlägt derzeit viele Gegenargumente. Wer die Kontaktbeschränkungen über Weihnachten lockern will, ist also gut beraten, zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Ein früherer Ferienbeginn kann so eine Vorkehrung sein, sofern die Kinder wirklich zu Hause bleiben - und Eltern die Zeit nicht dafür nutzen, früher zum Festbesuch bei den Großeltern aufzubrechen.

Und trotzdem, es hätte eine bessere Option gegeben: Homeschooling. Hätte die Politik die acht Monate besser genutzt, die seit den Schulschließungen im März vergangen sind, gäbe es inzwischen einen funktionierenden Digitalunterricht. Wenn der sichtlich hilflose Kultusminister Michael Piazolo kontert, dass "niemand perfekt" sei, ist das haarsträubend. Nur ein Beispiel: Immer noch haben nicht alle Lehrer ein Dienstlaptop. Weil Kultusministerium und Kommunen viel zu lang über die Kosten gestritten haben. Erst jetzt werden die Förderrichtlinien ausgearbeitet. Auch die Bundesmillionen für die Laptops fließen noch nicht.

Das Resultat ist nun also, dass die Kinder in einem Schuljahr, in dem sie sowieso schon weniger lernen, noch mal zwei Tage weniger Unterricht haben. Und die Eltern, die eh schon beansprucht sind, müssen wieder kurzfristig Urlaub nehmen oder sonst irgendwie kreativ werden, um ihre Kinder an den zusätzlichen Ferientagen betreuen zu können.

In der Pandemie habe Schule oberste Priorität, betonen Söder und Piazolo pausenlos. Leider gibt es eine erhebliche Diskrepanz zwischen der Parole "Schule zuerst" und einer Realität, die nur zweitbeste Lösungen parat hat.

© SZ vom 25.11.2020/van
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