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Ausbildung:Weniger Hilfe für junge Jobanfänger

Ausbildungsjahr startet in Brandenburg

Auf der Suche nach einem passenden Lehrbetrieb können Berufseinstiegsbegleiter oft helfen.

(Foto: Daniel Bockwoldt/dpa)

Die bayerische Staatsregierung will die finanzielle Unterstützung für die Begleitung beim Berufseinstieg streichen - viele junge Leute mit Lernschwierigkeiten profitieren davon.

Von Dietrich Mittler

Für 3500 junge Menschen jährlich droht in Bayern künftig eine Unterstützung wegzubrechen, die bislang noch angeboten wird, um deren Entwicklung in gute Bahnen zu lenken: die Berufseinstiegsbegleitung, die sich speziell an Jugendliche wendet, die sich mit dem Lernen und erst recht mit der Suche nach einem passenden Beruf schwertun. Die Kosten für diese Begleitung trugen hier bislang zu gleichen Teilen die Bundesagentur für Arbeit und der Freistaat. Bayern nutzte für diese Aufgabe die Zuschüsse des Europäischen Sozialfonds - nur, die werden bald nicht mehr im bisherigen Umfang fließen. Folglich sieht es nun so aus, dass auch die Staatsregierung ihre Finanzierung einstellt. "Das ist ein Skandal", sagt Axel Möller, der Vorsitzende der Katholischen Jugendsozialarbeit in Bayern (KJS).

Es sind junge Menschen wie Justin Luttai (Name geändert), die es treffen wird. Justins Hobby sind, wie es das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung in Nürnberg beschreibt, "schnelle Karren". Er will unbedingt "schrauben" - hat aber seinen Hauptschulabschluss nicht geschafft und damit kaum eine Chance, je in seinen Traumberuf arbeiten zu können. Ein klassischer Fall für Berufseinstiegsbegleiterinnen und -begleiter, die nun vor der Aufgabe stehen, gemeinsam mit den Jugendlichen eine Alternative zu finden - oder eben vielleicht doch einen Lehrbetrieb, der es mit den jungen Menschen mal probieren will.

Sina Lippert, die auf vier Jahre als Berufseinstiegsbegleiterin für die Gesellschaft zur beruflichen Förderung in Aschaffenburg zurückblicken kann, erinnert sich an eine 13-Jährige, die unbedingt Verkäuferin werden wollte, aber von ihrem scheuen, zurückhaltenden Wesen her ganz und gar nicht in dieses Berufsbild zu passen schien. "Die größte Herausforderung ist es, den jungen Menschen nicht seinen eigenen Stempel aufzudrücken", sagt die 29-jährige Sozialpädagogin. Sie begleitete die Jugendliche gut zweieinhalb Jahre lang - zunächst in der Schule, dann im Lehrbetrieb. Und tatsächlich: "Sie ist in der Ausbildung aufgeblüht", sagt Lippert, die im ständigen Austausch mit der Ausbilderin stand. "Für mich zählt so etwas zu den schönsten Momenten", sagt auch die Münchner Berufseinstiegsbegleiterin Rebekka Bönte, die ihrerseits beim Kolping-Bildungswerk tätig ist.

Berufseinstiegsbegleitung erfordert Empathie und pädagogisches Geschick, insbesondere bei Jugendlichen, die Anzeichen einer psychischen Belastung aufweisen oder die Schwierigkeiten haben, ihren Mittel- beziehungsweise ihren Förderschulabschluss zu erreichen. "Auch die Staatsregierung hat die Berufseinstiegsbegleitung in den höchsten Tönen gelobt", sagt der KJS-Vorsitzende Möller. Er fordert, dass Bayern auch weiterhin Geld für diese Maßnahme bereitstellt. Gleiches wollten nun die SPD-Landtagsfraktion sowie die Landtagsgrünen und die FPD-Fraktion in einem gemeinsamen Antrag erreichen. Am Mittwoch wurde dieser von den Regierungsfraktionen im Haushaltsausschuss abgelehnt.

Stattdessen fiel der von der CSU und den Freien Wählern mitgetragene Minimalbeschluss, dass die Staatsregierung einen Plan vorlegen solle, wie sie das Problem zu lösen gedenkt. "Wenn die Regierungsfraktionen sich der Wichtigkeit des Themas bewusst sind, wie sie im Ausschuss betont haben, und dann den Antrag der Opposition ablehnen, ist das beschämend", sagten danach die SPD-Haushaltsexperten Claudia Köhler und Harald Güller sowie ihr FDP-Kollege Helmut Kaltenhauser. Dies sei "ein Schlag ins Gesicht der 3500 jungen Menschen, denen die Fortführung des Projekts vom Herbst an den Einstieg in eine Berufsausbildung unzweifelhaft erleichtert hätte". Die Grünen erinnerten daran, dass die Staatsregierung die Fortführung der Berufseinstiegsbegleitung zumindest bis 2023 zugesichert hatte.

© SZ vom 19.03.2021/vewo
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