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Unter Bayern:Bekenntnis eines E-Bikers

Das E-Bike - Gefahr für die Berge

Neuerdings glotzen sich Radler am Berg gegenseitig nur noch auf die Tretlager. Sitzt dort ein Motor, ist man bei den Naturradlern unten durch (Symbolbild).

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa)

Die Berge werden höher, jedes Jahr. Da kann es einem Oberbayern schon passieren, dass er sich im Radlgeschäft so ein Elektrodingens zulegt. Auch wenn das Folgen im Sozialleben nach sich zieht.

Glosse von Sebastian Beck

Mit Kollegen ist es manchmal schon ein Kreuz. Am Freitagmorgen kündigte der Autor dieser Zeilen in der Telefonkonferenz an, er wolle eine Kolumne über seine Erfahrungen als E-Biker schreiben: Neuerdings glotzen sich Radler am Berg gegenseitig nur noch auf die Tretlager. Sitzt dort ein Motor, ist man bei den Naturradlern unten durch. Super Thema, oder? Es dauerte ungefähr zwei Minuten, dann hob das Gekichere an, weil der Kollege S. eine alte Kolumne des Autors Beck in die Runde mailte mit dem Vermerk: "So, dieser Text ist drei Jahre her. Jetzt schau ma mal, wie Du heute aus der Nummer rauskommst." Eine Gemeinheit. Mobbing.

In der besagten Kolumne war unter anderem von Typen mit Wampen und Steckerlhaxn auf Akkurennern die Rede, die sich oben auf der Alm ein Halbe Weißbier reinschütten, während der Selbstfahrer ehrlich mit dem Berg und seinem Körper kämpft. Das stimmt ja auch heute noch. Seitdem ist aber viel passiert. Zum Beispiel musste der alternde Selbstfahrer feststellen, dass die Berge jedes Jahr höher werden. Geologen können dies bestätigen: Die Alpen wachsen jedes Jahr um zwei Millimeter und wandern zudem um einen halben Millimeter nach Norden. In der Praxis bedeutet dies, dass es zwar nicht mehr so weit bis zum Kochelsee ist, die Auffahrt zum Herzogstandhaus mit dem Radl aber immer steiler wird.

Deshalb ging er im Frühjahr ins Fahrradgeschäft und holte sich so ein überteuertes Elektrodingens. Ja, es ist eine Kapitulationserklärung. Am liebsten würde man sich in diesem Moment an die Brust des Verkäufers lehnen und laut schluchzen: "Ich bin am Ende, ich brauche Elektrounterstützung." Der würde einem dann übers Haar streichen und sagen: "Gräme Dich nicht, mein Sohn, nimm lieber gleich den großen 750er Akku, da kommst du auch noch mit zwei Holzhaxn auf den Herzogstand."

Nun ja, es ist eben passiert. Deshalb gilt ab sofort der Spruch: Ist der Ruf erst ruiniert, fährt es sich völlig ungeniert. Eine sportive Bekannte hat auf das erste E-Bike-Foto mit der Bemerkung reagiert: Du gehörst ins andere Lager, das ich grundsätzlich nicht grüße, wenn sie an mir vorbeizischen.

Ja dann, leb wohl, ich trink auf dich oben auf der Hütte!

© SZ vom 20.06.2020/syn

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