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Nach Hüttenübernachtung in Berchtesgaden:Geld her oder ich petze!

Schützensteig: Klettersteig am Kleinen Jenner im Berchtesgardener Land über dem Königssee

Vom Jenner zurück im Tal, beschwerte sich der Wanderer über die Übernachtung auf der Hütte.

(Foto: Stefan Herbke)

Eine Art Erpresserbrief ist kürzlich beim Alpenverein Berchtesgaden eingegangen, weil es einem Wanderer zu eng war auf der Hütte in Corona-Zeiten. Doch die Rechnung ist nicht aufgegangen.

Kolumne von Matthias Köpf

Bei bestimmten Transaktionen ist ja traditionell Bares gefragt, kleine Scheine, nicht nummeriert. Neuerdings dürfen es auch mal Bitcoins sein oder ähnlich kryptische Währungen. Bei der Forderung, die da neulich beim Alpenverein in Berchtesgaden eingegangen ist, bot der Absender zu den Zahlungsmodalitäten laut Berchtesgadener Anzeiger jedoch Folgendes an: "Auf die Visa, per Paypal oder doch erst mit einem Gerichtsurteil."

Speziell die dritte Möglichkeit klingt nach gutem Recht, aber insgesamt erschien das Schreiben der DAV-Sektion nicht nur unverschämt, sondern erpresserisch. Sie drohte ihrerseits, und zwar nicht mit dem Gesundheitsamt, dem Ordnungsamt, dem Finanzamt und der Presse, sondern mit der Polizei. Die musste sich damit dann gar nicht mehr befassen.

Eine Erpressung im großen Stil wäre das sowieso kaum geworden, denn sogar in kleinsten Scheinen hätte der Alpenverein nur 21 Fünfer gebraucht, was mit den drei Euro Münzgeld schwerlich gereicht hätte, einen Geldkoffer zu füllen. Der Bergfreund mit der Kreditkarte und dem Paypal-Konto hatte nämlich exakt 108 Euro zurückgefordert, drei mal 36 Euro für eine Übernachtung für drei Personen im Schneibsteinhaus am Jenner. In dem drei Meter langen, drei Meter breiten und 1670 Meter hoch gelegenen Zimmer hätten nämlich nicht drei, sondern vier Personen übernachtet, aus vier verschiedenen Haushalten. Ein Regelverstoß in der Corona-Pandemie, monierte der Gast hinterher aus dem Tal. Also 108 Euro per Visa oder Paypal, sonst Gericht und Gesundheitsamt, lautete seine Rechnung. In dem Fall eine ohne den Hüttenwirt.

Der hatte den vierten Gast dem Zimmer der anderen drei zugeteilt, weil alle vier zuvor in der Stube beisammen gesessen waren und ganz den Eindruck einer geschlossenen Gruppe gemacht hatten. Zudem seien für die Einhaltung der Corona-Regeln die Gäste selbst verantwortlich, heißt es vom Berchtesgadener Alpenverein, der von dem versuchten Erpresser bald ein zweites Schreiben bekam, wonach er sein erstes zurückziehe.

Die DAV-Sektion hat inzwischen auch etwas zurückgezogen, nämlich ihren Facebook-Post über den Fall. In den Kommentaren hatte die Empörung kaum mehr zu moderierende Ausmaße angenommen. Gezahlt hat sie nicht. Und jetzt: Hüttenruhe.

© SZ vom 17.06.2020/imei
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