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Nachruf:Barbara Rütting ist gestorben

Barbara Rütting gibt Mandat zurück

Barbara Rütting 2008 im Landtag.

(Foto: Frank Leonhardt/dpa)

Sie war Politikerin, Tierschützerin, Schauspielerin - und hat sich ihr ganzes Leben lang ihren vielen Leidenschaften gewidmet. Barbara Rütting wurde 92 Jahre alt.

Die letzte Botschaft auf ihrer Homepage stammt vom 19. November 2019. Nach einem außerordentlich erfolgreichen Jahr, schrieb Barbara Rütting, wolle sie sich eine Auszeit verordnen, um die Batterien wieder aufzuladen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass sie bereits am vergangenen Samstag im Alter von 92 Jahren gestorben ist. Selbst die letzten Sätze auf ihrer Homepage sind typisch für Rütting. Sie war eine Frau, die bis zu ihrem Ende aktiv blieb: "Durchs Leben getobt" hieß dementsprechend der Titel ihrer Autobiografie, in der sie schrieb: "Es ist ein wunderbares Leben geworden. Trotz aller Irrungen und Wirrungen kann ich heute sagen: Was bin ich doch für ein Glückspilz!"

Der älteren Generation ist sie vor allem als "Geierwally" bekannt, die Hauptdarstellerin in der gleichnamigen Heimatschnulze aus dem Jahr 1956, die zwar verheerende Kritiken erntet, Waltraut Goltz aus Brandenburg unter dem Künstlernamen Barbara Rütting aber schlagartig berühmt macht. In den Jahren danach dreht sie zusammen mit Kirk Douglas, Sophia Loren und Klaus Kinski, ihre Filmografie umfasst 45 Kino- und Fernsehfilme, ehe sie sich im Jahr 2000 von der Schauspielerei verabschiedet und ganz ihren vielen Leidenschaften widmet.

Schon seit Jahrzehnten ist Rütting überzeugte Vegetarierin, was ihr politisches Engagement ebenso beeinflusst wie ihr Hang zur Esoterik und die Selbstfindung als Baghwan-Anhängerin. In den Siebzigerjahren erfindet sie das Barbara-Rütting-Brot aus Roggenvollkorn, das es in Biobäckereien immer noch zu kaufen gibt.

In den Achtzigern protestiert sie gegen Aufrüstung und Tierquälerei, sie macht sich einen Namen als Autorin von Koch- und Kinderbüchern. Ihr unstetes Leben führt sie zeitweise nach Österreich, wo sie ein Öko-Dorf aufbauen möchte und scheitert. Dann schließlich eine erneute Wende: Barbara Rütting kandidiert für die Grünen und zieht 2003 mit 77 Jahren als Alterspräsidentin in den bayerischen Landtag ein. Noch einmal bekommt sie bundesweite Aufmerksamkeit, die sie nutzt, um ihre Gesundheits- und Tierschutzthemen zu befördern.

Rütting bleibt sich bei all dem stets treu: Sie lässt sich nicht in die Fraktionsdisziplin der Grünen einbinden und stimmt schon mal mit der CSU. Die anfangs wohlwollenden Kommentare ihrer Parteifreunde weichen mit der Zeit einem genervten Stöhnen, wenn von Rütting die Rede ist. Sie selbst droht halb im Spaß: "Wenn ihr nicht nett zu mir seid, dann kandidiere ich noch einmal."

Im März 2009 gibt Rütting schließlich ihr Mandat als Grünen-Abgeordnete aus gesundheitlichen Gründen auf. Zu diesem Zeitpunkt freilich hat sie längst resigniert und klagt darüber, wie wenig sie im Landtag bewirken konnte. Im September 2009 tritt Rütting schließlich auch noch bei den Grünen aus, der Anlass ist eher kurios: In einem Fernsehbeitrag tötete die frühere Landwirtschaftsministerin Renate Künast eine Forelle - das ist Rütting dann doch zu viel, sie bricht mit der Partei.

Ihr Engagement führt sie aber auch in den Jahren danach unermüdlich weiter. "Was mir immer wieder auf die Beine hilft", heißt der Titel ihres Buchs über ihren Burnout, das 2012 zum Besteller wird. 2017 tritt sie in die V-Partei ein, die Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer, und kandidiert für den Bundestag. Mit dem Altern hadert sie nie, im Gegenteil: Es sei die "schönste Etappe meines Lebens" sagt sie an ihrem 85. Geburtstag.

© SZ vom 03.04.2020/infu
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