Energiepolitik:Bund Naturschutz: Tschechische Atommeiler sind niemals wirtschaftlich

Energiepolitik: Ein Bus fährt vor den Kühltürmen des Atomkraftwerks Temelin in Tschechien entlang. In dem Nachbarland gibt es Pläne für weitere Reaktoren.

Ein Bus fährt vor den Kühltürmen des Atomkraftwerks Temelin in Tschechien entlang. In dem Nachbarland gibt es Pläne für weitere Reaktoren.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Der angekündigte Bau neuer Reaktoren im Nachbarland Tschechien sorgt auch in Bayern für viel Kritik. Atomkraftgegner warnen vor unkalkulierbaren Risiken und viel zu hohen Kosten.

Tschechien wird nach Ansicht von Atomkraftgegnern in Bayern keine wirtschaftlichen Angebote für den geplanten Bau von neuen Kernkraftwerken erhalten. "Ich gehe davon aus, dass Tschechien keine wirtschaftlichen Angebote für den Bau von neuen Reaktoren bekommt. Kein Wunder, der Bau von neuen AKW ist nicht wirtschaftlich", sagte der Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Bayern, Richard Mergner, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in München.

Als Beispiele verwies Mergner auf die aktuellen Erfahrungen beim Atomkraftwerkbau in Frankreich: "Der neue Kraftwerksblock im französischen Flamanville hätte beispielsweise schon 2012 ans Netz gehen sollen, ist aber immer noch nicht fertig. Dort haben sich die geschätzten Kosten vervielfacht, von 3,3 Milliarden auf mittlerweile 18 Milliarden Euro." Nur durch staatliche Subventionen könnten Atomkraftwerke überhaupt konkurrenzfähig bleiben.

Die tschechische Regierung des liberalkonservativen Ministerpräsidenten Petr Fiala will bis zu vier neue Reaktorblöcke in Auftrag geben. Diese würden auch in direkter Nähe zur Grenze nach Deutschland und Österreich entstehen. Der französische Atomkonzern EDF und der südkoreanische Konkurrent KHNP sollen bis Ende April verbindliche Angebote vorlegen.

Mergner warnte wiederholt vor den Risiken der Kernenergie. Entgegen der Mär, die in Deutschland auch gerne von CDU/CSU- und FDP-Politikern verbreitet werde, sei die Atomkraft weder billig noch klimaneutral noch sicher. "Sie ist eine unbeherrschbare Dinosauriertechnik mit ungeklärter Endlagerfrage, die auf den Schrotthaufen der Geschichte gehört."

Zudem bremse ihr Ausbau die längst überfällige Energiewende. "Und da sind die Schäden eines potenziellen GAUs, die keine Versicherung bereit ist zu versichern, noch gar nicht eingepreist", sagte Mergner. Welche Gefahren drohten, hätte sich zuletzt bei der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima gezeigt. Selbst dieses Hochtechnologieland habe hilflos bei der Katastrophe zusehen müssen. "Ich bin froh, dass Deutschland aus der Atomkraft ausgestiegen ist und möchte nicht noch mehr Atomkraftwerke in Grenznähe haben."

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