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Mitten in Bayern:Hände auf die Bettdecke!

Die Jugendorganisation der AfD sorgt sich um den Schutz der Gesundheit. Nein, es geht nicht um Rauchen, Alkohol oder riskante Sportarten. Worum dann? Da muss man erstmal drauf kommen.

Glosse von Johann Osel

Die Junge Alternative findet derzeit öfters Erwähnung, weil der Nachwuchs der AfD vom Verfassungsschutz beobachtet wird - was der Gesamtpartei womöglich droht. Doch wie geht es der JA so, was könnte sie tun, um die Herzen der jungen Leute zu erwärmen und so richtig toll anzukommen in ihrer Generation? Richtig, sie könnte vor den gesundheitlichen Gefahren des Onanierens warnen und die Devise ausgeben: Hände bitte stets über der Bettdecke! Das tat zumindest kürzlich Thomas Deutscher, stellvertretender JA-Vorsitzender in Bayern und AfD-Stadtrat im oberpfälzischen Schwandorf. Auf seinem Facebookprofil zeigte er eine Karikatur von Männern verschiedenen Alters, Masturbierende wie Enthaltsame. Erstere ausgezehrt, buckelig und dümmlich dreinblickend, Letztere stolz, stattlich und gesund. "Es" (also die Selbstbefriedigung), berichtet Deutscher, habe heutzutage "Ausmaße angenommen, die weit über die ,natürlichen Bedürfnisse' hinausgehen". Masturbation sollte daher "generell eingestellt werden, da sie einen der schöpferischen Energie, vieler Nährstoffe und männlichen Kraft beraubt".

Nun ist das keine neue These. "Von der Onanie und den übrigen Ausschweifungen der Geschlechtslust" hieß ein medizinisches Werk vor gut 200 Jahren: "Zuerst magern bei der Onanie die Glieder ab, sie trocknet sie gleichsam aus." Dann: Diarrhö, Schwindsucht, Blutspucken, Lungenfäule. Die Wissenschaft freilich sieht das längst anders, sie hat alle Warnungen an die Jugend - "Onanieren macht blind" oder "Nach 1000 Schuss ist Schluss" - widerlegt. Nicht davon beeindrucken lässt sich die digitale "No Fap"-Bewegung; die "Nichtwichser" (Zitat aus der taz) sind in einer Art hippen Selbstoptimierung enthaltsam. Darauf beruft sich der JA-Vize ebenfalls. Liest man, wofür seine Gruppe steht, geht es aber wohl um die Stärkung des deutschen Mannes. Also: Migranten oder andere Störfaktoren im homogenen JA-Volksbegriff dürften heiter wedeln.

Privatmeinung oder Programm beim AfD-Nachwuchs? Deutscher lässt eine Anfrage der SZ dazu unbeantwortet. Jüngst bei einer Tagung hat sich die JA Bayern zumindest nicht mit innerlichem Druck beschäftigt. Sondern laut Mitteilung mit "Druck von außen", wie dem Verfassungsschutz oder einer "Zensur" im Netz. Dem wolle man auf gar keinen Fall nachgeben.

© SZ vom 19.02.2021/sim, van
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