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Rosenheim:"Stoppt das A 8-Monster": Widerstand gegen den Autobahn-Ausbau

Rückreiseverkehr auf der A8 in Bayern

Auf der A 8 kommt es regelmäßig zu Staus, weil Standstreifen fehlen.

(Foto: dpa)

Die A 8 soll bis zur Landesgrenze sechsspurig ausgebaut und um zwei Standstreifen erweitert werden. Doch das Projekt finden im Chiemgau viele zu groß, zu teuer und umwelt- und gesundheitsschädigend.

Von Maximilian Gerl

Die Autobahn 8 ist in die Jahre gekommen. Vier Spuren schleusen den Verkehr durch den Chiemgau, bestenfalls. Fehlende Standstreifen sind ein Grund dafür, dass es bei Unfällen regelmäßig zu Staus kommt. Auch deshalb soll die A 8 von Rosenheim bis zur Landesgrenze bei Salzburg sechsspurig ausgebaut und zudem um zwei Standstreifen erweitert werden. Doch gegen diesen "6+2"-Ausbau formiert sich nun in der Region Widerstand: zu groß, zu teuer, zu unwirtschaftlich, umwelt- und gesundheitsschädigend, lauten die Vorwürfe. Am Dienstagabend wollen mehrere Bürgerinitiativen in Umrathshausen (Gemeinde Frasdorf) demonstrieren und ihr weiteres Vorgehen besprechen.

Mit der A 8 hat man im Chiemgau gewissermaßen Erfahrung. Ausbau-Überlegungen gibt es schon lange, 2009 wurde gar ein "Planungsdialog" ins Leben gerufen, um die Einheimischen besser einzubinden. Jetzt bahnen sich neue Proteste an. "Stoppt das A 8-Monster", haben Kritiker des aktuellen Ausbauplans eine Petition überschrieben. Zu diesen zählt unter anderem die Aschauer Gemeinderätin Edda Weimann von den Grünen, die das Treffen am Dienstag mitorganisiert.

Weimann stört neben dem Umfang des Projekts insbesondere der Eindruck, dass da etwas über die Köpfe der Anwohner hinweg im Schutze der Sommerferien entschieden werde, wie sie sagt. Quasi nur durch Zufall habe man erfahren, dass die ersten Einsprüche gegen die Pläne schon bis 3. September bei der Regierung eingehen müssten. Und: "Früher wurde die Autobahn der Landschaft angepasst, jetzt wird die Landschaft der Autobahn angepasst." Auch aus anderen Orten ist Kritik zu vernehmen. Der Gemeinderat Bernau etwa forderte Anfang August einen besseren Lärmschutz. Der sei nach derzeitigem Planungsstand eine "Frechheit", zitiert das Oberbayerische Volksblatt einen CSU-Vertreter.

Die A 8 ist aus vielen Gründen ein Staumagnet, für moderne Autobahnverhältnisse außerdem ungewohnt kurvig mit Anstiegen und Gefällen. Gebaut wurde sie von 1934 bis 1939, ein Prestigeprojekt der Nationalsozialisten. Die an die Landschaft angelehnte Streckenführung sollte Autofahrern die schöne Heimat vor Augen führen. Heutzutage würden Ingenieure um den Irschenberg wahrscheinlich einen Bogen machen oder einen Tunnel einplanen. Im Größenwahn des Dritten Reichs aber musste es ja unbedingt hinaufgehen.

Für den Ausbau veranschlagt die Autobahndirektion Südbayern zunächst 380 Millionen Euro für die ersten beiden Abschnitte von Rosenheim bis zum Bernauer Berg. Sie befinden sich im Planfeststellungsverfahren. Im Abschnitt Frasdorf werden derzeit die Tekturunterlagen ausgelegt, im Abschnitt Rohrdorf soll das im Herbst erfolgen. Dass grundsätzlich etwas passieren muss mit der A 8, streiten dabei auch Kritiker der Pläne nicht ab. Nur was, wo und in welchen Dimensionen, ist die Frage. "Wenn es einen Standstreifen braucht, braucht es einen Standstreifen", sagt Weimann. Statt aber gleich vier zusätzliche Spuren zu bauen, könne es eine Möglichkeit sein, den Mittelstreifen zu verkleinern - und so links und rechts Platz für die Standstreifen zu schaffen.

"Sobald es den kleinsten Stau gibt, fahren alle über die Orte"

Die Autobahndirektion Südbayern gibt hingegen an, dass ein reiner Anbau von Seitenstreifen ausscheide. Demnach fehlt es an mehr: Brücken seien sanierungsbedürftig und zu klein, weshalb "sämtliche Bauwerke abgebrochen und neu errichtet werden" müssten. Auch angesichts der "zahlreichen zu erneuernden Unterführungen" sei es wirtschaftlicher, auf "zeit- und kostenintensive provisorische Verbreiterungen" zu verzichten. Außerdem sei die "Leistungsfähigkeit" der vierspurigen Strecke "bei dem heutigen werktäglichen Verkehrsaufkommen bereits erreicht und im Wochenend- und Ferienreiseverkehr deutlich überschritten". Unabhängig von der Anzahl der Streifen sollen Entwässerungseinrichtungen auf Stand gebracht und Beschleunigungsstreifen verlängert werden, um das Unfallrisiko zu minimieren.

Beendet sein dürften die Debatten damit nicht im Chiemgau, im Gegenteil. Über den künftigen Nordzulauf zum Brennerbasistunnel wird rund um Rosenheim bereits erbittert gestritten, sowohl was seinen Sinn als auch seinen Verlauf betrifft. Sollte sich zu diesem Großprojekt mit der A 8 ein weiteres gesellen, befürchtet Weimann ein Verkehrschaos zulasten der Gemeinden: "Sobald es den kleinsten Stau gibt, fahren alle über die Orte." Sie fordert darum einen "Konsultationsprozess" gemeinsam mit den Anwohnern, "was hier überhaupt durchführbar ist".

© SZ vom 24.08.2020
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