Vernetzte Autos Die Daten eines Autos sind das neue Öl

"Vorsicht, rutschige Straße voraus": Vernetzte Autos können ihre Fahrer vor Gefahren warnen - und noch viel mehr.

(Foto: Kartendienstleister Here)
  • Von März 2018 an müssen in der EU verkaufte Neuwagen über den automatischen Notruf E-Call verfügen.
  • Damit wird jedes Auto zum vernetzten Auto. Auf die unzähligen Daten wollen nicht nur die Autohersteller, sondern auch die Zulieferer, IT-Firmen und Start-ups zugreifen.
  • Doch die Autobauer wollen den Zugang zu den Daten einschränken - nicht nur aus Sicherheitsgründen.
Von Joachim Becker

Jeder Big Bang hat mal klein angefangen. Zum Beispiel mit Rettungswagen, die sich ihre Rettungsgasse selbst freihalten können: Car-to-X heißt diese Technik, die Volkswagen mit der nächsten Golf-Generation erstmals einführen will. Laut einem Bericht der Automobilwoche wollen die Wolfsburger von 2019 an serienmäßig Wlan-Sender und -Empfänger verbauen. Damit können die Autos im Radius von etwa 500 Metern Warnmeldungen nahezu in Echtzeit austauschen.

Sicherheit als Grundausstattung ohne Aufpreis: Was wie der Königsweg zum vernetzten Fahren wirkt, ist unter Experten nicht unumstritten. Denn noch ist offen, welche Technik sich als Standard durchsetzt. Und wer mit den Daten aus dem Auto Geld verdient.

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"Dramatischer als der elektrische Antrieb wird das Internet das Auto verändern", erwartet VW-Markenvorstand Herbert Diess. "Im Jahr 2025 wollen wir mit Diensten rund ums vernetzte Auto rund eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr machen." Kostenlose Sicherheitsdienste werden dafür nicht ausreichen. 80 Millionen Nutzer will VW bis dahin für seine digitale Plattform mit dem Namen "We" gewinnen. Das klingt viel, ist in der Telekom-Welt aber relativ wenig. Große Technologiefirmen wie Apple und Google wollen eigene Ökosysteme fürs Auto anbieten.

"Wichtig ist eine im Markt durchgängige Technologie, die von so vielen Herstellern und Partnern wie möglich eingesetzt wird", sagt Johannes Neft, Leiter der Aufbauentwicklung bei VW. Obwohl seit 20 Jahren an Public-Wlan-Lösungen geforscht wird, ist aber genau das immer noch nicht geklärt. Vorteil der Wlan-Lösung ist, dass sie Daten auch ohne Mobilfunkverbindung in drei Millisekunden austauschen kann. Etwa um an Kreuzungen eine Notbremsung auf querenden Verkehr auszulösen, der vorher verdeckt war. Ihr Nachteil ist, dass die Funkfrequenzen nicht in allen Ländern frei verfügbar sind. Zudem wollen nicht alle Hersteller mitziehen, weil sie die Mehrkosten nicht an ihre Kunden weitergeben können.

"Wir haben gerade einen Urknall in der Autoindustrie"

Sind Daten das neue Öl? Normalerweise bekommen Autobosse große Augen, wenn vom vernetzten Fahrzeug die Rede ist: Von März 2018 an wird der automatische Notruf E-Call in der EU obligatorisch. Dann ist faktisch jedes neu produzierte Auto ein vernetztes Auto. Die Sim-Karte als Standard ist der natürliche Gegner der Wlan-Kommunikation zwischen Fahrzeugen. Denn die Funkverbindung über die Cloud wird mit dem nächsten Mobilfunkstandard (5G) von 2020 an wesentlich schneller und breitbandiger. "Wir haben gerade einen Urknall in der Autoindustrie: Es werden sich neue Universen aufbauen", erwartet Thilo Koslowski, Geschäftsführer von Porsche Digital. "Das ist eine Riesenchance, neue Planeten zu besetzen."

Koslowski kam erst vor einem Jahr vom Silicon Valley nach Zuffenhausen. Vorher hat er beim Marktforschungsunternehmen Gartner den Smart-Mobility-Bereich aufgebaut: "Viele erklärten mich 1997 für verrückt, weil ich vorausgesagt habe, dass neue Technologien und vor allem die IT die gesamte Automobilindustrie komplett verändern werden", erzählt Koslowski. Zehn Jahre später hat Apples iPhone tatsächlich einen Big Bang ausgelöst: Heute ist ein Smartphone ohne die App-Kleinprogramme nahezu unverkäuflich. In wenigen Jahren könnte das mit Autos ebenso sein. Der Umsatz rund um das vernetzte Fahrzeug soll allein in den nächsten fünf Jahren von derzeit knapp 50 Milliarden auf 140 Milliarden Euro steigen.