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Pedelec von Schaeffler:Winzling mit Ladefläche

Flott unterwegs: Mit Elektrounterstützung schafft das Bio-Hybrid bis zu 25 Kilometer pro Stunde.

(Foto: Schaeffler)

Der Autozulieferer Schaeffler entwickelt ein vierrädriges Pedelec für Pendler und Lieferanten. Aber reicht der Platz auf dem Radweg dafür aus?

Auf einem Firmengelände in Nürnberg sind die Dinger schon unterwegs gewesen, auch in München haben Testfahrten stattgefunden. Die vierrädrigen Gefährte, die - angetrieben per Pedale sowie von einem kleinen Elektromotor - bis zu 25 Kilometer pro Stunde schnell sein können, fallen sofort auf: Bio-Hybrid nennt der Hersteller Schaeffler die Fahrzeuge, mit ihnen sollen die Menschen künftig möglichst "am Stau vorbei" in die Arbeit flitzen. Oder - in der Cargo-Variante - auch schwere und sperrige Lasten von A nach B transportieren.

Auf der Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas im vergangenen Januar hatte der Autozulieferer aus Franken das Konzept erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt - und dabei von einer "neuen, zeitgemäßen Art der individuellen, urbanen Mobilität" geschwärmt. Die vierrädrigen Pedelecs soll es in einer Version für Pendler und einer für Gewerbetreibende geben. Beide basieren auf der selben Plattform, in der Passagiervariante finden bis zu zwei Personen Platz. Die sitzen hintereinander. Der Elektromotor unterstützt den Pedaleur dabei wie bei einem herkömmlichen Pedelec.

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Die vier Räder bieten hingegen "eine außergewöhnliche Fahrstabilität", erklärt Bio-Hybrid-Chef Gerald Vollnhals. Das große Dach und die Windschutzscheibe machten das Fahrzeug witterungsunabhängig "und somit ganzjahrestauglich". Und Vollnhals verspricht: Mit 86 Zentimern ist der Bio-Hybrid "kaum breiter als ein normales Fahrrad und kann emissionsfrei auch auf Radwegen fahren". Kritiker indes geben zu bedenken, dass es auf vielen innerstädtischen Radwegen jetzt schon mehr als eng zugeht; nachdem im Sommer zudem noch Elektrotretroller zugelassen wurden, wird es dort noch enger. Der Radfahrerverband ADFC und der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordern daher immer wieder, die Städte müssten mehr Platz schaffen für Radler - und notfalls dem Autoverkehr Fahrspuren wegnehmen und dem Radverkehr zuschlagen. Die Schaeffler-Manager indes betonen, dass der Bio-Hybrid auch beim Parken Platz spart: Laut ihren Angaben kommt der Winzling mit einem Drittel des Parkraums aus, den ein Kleinwagen benötigt.

Vor allem aber setzen die Entwickler darauf, dass der Bio-Hybrid im innerstädtischen Warentransport eingesetzt wird. In Las Vegas zeigten die Franken zunächst eine Art Pick-up-Version, also ein Fahrzeug mit einer Ladepritsche hinter einem kleinen Fahrerhäuschen. Der Aufbau ist allerdings modular angelegt und kann durch andere Aufbauten ersetzt werden. Kühlwagen, Coffee-Shop oder abgeschlossener Stauraum beispielsweise für die Zustellung von Päckchen und Paketen - alles sei möglich. Die Nutzlast wird mit bis zu 200 Kilogramm angegeben.

Das Lastenrad wird es, so der Plan von Schaeffler, mit verschiedenen Aufbauvarianten geben.

(Foto: Schaeffler)

Ein ganz ähnliches Konzept verfolgt übrigens auch das Berliner Start-up Citkar mit seinem Modell Loadster, einem ebenfalls vierrädrigen Lasten-E-Bike. Getestet werden die Lastenräder seit 2018 unter anderem von dem Lebensmittellieferanten Transgourmet in München, weitere Loadster sollen bald in Hannover folgen, kündigten die beiden Unternehmen Ende November an. Ursprünglich hatten die Citkar-Gründer den Verkaufsstart ihres Loadster für das vierte Quartal 2019 geplant, nun soll die Serienfertigung in Berlin im kommenden Frühjahr anlaufen. Als Grund für die Verzögerung nennt das Unternehmen unter anderem "Lieferengpässe bei den Zulieferern". Der Preis für das kleinste Einsteigermodell soll bei etwas mehr als 7000 Euro liegen.

Auch Paketdienste wie UPS und DHL testen bereits in mehreren Städten drei- und vierrädrige Lastenfahrräder, um ihre Pakete mit möglichst wenig Emissionen zum Kunden zu bringen. Auch bei Schaeffler liefen zuletzt ausgedehnte Tests mit dem Bio-Hybrid. Auf einem Firmenareal in Nürnberg wurden die Fahrzeuge unter anderem von Mitarbeitern des Werkschutzes eingesetzt, aber auch für den Materialtransport oder für die firmeninterne Logistik. In München wiederum steuerte Christian Hollweck, Inhaber des Babyfachgeschäfts Rasselfisch, einen Bio-Hybrid durch die Innenstadt und zu seinen Kunden. Die geschlossene Transportbox ermögliche es ihm, auch sperrige Pakete wie Kindersitze oder -wagen sicher zu den Kunden zu bringen. Für Lieferungen innerhalb eines Radius von etwa zehn Kilometern sei das vierrädrige Lastenfahrrad die ideale Lösung, sagt Hollweck. Noch allerdings sind die Testkunden mit Prototypen unterwegs. In die Serienfertigung will Schaeffler Ende 2020 einsteigen.

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