Schifffahrt:An der LNG-Technologie gibt es auch Kritik

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An der neuen LNG-Technologie gibt es aber auch Kritik. Der Nabu etwa erkennt zwar an, dass LNG die Emission von Luftschadstoffen reduziert, bei Treibhausgasen sei die Bilanz aber deutlich schlechter. Schließlich müsse man die gesamte Lieferkette betrachten: Und da sei bei LNG der sogenannte Methan-Schlupf ein Problem, also jener Anteil, der produktionsbedingt verdampft, und das bei jedem Transportschritt: vom Bohrloch zum Gastanker, vom Lkw zum Schiff. "LNG ist immer noch ein fossiler Kraftstoff", sagt Rieger. "Und mit einem fossilen Brennstoff wird man die Schifffahrt nicht dekarbonisiert kriegen."

Die Zukunft der Seefahrt könnte in der Vergangenheit liegen - dank des Flettner-Rotors

Manche glauben, die Zukunft der Seefahrt liege ohnehin in der Vergangenheit: Schließlich wurden Schiffe jahrhundertelang vom Wind angetrieben. Das finnische Unternehmen Norsepower hat basierend auf dieser Idee den Flettner-Rotor weiterentwickelt. Der Ingenieur Anton Flettner hatte Anfang des 20. Jahrhunderts Erkenntnisse aus der Strömungsforschung genutzt: Wie große Segel aus Metall verändern die Rotoren, die direkt an Deck angebracht werden, die Luftströmung und verringern so den Kraftstoffbedarf. Die Konstruktion setzte sich nicht durch, auch weil sie mühsam zu handhaben und der Ölpreis zu niedrig war. Die Weiterentwicklung aus Finnland aber verwendet moderne Materialien, die die Rotoren gleichzeitig leicht und beweglich machen - und die neuen Umweltschutzauflagen steigern den Bedarf der Branche an kreativen Lösungen.

Kreuzfahrtschiffe, Fähren, Massengutfrachter und Tankschiffe könnten sich für Flettner-Rotoren eignen: also alle, die ausreichend Platz an Deck haben, um die Rotoren aufzustellen. Für Containerschiffe gilt das nicht, denn dort sind an Deck ja dicht an dicht die Container gestapelt. Je nach Schiffsgröße und Windbedingungen sollen Flettner-Rotoren zwischen fünf und 20 Prozent Treibstoffersparnis bringen. Das ist ökologisch sinn- und wirtschaftlich reizvoll: Die Reederei Maersk hat bereits erste Schiffe mit der Technologie ausgestattet.

Der Weg zur besseren Umweltbilanz ist jedenfalls hart, das musste auch die Stadt Hamburg feststellen: Sie baute eigens eine Landstromanlage, um die Schiffe im Hafen elektrisch zu versorgen. Die Technologie ist in Nordamerika weit verbreitet, in Europa aber nicht: Die meisten Schiffe haben keinen Stromanschluss, der zu Hamburgs Anlage passt. Ein einziges Schiff nutzt das Angebot in Hamburg bislang - und das zuletzt an nur neun Tagen im Jahr.

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