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Risiko Fliegen:Auch die allgemeine Statistik gibt Anlass zur Sorge

Abstürze, in denen die Piloten in einer plötzlichen Krisensituation überfordert waren und die Kontrolle über ihre eigentlich weiterhin flugfähige Maschine verloren, sind zuletzt immer häufiger vorgekommen. Ein Extremfall ist der Qantas-Flug 72 vom 7. Oktober 2008. Die Air Data Inertial Reference Unit - also der Computer, der alle Flugdaten wie Geschwindigkeit oder Höhe sammelt und weitergibt - spuckte fehlerhafte Daten aus und ließ den Airbus A330 auf dem Weg von Singapur nach Perth unvermittelt schnell sinken und wieder steigen. Mehrere Schwerverletzte waren die Folge.

Sicherheit im Flugzeug

Auf der Suche nach dem Limit

Und auch die allgemeine Statistik gibt zur Sorge Anlass: In den vergangenen zehn Jahren hat sich nach einer Untersuchung des Fachmagazins Flight International erstmals seit dem ersten motorisierten Flug der Gebrüder Wright 1903 der Sicherheitsstandard innerhalb einer Dekade nicht mehr verbessert, sondern ist lediglich konstant geblieben.

So war das Bewusstsein für mögliche Gefahren in der Vergangenheit nicht überall präsent. Siehe Air-France-Flug 447: Es war den Behörden, den Herstellern und den Fluggesellschaften bekannt, dass die Pitot-Sonden bei bestimmten Wetterbedingungen anfällig sind für Vereisung, deshalb die richtige Geschwindigkeit nicht mehr anzeigen und Bordcomputer wie Besatzung in große Verwirrung stürzen können. Besonders im Reiseflug kann dies schnell gefährlich werden, denn: Flugzeuge bewegen sich in großer Höhe in einem Geschwindigkeitsfenster, das nach oben und unten nur eine Differenz von rund 50 Kilometer pro Stunde zulässt - fliegen die Jets zu schnell oder aber zu langsam, drohen Kontrollverlust oder Strömungsabriss.

Schon viel früher hätte etwa die European Aviation Safety Agency (EASA) darauf drängen können, die besonders anfälligen Thales-Sonden der Version AA auszutauschen. Bei einem Kongress, der sich im September 2007 dem Thema Vereisung bei Flugzeugen widmete, trat auch der EASA-Zertifizierungsspezialist Eric Duvivier auf. In seiner Präsentation heißt es, dass es in Europa eine signifikante Zahl von Vorfällen während des Fluges gegeben habe. Fehlerhafte Pitot-Sonden müssten deshalb in einer Risiko-Skala mindestens als "hazardous" eingestuft werden; dabei handelt es sich um die zweithöchste Stufe. Stress und hohe Arbeitsbelastung können in seinem solchen Fall laut EASA-Definition dazu führen, dass die Piloten ihre Aufgaben nicht mehr akkurat und vollständig erfüllen. Die Sicherheitsmarge und wichtige Funktionen des Flugzeuges seien stark reduziert, tödliche Verletzungen für die Insassen möglich.

Concorde

Triumph und Fiasko