Local Motors Strati:Partner in der Autoindustrie

Local Motors Strati auf der Detroit Motor Show

Der Strati wird auf der Detroit Motor Show vor den Augen des Publikums produziert.

(Foto: REUTERS)

Der Strati besteht nur aus 49 Einzelteilen, herkömmliche Autos haben gut 10 000. Noch, sagt Rogers, sei es kein Problem, von anderen Autoherstellern Teile zu bekommen, sie sehen ihn nicht als große Gefahr. "Für viele Autobauer ist es ein guter Marketingeffekt, wenn wir veröffentlichen, dass wir ihre Teile wollen", sagt er. Auch bei Ford, Harley Davidson, General Motors hat Local Motors bereits eingekauft. Mit BMW gab es eine Kooperation, die aber nicht mehr läuft, weil die Münchner den Motor nicht mehr herstellen, den Rogers haben wollte. "Gerade war der Mann von BMW hier am Stand, der uns damals den Motor verkauft hat, und hat gefragt, was wir demnächst zusammen machen könnten", erzählt er.

2015 wird die große Bewährungsprobe für Rogers. Ende des Jahres will er die ersten gedruckten Stratis ausliefern. Der Zweisitzer soll zwischen 18 000 und 30 000 Dollar kosten. Sein Elektromotor schafft eine Spitzengeschwindigkeit von rund 80 km/h, nach gut 100 Kilometern ist die Batterie leer.

Noch wird experimentiert

Rogers muss für seine großen Pläne aber erst einmal die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde überzeugen, gerade laufen die Crashtests. Bislang ist ein Problem, dass das Karbon-Plastikgemisch beim Aufprall zwar den Fahrer beschützt, aber danach in Tausende Teile zerfällt, gibt Rogers zu. Seine Ingenieure experimentieren noch mit der Zusammensetzung der Grundstoffe, die sie in den Drucker laden. Außerdem will er die Produktionszeit der Autos von 44 auf weniger als 24 Stunden reduzieren.

Local Motors hat eine Menge Vorteile im Wettbewerb mit der alten Industrie, vor allem das Tempo. "Wir können pro Jahr vier Modelle herstellen, zum Beispiel den Strati, ein Stadtauto, einen Sportwagen und einen SUV, es gibt keine Grenzen", sagt er. Ein paar Änderungen am Computer und schon lädt die Software neue Designs in den Drucker, die mehr dem aktuellen Geschmack der Menschen entsprechen. Die 3-D-Drucker seien zudem viel flexibler, was die Formen angeht, als die schwerfälligen Pressen und Bohrer der traditionellen Produktion. "Von der ersten Idee bis zum fertigen Auto dauert es bei uns nur gut ein Jahr", sagt Rogers. "Die anderen Autobauer haben einen Produktzyklus von sechs bis sieben Jahren."

48 000 Designer

Beim Entwicklungstempo hilft ihm auch, dass er die wohl größte Zahl von Autodesignern der Branche hat. Ähnlich wie einst das Computer-Betriebssystem Linux hat er die Entwicklung an eine Internet-Community ausgelagert, in der derzeit 48 000 Menschen aus 130 Ländern Vorschläge zum Design machen - Tendenz steigend. Crowdsourcing nennt man das. Manche der Designer sind Profis wie der Italiener Michele Anoé, der den Strati kreiert und dafür 5000 Dollar bekommen hat, andere sind eher Hobbyzeichner. Jeder kann mitmachen, im Internet veröffentlicht Local Motors alle Details über das Auto. "Wir haben keine Geheimnisse. So bekommen wir die besten Ideen, müssen aber nur bezahlen, wenn die Leute tatsächlich einen Beitrag leisten", sagt Rogers.

Local Motors mit Hauptquartier in Arizona selbst hat nur 87 Mitarbeiter. Die Autos will Rogers in Mikrofabriken mit weniger als 4000 Quadratmetern Fläche produzieren. 3000 Autos pro Jahr kann er hier drucken. Gerade eröffnet er die ersten zwei Mikrofabriken, die auf 3-D-Druck spezialisiert sind. In den kommenden zehn Jahren sollen es 100 dieser kleinen Werke auf der ganzen Welt werden.

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