Local Motors Strati Druckfrisch auf die Straße

Fahren kann der Local Motors Strati schon. Wegen fehlenden Genehmigungen allerdings noch nicht auf öffentlichen Straßen.

(Foto: Local Motors)

Ein Auto zu bauen, ist ein komplizierter Prozess. Ein Pkw besteht heute aus bis zu 10 000 Einzelteilen. Die US-Firma Local Motors geht einen anderen Weg. Der Strati besteht nur aus 50 Teilen - und wurde von einem 3-D-Drucker ausgedruckt.

Von Felix Reek

Auf den ersten Blick erinnert das Auto an den Smart Roadster. Oder an ein Bobby Car. Was kein Kompliment ist. Ausgestellte Kotflügel, extreme Formen. Der Kunststoff der Karosserie ist von Rillen überzogen, als hätte man ihn aus einer Regentonne geschnitten. Im Video einer Testfahrt sieht und hört man, wie es während der Fahrt rappelt und knirscht. Und doch ist der Local Motors Strati revolutionär. Es ist das erste Auto, dessen Karosserie und Chassis komplett aus einem Stück sind, gefertigt von einem 3D-Drucker. Deswegen gibt sich der CEO des US-Unternehmens, Jay Rogers, selbstsicher: "Tesla hat den Elektroantrieb weltberühmt gemacht - wir werden das ganze Auto verändern", erklärte er Mashable.

Bei dieser Technik erstellt der Designer am Rechner zunächst ein Modell. Der 3D-Drucker erweckt es dann zum Leben. Das Material wird Schicht um Schicht hinzugefügt, wie bei einer Klebepistole. Meist handelt es sich um eine Kunstfaser auf einer Rolle. Sie wird geschmolzen, verarbeitet und erhärtet sofort. Die Einsatzmöglichkeiten sind unbegrenzt: Die medizinische Forschung hat so schon künstliche Körperteile reproduziert. In China druckte im April dieses Jahres ein gigantischer Drucker die Blöcke für zehn Häuser. Die Gebäude wurden innerhalb von zehn Tagen fertiggestellt - zum Preis von 4000 Euro pro Stück.

"Ziel ist es, die Anzahl der Konstruktionsteile zu minimieren"

Der 3D-Druck verspricht in jedem Einsatzbereich eine Vereinfachung der Prozesse. Zwar wird diese Technik schon seit Jahren von der Autoindustrie verwendet, ist dort aber auf die Konstruktion von Teilen für Prototypen beschränkt. "Ziel ist es, die Anzahl der Konstruktionsteile zu minimieren", sagte John B. Rogers Jr. von Local Motors der New York Times. Bis zu 10 000 sind es bei einem normalen Auto, der Strati besteht aus weniger als 50.

Das Unternehmen aus Phoenix setzt bei seinen Automobilen, wie etwa dem Geländewagen "Rally Fighter", auf Open Source und Crowdfunding. Vorschläge für Design und Technik werden in einer Online-Community mit circa 30 000 Mitgliedern erstellt und diskutiert, die Entwicklungsschritte als Wettbewerbe ausgeschrieben. Auch der Strati entstand so. Im April diesen Jahres rief das 2007 gegründete Unternehmen dazu auf, Designs einzuschicken für ein Auto, das auf der 3D-Druck-Technologie basiert. Unter den 200 Entwürfen setzte sich der Italiener Michele Anoè durch. Er nannte sein Modell Strati - italienisch für "schichten", eine Anspielung auf das Produktionsverfahren beim 3D-Druck.