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Lexus GS 300h im Test:Das richtige Auto für die falschen Kunden

Lexus GS 300h

Der Lexus GS 300h triit mit Hybridantrieb gegen die übermächtige deutsche Konkurrenz an.

(Foto: Toyota)

Er sieht schick aus, ist toll verarbeitet, komfortabel und etwas günstiger als die Konkurrenz: Der Lexus GS 300h ist eigentlich zu gut, um ein Ladenhüter zu sein. Doch die wenigen fehlenden Qualitäten sind leider entscheidend.

Von Thomas Harloff

"Geschlossene Gesellschaft" - wann immer eine ausländische Business-Limousine hierzulande um Eintritt in die obere Mittelklasse bittet, muss sie erst lange anstehen und bleibt am Ende doch außen vor. Als Beleg die Zulassungszahlen im April 2014: Audi, BMW und Mercedes haben in diesem Zeitraum jeweils rund 3500 A6-, 5er- und E-Klasse-Exemplare - insgesamt 10 720 - verkauft. Die Konkurrenz vom Schlage Jaguar XF, der großen Volvo-Baureihen und des Lexus GS kommen auf gerade einmal 529 veräußerte Autos - addiert, wohlgemerkt. Da kann noch so oft vom Angriff auf die einheimische obere Mittelklasse die Rede sein, sobald ein neuer Herausforderer der Importmarken antritt, das deutsche Premium-Establishment hat diese Attacken auf dem Heimatmarkt immer souverän pariert.

Besonders bitter erscheinen die Verkaufszahlen des seit 2012 angebotenen aktuellen Lexus GS. Im April haben sich ganze 16 Käufer für die japanische Alternative zu den etablierten Europäern entschieden. In einem Segment, in dem sich Autos vorwiegend über das Image verkaufen, hat Toyotas Schwestermarke von vornherein schlechte Karten. Andere Probleme sind jedoch hausgemacht: Im Motorenprogramm fehlen Dieselmotoren, die flottes Vorankommen bei geringem Verbrauch garantieren. Außerdem gibt es den Lexus GS ausschließlich als viertürige Stufenhecklimousine, obwohl in dieser Klasse geräumige Kombiversionen bei den Kunden besonders beliebt sind. Auf anderen Märkten, zum Beispiel in den für Lexus so wichtigen USA, wo Dieselmotoren als Pkw-Antrieb verpönt und Limousinen deutlich angesagter als Kombis sind, mag das kaum relevant sein. In Deutschland ist mit so einer Modellpolitik kaum etwas zu holen.

Hybrid statt Diesel

Die Problematik des fehlenden Diesel-Triebwerks im Motoren-Portfolio kontert Lexus mit der Fokussierung auf seine Kernkompetenz - den Hybridantrieb. Insofern ist es nur konsequent, dass keine Modellvariante mit reinem Verbrennungsmotor mehr existiert, sondern einzig die Hybridversionen GS 300h und GS 450h gegen die übermächtige Konkurrenz ankämpfen sollen.

Gerade von der kleineren, zu Jahresbeginn 2014 nachgeschobenen Motorvariante haben sich die Japaner einen Schub in puncto Marktanteilen versprochen. Bislang vergeblich, einen eklatanten Ausschlag nach oben hat es bei den Verkaufszahlen seitdem nicht gegeben. Dabei macht die mittlere der drei Lexus-Limousinen-Baureihen optisch inzwischen einiges her. Vorbei die Zeiten, als ein Lexus GS bucklig und barock daherkam, mit schielendem Vieraugen-Gesicht und dem eigenwilligen Heckdesign-Mix aus Stufen- und Schrägheck. Der aktuelle GS zeigt mit seinen schmalen Scheinwerfern und dem charakteristischen Kühlergrill Markenidentität und sieht auch aus anderen Perspektiven gefällig aus. Er passt damit gut in ein Segment, in dem die Kunden ein modernes Aussehen wünschen, aber Designexperimenten erfahrungsgemäß skeptisch gegenüberstehen.

Mängel bei der Bedienung

Der Innenraum des Lexus GS 300h.

Im Innenraum geht es hochwertig und komfortabel zu, die Verarbeitung ist klasse. Doch der Lexus GS leistet sich Schwächen in der Bedienung.

(Foto: Toyota)

Zu viel Experimentierfreudigkeit kann auch beim Thema Fahrzeugbedienung nach hinten losgehen. Lexus verwendet im GS ein Menüsystem, das seine Befehle von einer Art Joystick entgegennimmt. Welchen Vorteil dieses "Remote-Touch"-System gegenüber den Dreh-und-Drück-Schaltern der Konkurrenz haben soll, erschließt sich nicht. Im Gegenteil: Beim Scrollen gibt der Stick kein spürbares Feedback, ohne Übung landet man praktisch nie auf der Funktion, die man auswählen möchte. Ein weiteres Manko ist die nicht gerade hochwertige grafische Darstellung auf dem zentralen, 12,3 Zoll großen Monitor.

Viel mehr gibt es jedoch nicht zu meckern im GS-Interieur. Der Innenraum präsentiert sich schnörkellos in einer unterkühlt-technokratischen Anmutung. Das typische Ambiente eines Managerautos, in dem sich die Bedienelemente am rechten Fleck befinden, dessen Materialien haptisch überzeugen können, das sehr gut verarbeitet ist und in dem auch das Platzangebot stimmt. Störend ist allein die Tatsache, dass sich die Rücksitzlehnen nicht umklappen lassen und der 468 Liter große Kofferraum nicht erweitert werden kann. Ein Extralob verdienen sich die Rückfahrkamera, die beim Rangieren ein gestochen scharfes Bild auf das Zentraldisplay sendet, und die Sitze, die vielfältig einstellbar sind und auch auf langen Strecken absolut überzeugen können.

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