Lexus und Infiniti Glücklose Japaner

Mit neuen Modellen soll es für die japanischen Luxusautomarken auch in Europa voran gehen. Hier wird der Infiniti Q50 Eau Rouge auf der NAIAS in Detroit enthüllt.

Seit 25 Jahren sind die japanischen Luxusmarken Lexus und Infiniti auf der Suche nach dem großen Premiumerfolg. Doch in Europa will es einfach nicht klappen. Dabei liegen die Gründe dafür auf der Hand.

Von Georg Kacher

Vor 25 Jahren war die Premiumwelt fest in deutscher Hand. Mercedes vor BMW, so das globale Ranking, dahinter Audi und Jaguar Land Rover, in Nordamerika auch noch Cadillac und Lincoln. Doch dann kamen die Japaner auf den Luxus-Geschmack und machten sich daran, mit viel Mut, attraktiven Modellen und neuen Marken, den renditestarken Oberklassemarkt zu erobern. Honda spielte 1986 mit Acura den Vorreiter, dessen Protagonisten - Integra, Legend und NSX - in Europa freilich unter dem Namen der Mutter an den Start gingen. Mazda gebar 1992 mit Xedos eine Eintagsfliege, die schon nach der ersten Modellgeneration 1999 wieder von der Bildfläche verschwand.

Eine deutlich nachhaltigere Gangart legten die Big Two aus Nippon an den Tag, allen voran Lexus, wo man schon phonetisch dem Luxus das Wort redete. Als 1989 die erste LS-Limousine vorgestellt wurde, schrillten in Untertürkheim und München die Alarmglocken. Wie war das möglich - ein Auto im S-Klasse-Format und in Mercedes-Qualität zum (ausstattungsbereinigt) halben Preis? Kein Wunder, dass sich Lexus in Amerika fast aus dem Stand etablierte, als cleveres High-End-Statement, als solide Komfort-Alternative zu den Hightech-Import-Dynamikern aus Germany.

Der Newcomer driftete ab ins Mittelmaß

Noch im gleichen Jahr rollte Nissan den ähnlich gearteten Infiniti Q45 ins Rampenlicht. Selten hat ein Erstlingswerk so begeistert - durch tolles Design, exquisite Handwerklichkeit, überzeugende Fahreigenschaften. Doch während Lexus aus dem Vollen schöpfen konnte, fehlte es der Nummer zwei an den nötigen Ressourcen. In der Folge driftete der Newcomer ab ins Mittelmaß. Der M30 war ein nach US-Geschmack für kleines Geld neu geschminktes Bonsai-Coupé, die J-Reihe war ein Flop, schon der zweite Q45 nur noch ein Abklatsch des Originals.

Kurz bevor die Marke in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden drohte, gelang dem talentierten Designer Shiro Nakamura die kaum mehr erhoffte Wende. Seine FX-Reihe aus dem Jahr 2003 gilt heute noch als die Initialzündung des Crossover, und auch die anderen Entwürfe des stillen Genies konnten sich sehen lassen. Die M-Reihe war ähnlich stilprägend wie der Chrysler 300, die G-Reihe knabberte sogar am Selbstbewusstsein des BMW Dreier, der QX56 bot den Trucks von Dodge, GM und Ford auf Anhieb Paroli.

Die Verkaufszahlen rangieren unter ferner liefen

Doch als Infiniti 2008 endlich gen Europa aufbrach, war Nakamuras Stern schon wieder im Sinken und die Marke verfiel zunehmend in dekorative Beliebigkeit. Weil außerdem kein Diesel verfügbar war, das Händlernetz erst aufgebaut werden musste und den Produkten der besondere Reiz fehlte, verharrten die Verkaufszahlen auf unterstem Niveau. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert: 2013 rangierte die Nissan-Tochter mit 2500 Verkäufen europaweit unter ferner liefen. Lexus kam im gleichen Zeitraum auf 43 281 Neuzulassungen, doch auch der Toyota-Ableger ist nur in den USA eine fixe Premiumgröße - trotz der sehr frühen Verfügbarkeit einer nahezu lückenlosen Hybrid-Modellpalette.

Warum kommen die Oberklasse-Japaner hierzulande (Lexus Deutschland 2013: minus 42,2 Prozent) auf keinen grünen Zweig? Vier Gründe: In der Höhle der Löwen geben die Löwen den Ton an, bei den Fahreigenschaften besteht immer noch ein Klassenunterschied, die Kombination aus Preisstellung, Prestige, Wertverlust und After Sales ist nach wie vor verbesserungswürdig, der Modellmix müsste stärker auf die Bedürfnisse europäischer Kunden zugeschnitten sein.