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Lastwagen-Platooning:Immer wieder drängeln sich andere Fahrer dazwischen

Und dass der Konvoi entkoppelt werden muss, davon gehen die Techniker aus. Schon bei ersten Testfahrten habe sich gezeigt, dass Pkw- und Motorradfahrer auch in die kleinste Lücke zwischen den beiden Platoon-Lkw drängen - etwa, um noch eine Autobahnabfahrt zu erwischen. In einem solchen Fall, sagt Schwertberger, werde der Digitalkonvoi auf jeden Fall gelöst. Der hintere Truck bremse automatisch und behutsam ab, der Fahrer werde aufgefordert, das Steuer zu übernehmen. Auch bei Baustellen sei vorgesehen, den digitalen Konvoi zu entkoppeln. Zudem fahre man nur auf der Autobahn im Platoon. Auf Landstraßen oder im Stadtverkehr steuere jeder Fahrer selbst den jeweiligen Lkw.

Um andere Verkehrsteilnehmer auf den Konvoi aufmerksam zu machen, haben die Techniker den beiden Versuchslastern gelbe Warnleuchten auf dem Dach spendiert, zudem sollen Schilder am Heck angebracht werden. Aufschrift: "Achtung Testfahrt - geringer Abstand!" In den ersten Monaten plant DB Schenker nur einzelne Testfahrten ohne Ladung, um die Fahrer einzulernen. Im Laufe des Jahres soll das Pensum zu regulären Linienfahrten im Stückgutverkehr ausgebaut werden. Am Ende wird der Zweier-Konvoi, sofern alles klappt, dreimal täglich zwischen den Logistikzentren der Deutsche-Bahn-Tochter in München und Nürnberg pendeln.

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Nur überwachen? "Das kann ermüdend sein"

Überhaupt die Lkw-Fahrer: Auf die kommen im Konvoi neue Anforderungen zu. Der Fahrer im Führungsfahrzeug muss, sobald das Platoon gebildet wurde, die Folgefahrzeuge "immer mitdenken", sagt Sabine Hammer von der Hochschule Fresenius. Der Fahrer im Folgefahrzeug wiederum muss die Technik zwar überwachen, mehr aber auch nicht. "Auch das kann ermüdend sein", sagt Hammer. Zugleich darf er sich nicht ablenken lassen oder gar wegdösen - er soll ja im Notfall jederzeit das Steuer übernehmen. Deshalb werden Forscher der Hochschule das Projekt begleiten. Elektroden sollen die Hirnströme der Fahrer messen, Spezialbrillen die Bewegungen der Augen und Lider aufzeichnen. Die Bundesregierung stellt zwei Millionen Euro aus einem Fördertopf zur Verfügung.

Auch anderswo laufen Versuche. So testet Daimler in den USA und in Japan Platooning-Fahrzeuge. Parallel sind noch viele Fragen offen, das räumt auch die Branche ein. So müsste der Rechtsrahmen geschaffen, Haftungsfragen müssten geklärt werden. Für die zwei Laster auf der A 9 etwa haben die Entwickler beim bayerischen Verkehrsministerium eine Ausnahmegenehmigung beantragt.

Skepsis bei den Automobilclubs

Der ADAC glaubt, dass die Konvois auf (relativ leeren) Fernstraßen in den USA oder in Skandinavien durchaus sinnvoll sein könnten, "auf dem deutschen Autobahnnetz mit hohen Verkehrsstärken und kurzen Abständen zwischen den Anschlussstellen sehen wir dagegen relativ wenig Potenzial", sagt Stefan Gerwens vom ADAC. Die Erprobung jetzt könne dennoch auf dem Weg zu automatisierten Brummis helfen. Der Automobilklub AvD warnt, bei Platoons mit mehr als zwei Lastern könnte das Ein- und Ausfahren auf der Autobahn für andere Verkehrsteilnehmer schwieriger werden. Und aktuell werkelt jeder Lkw-Bauer an seiner eigenen Technik; ein Hersteller-übergreifendes Platooning gibt es (noch) nicht.

Und es gibt auch grundsätzliche Kritik an der Platooning-Idee: Der Lobbyverband "Allianz Pro Schiene", der unter anderem Unternehmen aus der Schienengüterbranche vertritt, sieht in den Testläufen den Versuch der Lkw-Hersteller, "die Politik auf die Zukunft zu vertrösten", und spricht von "Luftschlössern". Platooning gebe es jetzt bereits: nämlich bei der Bahn. Ein Lokführer steuere da ganz viele Lasteinheiten durch die Gegend. Daher müsste eher der Schienenverkehr gestärkt werden - beispielsweise durch die Elektrifizierung von Strecken oder den Ausbau des Netzes für längere Güterzüge.

Und selbst Spediteure sehen die Sache kritisch: Wolfgang Thoma, Chef der Allgäuer Spedition Ansorge, fordert, zunächst die Infrastruktur so herzurichten, dass sie den zusätzlichen Verkehr verkraften kann. Aktuell sind zum Beispiel manche Autobahnbrücken so beschädigt, dass Landesbehörden den Mindestabstand zwischen zwei Lastwagen auf 70 oder 100 Meter anheben, um ein weiteres Bröckeln des Betons zu verhindern. "Eigentlich", sagt Thoma, "müsste da ein Aufschrei der Infrastrukturbetreiber kommen."

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