Elektromodell i3 von BMW:Reichweiten-Angst!

Es ist nicht so, dass das Auto einfach ausgeht wie ein Handy ohne Strom. Es meldet sich vorher, sendet Warnsignale, bittet darum, doch möglichst Heizung oder Kühlanlage auszuschalten. Alles auf Null zu stellen, was auf Kosten der Batterie geht. Ignoriert man all diese Warnzeichen, bleibt man stehen. Und dann nützt es nichts, wenn einer anhält, der einen Ersatzkanister Benzin dabei hat. Reichweiten-Angst!

Die Münchner Strategen glauben, dass zu dem neuen Elektroauto auch eine neue Art von Kundendienst gehört. Es ist das Ende des alten Auto-Service-Duopols Händler - Kfz-Mechaniker. Der i3, das ist auch der Beginn eines neuen Kundenberaters in der Autoindustrie, des so genannten "Product-Genius". Der Genius ist ein per Definition junger Mensch, bestenfalls in den 20ern, der dem Kunden etwa bei IT-Fragen auf die Sprünge hilft. Sein Arbeitsgerät: ein iPad. Jederzeit ansprechbar. Er trägt weder Blaumann noch Nadelstreifen, sondern weißes Polo-Shirt. So wie der Engländer Ben, der aus Lancashire auf das BMW-Testgelände in Maisach gekommen ist. Ben sagt: "Ich habe mich immer schon für Luftfahrt und für Autos interessiert." Und dass er vorher in einem italienischen Restaurant gearbeitet habe. Kundenbetreuung ist also nichts Neues für Ben.

Man kann an ihn glauben - oder auch nicht

Weil es um so viele offene Fragen geht und dabei auch um Fragen, die so noch nie gestellt werden mussten, ist BMW diesmal besonders hartnäckig. Noch nie hat die Industrie ein Auto vorgestellt wie BMW seinen i3. Einige erkennen eine gewisse Dramaturgie, sprechen von einem ausgeklügelten Spannungsbogen. Andere von: Salami-Taktik. Vor ein paar Jahren fing es an, da lud BMW zu Workshops über Mobilität in den Großstädten von morgen. Dann sprach der Konzern über einen kleinen Ort an der amerikanischen Westküste namens Moses Lake, woher die feinen Fasern für die Carbon-Produktion für den i3 kommen. Dann zeigte man neue, hochgerüstete Produktionsanlagen in Wackersdorf und Leipzig. In diesen Tagen lädt BMW Journalisten auf seine Pisten außerhalb von München zur Probefahrt.

Am 29. Juli dann das große Event: Der i3 wird dann zur gleichen Zeit in London, New York und Peking präsentiert. So, als hätte es noch niemals vorher ein Auto gegeben. Eine Art Offenbarung. Ein religiöser Akt. Wenn das die Botschaft ist, dann ist der i3, mehr als nur eine Weltneuheit. Er soll ein Welt-Auto sein. BMW-Vorstand Robertson spricht von einem "Pionier-Projekt", einem "großen Schritt nicht nur für BMW, sondern für die gesamte Autoindustrie". Von da ist es nicht mehr weit bis zur gesamten Menschheit. Der i3 hat also, konsequent zu Ende gedacht, durchaus etwas von einer neuen Welt-Religion. Man kann an ihn glauben. Oder auch nicht. Ab September wird das neue Auto dann in Leipzig gebaut; ab November verkauft.

© SZ vom 16.07.2013/goro
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