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Deutsche Bahn:Heftige Kritik von Naturschützern

Die Ingenieure mussten sich mit viel Aufwand durch den Thüringer Wald bohren. Allein 22 Tunnel und 29 Brücken gibt es zwischen Erfurt und Ebensfeld. Und immer wieder gab es Komplikationen: In den mehr als sieben Kilometer langen Silberbergtunnel etwa drang während der Bauzeit deutlich mehr Wasser ein als geplant, in etwa das Zehnfache der prognostizierten Menge, sagt Drescher: "Die Leute standen bis zur Hüfte im Wasser." Und als die Tunnelarbeiter im März 2008 fast fertig waren mit der rund acht Kilometer langen Röhre durch den Bleßberg, tat sich unter ihnen eine Tropfsteinhöhle auf. Die Bahn ließ Teile der Höhle verfüllen; andernfalls hätte sie nicht weiterbauen können.

Bei Naturschützern stieß nicht nur das auf teils heftige Kritik. Zusammen mit Bürgerinitiativen versuchten sie, alternative Lösungen durchzusetzen. Ein Ausbau bestehender Strecken beispielsweise östlich der aufwendigen Trasse durch den Thüringer Wald sei preisgünstiger und für die Abwicklung der Verkehrsströme sinnvoller, argumentierten sie. Mit dem vielen Geld hätte man das gesamte deutsche Schienennetz erneuern und leistungsfähiger machen können, befand zudem der Verkehrsfachmann Michael Holzhey 2010. Andere Kritiker spotten noch heute über die "U-Bahn im Thüringer Wald" und bemängeln, dass die Trasse im Vergleich zur Luftlinie einen ziemlichen Umweg machen muss, um die Landeshauptstadt Erfurt anzubinden. Im Gegenzug werde die Technologiestadt Jena quasi vom Fernverkehr abgehängt.

Der Güterverkehr spielt zunächst kaum eine Rolle

Zumal auch der Güterverkehr auf der Strecke zunächst wohl kaum eine Rolle spielen wird. Laut Stempel hat bislang noch kein einziger Güterzugbetreiber eine Lok zum Testbetrieb auf den Abschnitt zwischen Erfurt und Ebensfeld geschickt. Ohnehin wäre der Betrieb knifflig: Denn in den Tunneln besteht ein Begegnungsverbot. Güterzüge und ICE dürfen sich nicht treffen, andernfalls könnte es sein, dass der Luftdruck der schnellen Flitzer die Ladung auf den Güterwaggons beschädigt.

Und selbst wenn in zwei Monaten die Sprinter-ICEs Berlin und Bayern in Rekordzeit verbinden, werden weder alle Arbeiten erledigt noch sämtliche Streits beigelegt sein. So sind von diesem Samstag an Reisende im Leipziger Hauptbahnhof für etwa zweieinhalb Wochen von Einschränkungen betroffen, weil er an die Schnellfahrstrecke angeschlossen wird. Laut einem Bahnsprecher werden die Arbeiten dort erst im Jahr 2020 beendet sein. Zudem soll südlich von Ebensfeld die Bestandsstrecke über Bamberg nach Nürnberg ausgebaut werden. Doch auch dort gibt es Kritik: In Bamberg etwa stören sich viele unter anderem an den Lärmschutzwänden, die die Bahn dort zuletzt plante.

Die Ingenieure um Projektleiter Drescher stellen sich also auf weitere Arbeit ein. Der Ärger mit den Metalldieben aber dürfte sich von Dezember an erledigt haben. Das zeige die Erfahrung bei anderen Schnellfahrtrassen, so Drescher: "Bei Tempo 300 wagt sich keiner mehr ans Gleis."

© SZ vom 09.09.2017/harl

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