Datenerfassung im Fahrzeug:Steckt in jedem modernen Auto ein perfekter Spion?

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Ein Präzedenzfall, der weitere Begehrlichkeiten schaffen könnte. Wenn zum Beispiel ein Müdigkeitsassistent an Bord ist, könnte er bei einem Unfall Rückschlüsse auf den Fahrer erlauben. Auf dem 52. Verkehrsgerichtstag in Goslar beschäftigten sich Juristen bereits 2014 ausführlich mit dem Thema Datenspeicherung im Auto: Wenn der Bürger wisse, dass Fahrdaten aus seinem Auto ausgelesen werden können, werde er vorsichtiger fahren, erklärte damals ein Vertreter der Polizeigewerkschaft GdP.

Steckt in jedem modernen Auto ein perfekter Spion? Bisher gilt das Recht auf "informationelle Selbstbestimmung" auch auf vier Rädern: Daten aus vernetzten Fahrzeugen dürfen nur auf gerichtliche Anweisung oder mit ausdrücklicher Einwilligung des Nutzers übermittelt werden. Eigentlich. Doch die Hersteller nehmen sich das Recht, technikbezogene Daten im Auto zu speichern und an einen Zentralrechner zu übertragen.

Hersteller sammeln Daten im Minuten-Rhythmus

Wie groß die Datenlecks im Auto mittlerweile sind, haben Untersuchungen des Weltautomobilverbands FIA und des ADAC gezeigt. Bei einer Mercedes B-Klasse, die mit dem System me-connect ausgestattet war, fanden die Experten beispielsweise heraus, dass das System alle zwei Minuten die GPS-Position des Fahrzeugs sowie Kilometerstand, Verbrauch oder Reifendruck an den Hersteller übermittelt. Auch die Zahl der Gurtstraffungen, etwa aufgrund starken Bremsens, wird gespeichert. Die von einem BMW 320d erfassten Daten erlauben ebenfalls Rückschlüsse auf den Fahrstil. Beim BMW i3 wurden zudem rund hundert Abstellpositionen des Fahrzeuges festgehalten und online übertragen.

"Der Verbraucher hat nicht nur einen Anspruch auf Datentransparenz. Er muss auch frei wählen können, ob und welche Daten er dem Hersteller zur Verfügung stellt", betont Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik. Doch der freie Lesezugang zu allen Daten im Fahrzeug schafft womöglich noch größere Probleme hinsichtlich der Datensicherheit. Bisher hüten die Hersteller ihren Datenschatz mit Argusaugen. Um Licht ins Datendickicht zu bringen, musste das ADAC-Technikzentrum in Landsberg das Datenkauderwelsch in jedem einzelnen Modell neu entschlüsseln. Das Projekt war so aufwendig wie die Crashtests, die der Automobilclub seit 35 Jahren auf eigene Rechnung durchführt.

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