Vernetzte Fahrzeuge Wie Hersteller und Versicherer um die Daten kämpfen

Sowohl die Autohersteller als auch die Versicherer greifen nach den Echtzeitdaten. Doch wer setzt sich durch?

(Foto: Collage: @ILLUTROV)

Durch das autonome Fahren könnten die Kfz-Versicherer ihre Geschäftsgrundlage verlieren. Deshalb wollen sie bald umfassende Mobilitäts-Services anbieten. Aber das wollen die Autohersteller auch.

Analyse von Joachim Becker und Herbert Fromme

Der Schlagabtausch zwischen Autolobbyisten und Versicherern geht in die nächste Runde. "Wir wollen an die Daten im Auto ran", erklärt Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandsmitglied der HUK-Coburg. Bis April 2017 will die Europäische Union ein Gesetz für einen freien Marktplatz der Fahrzeugdaten auf den Weg bringen. Genau ein Jahr später muss in jedem Neuwagen ein Telematik-Sender verbaut sein, der automatisch die nächste Notrufzentrale alarmieren kann.

Dabei geht es nicht nur um die Rettung Tausender Unfallopfer, sondern auch um gute Geschäfte: Der Notruf landet meist beim Callcenter eines Autoherstellers. Dieser alarmiert den Rettungsdienst und lässt das Unfallfahrzeug dann in aller Regel in eine Werkstatt der eigenen Marke schleppen. Die Versicherer und andere Anbieter sitzen bei diesem automatischen Notruf bisher auf der langen Leitung.

Autoversicherung Neue Versicherungs-App überwacht den Fahrer
Auto-Versicherung

Neue Versicherungs-App überwacht den Fahrer

Wer besonders vorsichtig fährt, soll belohnt werden und Geld sparen. Davon profitieren die Versicherer.   Von Anna Gentrup

Die Echtzeitdaten sollen zum Milliardenmarkt werden

Die Autohersteller wollen so wenig wie möglich der lukrativen Echtzeitdaten aus der Hand geben: "Eine starke Meinungsverschiedenheit über den Zugang zu den Fahrzeugdaten habe nicht ausgeräumt werden können", heißt es im Abschlussbericht der EU-Arbeitsgruppe vom Dezember 2015. Im Klartext: Die Autolobbyisten werden den Streit bis in höchste politische Ebenen durchfechten. Es geht um viel Geld, denn mit der zunehmenden Automatisierung des Fahrens sollen die Daten zum Milliardenmarkt werden.

Schon heute trägt der Kfz-Servicemarkt mit einem Volumen von 35 Milliarden Euro allein in Deutschland wesentlich zum Gewinn der Fahrzeughersteller bei. Neben den After-Sales- und Finanzdienstleistungen bieten sich künftig auch digitale Geschäftsmodelle an: Die Einwilligung des Kunden vorausgesetzt kann das Auto als rollende Sensorplattform ständig Daten sammeln und verschicken: Beispielsweise zu Position, Geschwindigkeit, dem aktuellen Straßenzustand, dem lokalen Wetter und der Belegung von Parkplätzen am Straßenrand. Als Schwarm wissen Autos mehr über das aktuelle Verkehrsgeschehen als Verkehrsleitzentralen, Staumelder und Wetterdienste. Big Data heißt diese neue Einnahmequelle - was gleichbedeutend ist mit Big Business.

Der direkte Zugang zu den Kundendaten ist der Goldstandard für digitale Geschäftsmodelle. Deshalb erhöhen die Versicherer jetzt den Druck. Den Kern der Opposition gegen die Ambitionen der Autohersteller bildet die HUK-Coburg. Mit 10,7 Millionen Fahrzeugen versichert sie das größte Volumen in Deutschland und arbeitet mit keinem Autohersteller zusammen.