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Verpasste CO₂-Ziele:Daimler und VW drohen Milliardenstrafen

CO2-Emissionen: Autoabgase auf einer belebten Straße

Aufgrund des Elektroauto-Booms kommen die Hersteller dem CO2-Ziel näher. Doch in diesem Jahr reicht es nicht für alle.

(Foto: imago images/Panthermedia)

Laut einer Studie erreicht von den deutschen Herstellern nur BMW die EU-Emissionsziele. Obwohl in diesem Jahr die Fahrzeuge mit dem größten CO₂-Ausstoß nicht berücksichtigt werden.

Von Joachim Becker

Elektrofahrzeuge werden dieses Jahr ihren Marktanteil voraussichtlich verdreifachen. Jeder zehnte Neuwagen wird mittlerweile als reines Batterieauto oder als Plug-in-Hybrid ausgeliefert. Das hilft den Autoherstellern, ihre EU-Emissionsziele zu erreichen. BMW, PSA, Volvo sowie FCA (Fiat-Chrysler) haben die Flottengrenzwerte für 2020 schon im ersten Halbjahr erfüllt. Renault, Nissan, die Toyota-Mazda-Flotte und Ford müssen nur noch eine kleine Lücke von zwei Gramm CO₂ pro km aufholen. Der europäische Umweltdachverband Transport & Environment (T&E) erwartet in seiner Studie, dass die Volkswagen-Gruppe ihr Ziel dagegen um fünf Gramm verfehlen wird, bei Daimler könnten es zum Jahresende neun Gramm sein. Trotz des Rückenwinds für Elektroautos drohen den beiden deutschen Herstellern daher Milliardenstrafen.

Für jedes Gramm zu viel werden 95 Euro Strafe je verkauftes Fahrzeug fällig. Demnach müsste Volkswagen mehr als eine Milliarde Euro zahlen, bei Daimler könnte es immerhin eine halbe Milliarde Euro sein. Beiden Konzernen kommt zugute, dass 2020 die Fahrzeuge mit dem höchsten CO₂-Ausstoß noch nicht berücksichtigt werden: Gerade die großen, Margen-starken SUV fallen unter die oberen, leistungsstärksten fünf Prozent der Flotte und werden dieses Jahr noch nicht gewertet. Laut T&E ist der Anteil von klimaschädlichen SUVs im ersten Halbjahr 2020 auf 39 Prozent angewachsen. Audi, BMW und Mercedes können zudem einem Gewichts-Bonus nutzen und müssen statt 95 g/km im Flottendurchschnitt nur rund 100 g/km CO2 einhalten.

Seit 2016 sinkt der Absatz von Diesel

Doch selbst dieses Ziel schien lange unerreichbar. 2011 lag der Flottenwert über alle Marken hinweg bei 146,01 g/km. Dann ging es auch durch den anhaltenden Diesel-Boom jährlich um rund drei Prozent bergab. Seit 2016 sinkt der Absatz von Ölbrennern - und der Ausstoß von Klimagasen steigt: Im vergangenen Jahr übertraf er mit mehr als 130 g/km bei Audi und Mercedes die Zielvorgabe um etwa ein Drittel. Lieferengpässe bei neuen Batterieautos wie dem Audi e-tron und dem Mercedes EQC sorgten dafür, dass die Emissionswerte im Schnitt anhaltend hoch blieben. Auch der verspätete Anlauf des VW ID.3 und zu geringe Kapazitäten bei kleinen Stromern wie dem E-Up bremsten schnelle CO₂-Fortschritte.

Trotzdem geht kaum ein Experte davon aus, dass sich die deutschen Hersteller tatsächlich an den Klima-Pranger stellen lassen. Volkswagen hat bekannt gegeben, dass die Flottenemissionen mit Ford zusammengelegt werden. Die EU erlaubt dieses sogenannte Pooling von Herstellern. Fiat zahlt beispielsweise 1,8 Milliarden Euro an Tesla, um von den Nullemissionen des kalifornischen Elektro-Pioniers profitieren zu können. Daimler wird seinerseits so viel Plug-in-Hybride wie möglich verkaufen, um die Grenzwerte nicht zu verfehlen. Allein von Juli bis September haben die Stuttgarter erstmals in ihrer Geschichte mehr als 10.000 (Teilzeit-)Stromer verkauft. Weil die Plug-in-Hybride vom gesetzlichen Prüfzyklus profitieren, stoßen diese leistungsstarken Modelle der A-Klasse, C-Klasse, E-Klasse und GLC-Klasse auf dem Papier weniger als 50 g/km CO₂ aus.

"Die Autohersteller sind auf Kurs, um ihre Ziele für 2020 zu erreichen und Geldstrafen zu vermeiden", sagt deshalb auch Stef Cornelis, Direktor Deutschland von T&E: "Die Abgasnormen bringen mehr Elektroautos zu immer besseren Preisen für deutsche Autofahrer." Tatsächlich sind es aber wohl eher der Umweltbonus, die Innovationsprämie und Zuschüsse der Hersteller die das Interesse genauso anheizen wie Vorteile bei der Kfz- und Dienstwagensteuer. In vielen Ländern Europas gibt es mittlerweile massive Kaufanreize für Elektroautos oder sogar Strafzahlungen bei der Anschaffung eines konventionellen Verbrenners, um die Kunden zum Umstieg zu bewegen. Das Beispiel Norwegens führt vor Augen, wie schnell der EV-Markt wachsen kann: von einem Verkaufsanteil von sechs Prozent im Jahr 2013 auf fast 50 Prozent im Jahr 2018.

© SZ.de/reek
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