Autokonzern vor dem Umbruch Wie Daimler seine Zukunft sichern will

Noch bleiben reine Elektroautos der Tochtermarke Smart vorbehalten. Doch von 2020 an soll es auch Mercedes-Modelle mit Batterieantrieb geben.

(Foto: Reuters)

Derzeit geht es den Schwaben gut. Aber die Digital-Strategie von Mercedes wirft Fragen auf.

Analyse von Georg Kacher

Die Zeiten liegen noch nicht so weit zurück, in denen Daimler-Benz mit den eigenen Irrungen und Wirrungen und deren Folgen zu kämpfen hatte: das teure Chrysler-Abenteuer, die Mesalliance mit Mitsubishi, der Maybach-Flop, die im Elchtest zu Fall gebrachte A-Klasse. Doch die Führung hat aus den Fehlern gelernt und sich neu orientiert. Statt riskanter Übernahmen belässt man es bei Minderheitsbeteilungen wie im Fall von Aston Martin, dealt mit Freunden wie Renault/Nissan/Infiniti, pickt sich mit den Fuso-Nutzfahrzeugen die Rosine aus dem Mitsubishi-Vermächtnis heraus, wagt sogar punktuelle Kooperationen mit den Rivalen aus Ingolstadt und München.

Die multiplen Häutungen sind das Werk des Vorstands, der zur Abwechslung seine Strategen, Visionäre und Pragmatiker ihre Arbeit machen ließ. Ein gutes Beispiel dafür ist der Designchef Gorden Wagener. Nach Jahren der beliebig-biederen Formen erhielt der Deutsche mit dem amerikanisch klingenden Namen von den Chefs einen Freibrief für mutiger gestylte und deutlich emotionalere Fahrzeuge.

Mercedes GLE Coupé Das hässlichste Vehikel der Autogeschichte
Mercedes GLE 350 d Coupé

Das hässlichste Vehikel der Autogeschichte

Unser Autor ist ganz angetan vom Mercedes GLE Coupé. Jedenfalls von der Technik. Beim Fahren würde er lieber eine Papiertüte über den Kopf ziehen.   Von Gerhard Matzig

Aus seiner Hand stammt die unverschämt unvernünftige zweite A-Klasse-Generation, die dreimal so erfolgreich ist wie ihr Vorgänger. Er hat die barocke E-Klasse einer umfassenden Frischzellenkur unterzogen und die C-Klasse gleich mitrenoviert. Sein Team brachte die mit drei neuen Coupés noch breiter angelegte SUV-Offensive in Form und schneiderte gleichzeitig das Blechkleid der S-Klasse, die mit 100 000 Einheiten pro Jahr der mit Abstand wichtigste Renditebringer ist.

Die aktuell auffällig homogen gestaltete Modellpalette wird in Zukunft stilistisch wieder breiter aufgefächert - dafür sorgen schon die markant gezeichneten Elektroautos. Außerdem nimmt die Differenzierung zwischen Limousinen, Sportwagen und Crossover-Modellen zu, und auch innerhalb der Segmente ist mehr Eigenständigkeit gefragt.

Die Innenräume sollen in Vorbereitung auf die Lounge-Layouts autonomer Fahrzeuge großzügiger und flexibler werden, die inzwischen sehr komplexe Bedienung weicht einem deutlich intuitiveren Zugang, der Premium-Anspruch wird in immer kürzeren Intervallen mit neuen Inhalten gefüllt. Status ist nicht mehr eine Frage von Hubraum und Höchstgeschwindigkeit, sondern das Schaffen einer ganz besonderen automobilen Erlebniswelt.

Mercedes hat dieser Tage neue Vier- und Sechszylindermotoren vorgestellt - eigentlich konstruiert für eine kleine Ewigkeit. Doch deren Halbwertzeit könnte sich nun dramatisch verkürzen. Nein, das E-Auto kommt auch bei Mercedes weder über Nacht noch in großen Stückzahlen, aber der Paradigmenwechsel ist eingeleitet und damit auch die schwindende Bedeutung des Verbrenners.