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Mercedes S500 Coupé:Kultivierter Macho

Mercedes S500 Coupé Dezentes Gleiten Bilder

Mercedes S500 Coupé

Dezentes Gleiten

Während die aktuellen Mercedes in Sachen Design vor allem auf Sportlichkeit setzen, hat das S-Klasse Coupé so viel Angeberei gar nicht nötig. Und setzt auf Understatement.

Das S-Klasse Coupé ist Understatement pur. Bloß nicht allzu sehr auffallen, scheint das Motto. Vielleicht ist das der Grund, warum es so viel besser ist als andere Autos unserer Zeit.

Die Tür schließt, und da ist erst mal nichts. Nur Stille. Ganz entfernt brummelt der V8 sonor vor sich hin, als summe er ein Lied von Johnny Cash. Doch selbst das ist subtil. Nicht wie bei einer heiser um Aufmerksamkeit röchelnden Corvette. Auch auf der Autobahn: nur das Auto und der Fahrer. Kein Geräusch dringt von der schnöden Außenwelt nach innen. Vielleicht ist das das Erstaunlichste am Mercedes S500 Coupé: Wer Platz nimmt, ist erst einmal für sich. All der Lärm, der Stress, sie bleiben hinter den gewaltigen Türen.

Das passt gut zum Äußeren des Mercedes. Das ist geradezu dezent. Ausladende Spoiler sucht man hier vergebens, in der Formensprache gibt es kaum Brüche. Ein Auto wie aus einem Guss. Das Coupé der S-Klasse will es jedem recht machen. Ohne dabei groß aufzufallen. Und tut es am Ende dann doch. Auf der Straße drehen sich die Köpfe von jungen Männern, die ältere Generation schleicht bewundernd ums parkende Auto.

Mäkeln auf hohem Niveau

Im Inneren thront der Fahrer wie in einer Yacht. Nappa-Leder, ausladende Armaturen, überall Holz. Der Sitzt wärmt oder kühlt auf Wunsch, die Armablage massiert. Für die bessere Sicht sorgt eine 360-Grad-Kamera, die den Mercedes und seine Umgebung von oben zeigt. Auch sonst gibt es diverse Spielereien: Swarovski-Steine in den Scheinwerfern, einen Parfümspender für die Klimaanlage.

Wer hier mäkeln will, tut dies auf hohem Niveau. Etwa, dass der Türöffner zu tief platziert ist und der Gurtstraffer den Fahrer Mercedes-typisch erst einmal fast erwürgt. Oder dass die beiden Bedienelemente für das Display in der Mittelkonsole, ein Touchpad und ein Rädchen zum Drehen und Drücken, übereinander angeordnet sind und sich teils überdecken, was ihre Handhabung erschwert. Und dass die Rücksitzkuhlen offensichtlich für Hobbits entworfen wurden und mehr Deko als Refugien für Passagiere sind. Aber natürlich sind das nur Nebensächlichkeiten. Randnotizen.

Parfümflakon im Handschuhfach des Mercedes S500 Coupé

Vor allem wohl auf Wunsch der Chinesen und dem Dauersmog der dortigen Metropolen geschuldet: Parfüm im Handschuhfach.

(Foto: Felix Reek)

Einfach losfahren

Für Mercedes ist die S-Klasse und damit auch das Coupé immer ein dankbares Vehikel, um zu zeigen, was technisch möglich ist. Die Zusammenarbeit von Tempomat und Stauassistent funktioniert tadellos. Es wird so fließend beschleunigt und gebremst, dass der Fahrer kaum etwas davon mitbekommt. Selbst auf der linken Spur dahin schleichende Autos erkennt das System und passt sich der Geschwindigkeit an. So wird verhindert, dass man aus Versehen auf der Autobahn rechts überholt. Die Spiegel warnen vor Fahrzeugen im toten Winkel. Und eine Nachtsichtkamera zeigt im Tacho-Display die Straße voraus, taghell erleuchtet. Das Coupé ist so vollgepackt mit Sicherheitssystemen, dass man glatt das Fahren vergisst.

Was eindeutig schade wäre. Denn genau da liegt die Stärke des Mercedes: einfach all den Schnickschnack vergessen und losfahren. So perfekt abgestimmt war schon lange kein Auto mehr. Nicht zu hart, nicht zu weich, in jeder Lage, egal ob Kurve oder Gerade. Die Neungang-Automatik schaltet so weich, dass kaum Übergänge auszumachen sind. Genau zwei Fahrmodi bietet das Coupé und das ist mehr als genug. Zumal sie genau das leisten, was sie versprechen: "Comfort" ist etwas weicher abgestimmt, "Sport" liegt härter auf der Straße. Wobei "hart" relativ ist: Das S-Klasse Coupé verliert mit seinen 455 PS auch mit nervösem Gasfuß nie die Contenance. Der V8-Motor röhrt ein wenig lauter, aber eher so, als wolle er sagen: noch einen Martini. Geschüttelt. Nicht gerührt. Selbst unter Leistungsdruck bleibt er ein kultivierter Proll.

Nachtsichtkamera-Display im Mercedes S500 Coupé

Im Tacho zeigt die Nachtsichtkamera die Straße, um Unffälle zu vermeiden.

(Foto: Felix Reek)

Das ist natürlich nichts für die Hochleistungsjünger, die mit röhrendem Motor beeindrucken wollen. Für sie ist der Mercedes zu subtil. Der Rest erfreut sich an dem Understatement. Dem reinen Fahrgefühl. Der Gelassenheit des zurzeit besten Mercedes.

Technische Daten Mercedes S500 Coupé:

V8-Motor mit 4,7 Litern Hubraum; Leistung 335 kW (455 PS); max. Drehmoment: 700 Nm bei 3500/min; Leergewicht: 2030 kg; Kofferraum: 400 l; 0 - 100 km/h: 4,6 s; Vmax: 250 km/h; Testverbrauch: 17,2 l / 100 km (50 Prozent Stadt, 50 Prozent Autobahn/Landstraße, lt. Werk: 8,8; CO2-Ausstoß: 204 g/km); Grundpreis: 122 153 Euro