Regenwald Schutzmaßnahmen falsch bewertet?

Unter anderem mit Hilfe von Satellitenaufnahmen haben Wissenschaftler untersucht, ob in Schutzgebieten der Kahlschlag tatsächlich langsamer voranschreitet als in anderen Regionen.

(Foto: Chris Hadfield / Image courtesy of the Image Science & Analysis Laboratory, NASA Johnson Space Center)

Weltweit wird der Nutzen von Schutzmaßnahmen für Regenwälder wie am Amazonas mit einer vom WWF entwickelten Methode bewertet. Nun haben Wissenschaftler ihre Wirksamkeit überprüft - und kommen zu einem enttäuschenden Ergebnis.

Wie gut Schutzmaßnahmen im Regenwald des Amazonas-Gebiets funktionieren, wird womöglich oft falsch eingeschätzt. In einer aktuellen Veröffentlichung des Fachblatts Environmental Research Letters (online) hinterfragen Experten die Aussagekraft des wichtigsten Werkzeugs, mit dem üblicherweise die Wirkung von Schutzmaßnahmen in bedrohten Waldgebieten ermittelt wird.

Die Studie hat politische Bedeutung, denn sie wirft kein gutes Licht auf das sogenannte Rapid Assessment and Priorisation of Protected Area Management (RAPPAM), eine vom World Wildlife Fund entwickelte Methode, mit der weltweit der Nutzen von Schutzmaßnahmen bewertet wird und die letztlich als Grundlage dafür dient, wo welcher Aufwand zum Erhalt des Regenwalds betrieben wird.

Die Forscher eines Umweltinstituts im Amazonas sowie von der University of Michigan haben 66 Schutzgebiete im Amazonasgebiet von Brasilien untersucht und festgestellt, dass in vermeintlich erfolgreichen Schutzgebieten nicht unbedingt weniger Bäume gefällt wurden als anderswo.

Zwei mögliche Erklärungen geben die Forscher an: "Entweder ermittelt RAPPAM die tatsächlichen Gegebenheiten nicht korrekt, oder RAPPAM misst Faktoren, die nicht von Bedeutung sind, um Schutzgebiete erfolgreich zu bewahren."

Die RAPPAM-Bewertung wird in mehr als 2000 Schutzgebieten in gut 50 Ländern der Welt angewendet. Dabei werden den Verwaltern der Schutzzonen Fragebögen vorgelegt mit insgesamt 90 Fragen zum qualitativen Zustand ihrer Gebiete. Die Verantwortlichen sollen dabei in Form eines Multiple-Choice-Verfahrens antworten.

Um die Wirksamkeit dieser Evaluierung zu prüfen, haben Forscher Waldstücke in Schutzgebieten mit ähnlichen Waldstücken außerhalb der Schutzzonen verglichen.

Dabei wurde unter anderem mit Satellitenaufnahmen untersucht, ob in den geschützten Gebieten der Kahlschlag tatsächlich langsamer voranschreitet.

Es zeigte sich, dass vor allem ein einziger Faktor darüber entscheidet, ob ein Waldgebiet verschont bleibt: Klare Besitzverhältnisse sind wichtig, um die Bäume des Regenwalds zu erhalten. Dort, wo um Rechte gestritten wird, leidet auch der Wald - Schutzgebiet hin oder her.