Edenhofers Offenheit ist die passendere Reaktion als die kantige Erklärung des Weltklimarats, der erst beharrt und dann gesteht. Die Zeitangabe 2035 ist spätestens seit einem Bericht der BBC im Dezember 2009 in der Kritik. Die Presse hat dafür Worte wie "Übertreibung", "Schlamperei" und "Täuschung" gefunden; im Internet haben Kritiker die Affäre als einen weiteren Beleg für eine Verschwörung der Klimaforschung verbucht. "Man kann niemandem übelnehmen, wenn er gegenüber dem IPCC nun misstrauischer wird", sagt Hans von Storch, der am GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht die Klimaforschung kritisch verfolgt. "Ich glaube aber nicht, dass solche skandalösen Vorgänge beim IPCC häufig vorkommen, besonders nicht in der Arbeitsgruppe1." Letztere ist für die "harte" Physik des Planeten zuständig.
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Doch der Fehler trifft auch diese Experten: "Es schlägt uns auf den Magen", sagt Peter Lemke. Er war einer der beiden führenden Autoren für das Kapitel über Schnee und Eis im Bericht der Arbeitsgruppe 1 des IPCC. Ein Digramm auf Seite 359 in dem von Lemke verantworteten Kapitel des IPCC-Berichts zeigt sogar, dass die Gletscher des Himalaya zwar abschmelzen, aber deutlich langsamer als jene in Patagonien oder Alaska. Das hätte die Autoren, die anderswo die Jahreszahl 2035 stehen ließen, warnen müssen.
"Jetzt wird das wieder verallgemeinert", klagt Peter Lemke. "Sehen Sie, die Berichte haben mehr als 2000 Seiten, auf jeder davon stehen vielleicht 100 Aussagen. Nun stellt sich heraus, dass eine davon nicht gut recherchiert war. Deswegen ist aber doch nicht der ganze Rest falsch."
Tatsächlich aber hat sich der IPCC immer zu Gute gehalten, und seine Autorität daraus gewonnen, dass er die begutachtete wissenschaftliche Literatur auswertet. Und dann fließen Angaben einer Umweltorganisation wie dem WWF, der bei all seinem Renommee auch von Interessen geleitet ist, ungefiltert in einen Bericht des Weltklimarats. "Manchmal sind Themen noch nicht in der sogenannte peer-reviewten Literatur vertreten", rechtfertigt Ottmar Edenhofer die Verwendung grauer Literatur. "Aber die Regeln sind eindeutig. Solche Berichte dürfen begutachtete Studien weder ersetzen noch gar verdrängen." Es sei weiterhin der Anspruch des IPCC, die gesamte wissenschaftliche Diskussion auszuwerten. Die Richtlinien würden nun noch einmal verschärft und die Kooperation der Arbeitsgruppen über Themen, die beide betreffen, verstärkt.
Währenddessen zeigen die Beteiligten mit dem Finger aufeinander. Der Kronzeuge des New Scientist-Artikels von 1999, der indische Gletscherforscher Syed Iqbal Hasnain, hat jetzt im Gespräch mit dem gleichen Magazin eingeräumt, die Jahreszahl 2035 sei eine "Spekulation" gewesen. Er habe sie in keinem seiner Forschungspapiere genannt. Der Autor in dem Magazin habe dann, entgegen seiner jetzigen Darstellung, die Zahl in Zusammenhang mit dem über vier Jahre erstellten Bericht der Kommission gebracht, die Hasnain damals leitete. Erst dadurch wurde die Spekulation offenbar für den WWF und dann für den IPCC interessant. Dennoch weist Murari Lal, der das IPCC-Kapitel mit dem Fehler verantwortet, seinem Landsmann Hasnain die gesamte Schuld zu.
Offenbar haben alle Beteiligten eine wichtige Lektion ihres jeweiligen Handwerks vergessen. Eigentlich lernen Studenten wie Journalisten am Anfang ihrer Ausbildung, zur Originalquelle zurückzugehen.
Hintergrund
Der Weltklimarat (IPCC) ist ein von der UNO eingesetztes Gremium von Wissenschaftlern. Er erstellt alle fünf bis sieben Jahre einen Bericht über den Stand der Klimaforschung. Darin nimmt er die gesamte begutachtete Literatur über die einzelnen Aspekte auf. Hinzu kommt sogenannte graue Literatur: nicht-begutachtete oder nicht offiziell veröffentlichte Studien sowie Berichte von Organisationen wie der Weltbank, Umwelt- oder Hilfsorganisationen und auch Firmen, wenn es um zum Beispiel um neue Technologie geht.
Der IPCC hat drei Arbeitsgruppen. Die erste befasst sich mit der physikalischen Basis des Klimawandels. Die zweite untersucht dessen Folgen auf Natur und Gesellschaft und sucht nach Möglichkeiten, wie sich die Länder an die Veränderungen anpassen können. Die dritte schließlich analysiert, mit welchen Maßnahmen sich die Veränderungen verhindern ließen und was das kostete. Der Fehler beim Thema Himalaya-Gletscher stand 2007 im Teilbericht der Arbeitsgruppe 2.
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(SZ vom 21.1.2010/beu)
Ich habe eben eine halbe Minute darauf verbracht, Welt, Focus und FAZ zu durchsuchen. Die haben alle auch berichtet.
Da ist die SZ eher eine Ausnahme in der Medienlandschaft. Ich glaube, daß der Spiegel noch einen Artikel brachte.
Wir Menschen versuchen alles immer schön zu dramatisieren und uns v.a. überall einzumischen. Einerseits sollen wir nicht dies und das, weil es klimaschädlich ist. Auf der anderen Seite mischen wir uns aber ein, um den Klimawandel aufzuhalten. Was für ein Misst! Das sich das Klima wandelt ist klar. Was nicht klar ist, wie weit der Mensch dies beeinflusst bzw. ob er es überhaupt beeinflusst. Das Klima hat sich in der Geschichte auch ohne uns verändert. Dass die jetzige Klimaänderung mit der Industrialisierung und Zuwachs von Menschen eingeht, ist noch lange kein Beweis dafür, dass der Mensch schuld daran ist.
Die ganze Klimahysterie nimmt langsam absurde Züge an. Kürzlich hat Pachauri im Zusammenhang mit Climategate (von hiesigen Medien fast gänzlich ignoriert) versichert, dass alle Daten und Fakten mehrfach geprüft werden. Muss jetzt davon ausgegangen werden, andere Ergebnisse des IPCC Bericht 2007 könnten nicht stimmen? Die Klimaskeptiker raffen sich wieder auf, die Debatte um den AGW erlebt in diesen Tagen eine wahre Renaissance und das mit recht; Climategate, Hide The Decline, Himalajagletscher und nicht zuletzt der Ökowirtschafts-Filz der Klimapropheten bürgen genügend Zündstoff dazu.
Es ist bemerkenswert, dass unsere Medien diese Story bringen, findet ein allmähliches Umdenken statt? Wird die SZ (und Andere) auch zu den Wurzeln des Journalismus zurückfinden und tiefere Kausalitäten ergründen oder über Studien berichten, die die AGW-Theorie nicht stützen? Da bin ich mal gespannt.
Was der Autor des Artikels verschweigt, das sind die dramatischen politischen Folgen einer solchen Entwicklung. Die Gletscher des Himalaya sind die Quellen für praktisch alle großen Flüsse in Indien und Pakistan. Die Quellflüsse des Indus, an dem praktisch ganz Pakistan hängt, liegen überwiegend in Kashmir, um das sich Indien und Pakistan seit der Gründung der beiden Staaten streiten. Wenn Niederschläge am Himalaya zunehmend als Regen und nicht als Schnee fallen, dann bedeutet das Überschwämmungen im Winter (bei verstärkter Erosion) und Trockeheit im Sommer. Das einzige Mittel dagegen wäre der Bau von Dämmen auf dem Gebiet von Kashmir. Damit wären die Inder in der Lage fast die gesamte Wasserversorgung von Pakistan zu kontrollieren. Die Pakistaner würden das nie zulassen. Die Folgen einer solchen Entwicklung kann sich jeder selbst vorstellen.
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