Uli Hoeneß, Nike und Adidas Man kennt sich, man trifft sich, man mag sich

Und der Adidas-Konzern teilt "aus gegebenem Anlass" mit, dass der Hoeneß-Freund Dreyfus "nicht in die Verhandlungen über eine strategische Partnerschaft mit dem FC Bayern München involviert war". Zwar sei Dreyfus bis zum 8. März 2001 Vorstandsvorsitzender gewesen, habe aber bereits zum 1. Januar 2000 das operative Geschäft an Herbert Hainer übertragen, der dann im März 2001 Vorstandsvorsitzender der Adidas AG wurde.

Dreyfus war damals an Leukämie erkrankt und kämpfte mit ganzer Kraft gegen die Krankheit. Aber natürlich hielt er den Kontakt zu Hoeneß und dem FC Bayern, in dessen Verwaltungsbeirat er später auch einzog. Hainer, das immerhin steht fest, führte die Gespräche mit Hoeneß und Rummenigge. Der Kreditgeber und Freund Dreyfus saß nicht mit am Tisch. Und klar ist auch, dass Hoeneß damals den Bayern-Vorstand nicht über den Schweizer Schatz informiert hatte. Auch bei Adidas soll das Darlehen des Chefs für Hoeneß nicht bekannt gewesen sein.

Man kennt sich, man trifft sich, man mag sich. Das nennt man in Köln Klüngel, das wird Hoeneß vermutlich Männerfreundschaft nennen und nur unlustige Korruptions-Verfolgungs-Heinis, deren Lieblingsgetränk Essig ist, werden annehmen, dass hier eine Hand die andere zu Ungunsten einer Dritten gewaschen habe.

In einem Aufsatz über Landschaftspflege hat Heinrich Böll mal von der Methode gesprochen, "mit der man die Würstchen herstellt, mit denen man nach der gewaltigen Speckseite wirft". Dieses Böll-Bild wirkt angesichts der Akteure irgendwie passend und ist doch vermutlich sehr unpassend - oder?

Bombengeschäft für alle

Am 18. September 2001 meldeten beide Seiten Vollzug: Adidas werde sich mit zehn Prozent an der FC Bayern AG beteiligen, wurde vermeldet. Nike und andere Sportartikelhersteller blieben draußen. Die Entscheidung wurde auf einer gemeinsamen Pressekonferenz verkündet.

Die Börse reagierte damals übrigens sehr skeptisch auf das neue Adidas-Engagement, was sich später als Irrtum herausstellen sollte. Vollzogen wurde das Geschäft erst im Februar 2002 als die Gründung der FC Bayern München AG über die Bühne gegangen war. Adidas überwies für den Zehn-Prozent-Anteil 75 Millionen Euro an den Verein; den Betrag hatten Wirtschaftsprüfer ermittelt. Mit dem Einstieg wurde auch der Ausrüstervertrag verlängert, für den Adidas extra zahlen musste. Ein Insider meint heute, dass die Offerte von Nike den Preis nach oben getrieben habe.

Es war ein Bombengeschäft für alle, und der FC Bayern wurde noch pumperlgesunder. Und Hainer wies stolz darauf hin, Adidas habe als Ausrüster deutlich weniger beim FC Bayern als Nike bei Manchester United gezahlt. 35 Millionen Euro pro Saison soll Nike damals die Revolution in Manchester wert gewesen sein.

Gezahlt werden von den Sportartikelherstellern auch Prämien für sportliche Erfolge und die Fernsehpräsenz. Sollte der FC Bayern das Triple gewinnen, wird Adidas voraussichtlich 25 Millionen Euro oder mehr an den Verein überweisen.