Uli Hoeneß, Nike und Adidas Casino Global

Nike sprach von einem "Krieg ohne Kugeln". Im Jahr 2001 stach Adidas den Konkurrenten im Kampf um das Trikot und die Schuhe bei Bayern München aus. Und Uli Hoeneß erhielt 20 Millionen Mark Spielgeld. Rekonstruktion eines Bombengeschäfts.

Von Hans Leyendecker und Uwe Ritzer

Im Jahr 2000 kämpften die beiden Sportartikelhersteller Nike und Adidas erbittert um Marktanteile auf dem Globus. Weltmarktführer Nike sprach martialisch vom "Krieg ohne Kugeln" und ganz besonders heftig wurde der Krieg auf dem Fußballmarkt ausgetragen.

"Wir können nicht führender Sportartikelhersteller sein ohne eine Fußballrevolution zu entfachen", sagte 1999 der Gründer und Chef von Nike, Phil Knight, und er meinte das mit der Revolution ernst.

Nike war zwar insgesamt eindeutig die Nummer eins, und besonders die Kids in den USA fanden damals die Marke sehr cool, aber im Fußball war Adidas weit vor Nike. Also sichtete der amerikanische Konzern zugkräftige Mannschaften und Spieler, die werbewirksam mit dem Nike-Häkchen auflaufen sollten. "Vereine mit europäischen Perspektiven", so Knight, würden gesucht. Natürlich war da Bayern München eine erstklassige Adresse.

Im Jahr 2000 begann der Kampf zwischen Adidas und Nike um das Trikot und die Schuhe bei Bayern München und um mehr. Verhandelt wurde bald auch, wer mit zehn Prozent bei den Bayern einsteigen könnte. 2000 - das war ausgerechnet das Jahr, als der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus seinem Freund Uli Hoeneß eine Art Kredit in Höhe von zwanzig Millionen Mark fürs Zocken bei der Vontobel-Bank in Zürich zur Verfügung stellte.

Ein Geschmäckle hat die Angelegenheit auf jeden Fall

Das Ende ist bekannt. Adidas siegte 2001, obwohl Nike, wie auch Hoeneß betonte, mehr geboten hatte. Aber seit Jahrzehnten stand das mittelfränkische Unternehmen in engster Verbindung zu den Bayern. Und Hoeneß zahlte den Kredit an Dreyfus zurück und zockte weiter, ohne den deutschen Fiskus über seine Erfolge zu informieren.

Der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Privatdarlehen und dem Geschäftsabschluss ist auf den ersten - und eigentlich auch auf den zweiten Blick - verblüffend. Ein Geschmäckle hat die Angelegenheit auf jeden Fall und wäre in der heutigen Wirtschaftswelt, die sich seit der Korruptionsaffäre von Siemens Mitte des vergangenen Jahrzehnts dramatisch verändert hat, auch undenkbar. Jedenfalls müssten die Beteiligten heute befürchten, erstmal ein Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft wegen Korruptionsverdachts zu bekommen, auch wenn eine Unrechtsvereinbarung in diesem speziellen Fall nicht leicht erkennbar ist.

Dreyfus ist seit vier Jahren tot und Hoeneß soll in seiner Selbstanzeige klar gemacht haben, dass es sich damals bei dem Kredit um einen ausschließlich privaten Vorgang gehandelt habe. Beide waren Zocker, beide waren eng befreundet und als Privatmensch konnte es sich der reiche Dreyfus leisten, dem Freund das Spielgeld fürs Casino Global rüberzureichen.

Beim Versuch der Rekonstruktion des Falles sind die Beteiligten heute auffällig schmallippig. Der Verlierer Nike mochte zunächst zu den Umständen der geschäftlichen Niederlage gar nichts sagen, und erst nach mehreren Anläufen bestätigte ein Nike-Sprecher nur, dass es damals "Gespräche zwischen dem FC Bayern und Nike gegeben hat".

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