Panama Papers Finanzkontrolle auf luxemburgisch

In Luxemburg soll Claude Marx als Chef der Finanzmarktaufsicht Offshore-Geschäfte untersuchen. Dabei war er selbst involviert.

(Foto: BLOOMBERG NEWS)
  • Claude Marx ist Chef der Finanzmarktaufsicht in Luxemburg. Die Behörde soll die Offshore-Deals der Luxemburger Kreditinstitute untersuchen
  • Die Panama Papers zeigen aber, dass der Ex-Banker selbst tiefer in das Geschäft mit Briefkastenfirmen verwickelt war als bislang bekannt.
  • Marx sagt, es habe zu seinen Aufgaben als Banker gehört, Mossack Fonseca zu kontaktieren.
Von Frederik Obermaier und Bastian Obermayer

Als jüngst eine Delegation des Europäischen Parlaments in Luxemburg Halt machte, um über die Verstrickung des Landes in den Panama-Papers-Skandal zu sprechen, trafen sie einen Mann mit einer nahezu unmöglichen Aufgabe: Claude Marx, Chef der Finanzmarktaufsicht des Landes, der CSSF. Marx soll Luxemburgs Banken und Finanzdienstleister kontrollieren, die mutmaßlich jahrelang ausländischen Kunden dabei halfen, Steuern zu hinterziehen. Die Sache ist nur, dass Claude Marx eigentlich auch sich selbst unter die Lupe nehmen müsste. Neu ausgewertete Dokumente zeigen nämlich, dass der Ex-Banker tiefer in Offshore-Geschäfte verwickelt war, als bislang bekannt - als langjähriger Geschäftspartner von Mossack Fonseca, der panamaischen Kanzlei im Zentrum der Affäre.

Marx kam nach eigenen Angaben 1994 zur luxemburgischen Filiale der HSBC - einer Bank, die wiederholt in Affären um Schwarzkonten und Steuerhinterziehung verwickelt war und nicht zuletzt im Mittelpunkt des Swiss-Leaks-Skandals stand. Wegen Verstößen gegen etliche Gesetze und Regularien musste die HSBC in den vergangenen Jahren hohe Millionenstrafen bezahlen. Allein die HSBC Luxemburg, bei der Marx arbeitete, hat einer Analyse des International Consortium of Investigative Journalists zufolge insgesamt 141 Offshore-Firmen bei Mossack Fonseca gegründet beziehungsweise unterhalten.

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Marx selbst hatte nach Informationen der Süddeutschen Zeitung und des Norddeutschen Rundfunks zwischen 1996 und 2010 regelmäßigen Kontakt mit Mossack Fonseca. Aus zahlreichen E-Mails, die in den Panama Papers zu finden sind, ist ersichtlich, wie sich Marx um den Kauf, den Unterhalt, die Bezahlung und die Abwicklung von Offshore-Firmen für Kunden der HSBC Luxemburg kümmert. Damit nicht genug: Marx sorgt sich in den E-Mails auch um Gesetzesänderungen in Steueroasen und deren Folgen, er schlägt Verabredungen zum Lunch vor und trifft mindestens einmal einen Mossack-Fonseca-Mann zum Gedankenaustausch.

Laut interner Rechnung von Mossack Fonseca waren zu dieser Zeit, als andere Banken ihr Offshore-Geschäft längst heruntergefahren hatten, noch 114 Offshore-Firmen aktiv. Fast alle wurden demnach über anonyme Inhaberaktien gehalten - was damals in den Banken, die den Weg zurück zur Ehrlichkeit suchten, längst als anrüchig galt, weil es Delikte wie Steuervermeidung und Geldwäsche allzu einfach machte. Offenbar nicht so in der HSBC Luxemburg, in der Marx mit in der Verantwortung stand.

Als die belgische Zeitung Le Soir, Partner der SZ im Panama Papers-Projekt, im April 2016 berichtete, dass Marx in den Skandal involviert ist, griffen Luxemburger Medien den Fall auf. Die nun ausgewerteten E-Mails waren zu diesem Zeitpunkt aber nicht bekannt, und so reichte der CSSF ein "kein Kommentar", um den Fall klein zu halten. Der luxemburgische Finanzminister erklärte laut Luxemburger Wort, die Rolle des heutigen CSSF-Chefs sei höchstens passiv gewesen, und dessen Engagement sei über jeden Zweifel erhaben. Claude Marx selbst verneinte im April 2016 gegenüber der luxemburgischen Wochenzeitung D'Lëtzebuerger Land, in seiner Funktion bei der HSBC überhaupt Offshore-Gesellschaften eröffnet zu haben.