Oxfam Nein, acht Menschen besitzen nicht so viel wie die Hälfte der Welt

  • Oxfam präsentiert einen schockierenden Vergleich: Angeblich ist das Vermögen der reichsten acht Männer so groß wie das der ärmsten 3,5 Milliarden Menschen.
  • Doch die Behauptung steht in der Kritik. Würde die Oxfam-Berechnung stimmen, wäre mancher deutsche Rentner ärmer als ein mittelloser Bauer in Burundi.
Von Bastian Brinkmann, Davos

Bill Gates kommt nach Davos. Jeden Januar besuchen Unternehmer, Politiker und Wissenschaftler das Weltwirtschaftsforum im Schweizer Bergdorf. In Davos sitzen auch mal Milliardäre im Publikum, doch selbst auf dieser Elitetagung sind Auftritte von Bill Gates gut besucht. Immerhin gilt er als reichster Mann der Welt und ist ein bekannter Philanthrop. Dieses Mal könnte Gates auch aus anderen Gründen zum Gesprächsthema werden*. Denn die Nichtregierungsorganisation Oxfam nutzt seinen Namen und seinen Reichtum für eine Kampagne.

Die acht reichsten Männer der Erde besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, behauptet Oxfam in einem neuen Bericht, der an diesem Montag für viel Aufsehen sorgt. Im vergangenen Jahr hatte Oxfam noch verkündet, das Vermögen der 62 reichsten Personen entspreche dem der ärmeren Hälfte. Und jetzt nur noch acht Leute! Ist das nicht der Beweis, dass die Welt vor die Hunde geht? Nein. Denn die Zahl "acht" ist ziemlich sicher falsch.

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Oxfam veröffentlicht immer zum Weltwirtschaftsforum in Davos ihren Ungleichheitsvergleich. Und jedes Jahr gibt es Kritik, vom britischen Economist, vom US-Portal Vox und vom Finanzjournalisten Felix Salmon. Auch die SZ fasste 2016 die Kritik an Oxfam zusammen. Der Bericht der Organisation ist keine wirtschaftswissenschaftliche Studie, die moderne Berechnungsmethoden benutzt, um der Ungleichheit auf die Spur zu kommen. Sie vergleicht lediglich Äpfel mit Birnen.

Die Äpfel stehen im Vermögensbericht der Bank Credit Suisse (PDF). Darin schätzen die Autoren auch, wie viel Vermögen die ärmste Hälfte der Welt besitzt. Nach ihrem Verständnis entspricht das Vermögen der Summe der Ersparnisse nach Abzug aller Schulden. Für Geldhäuser sind das interessante Daten. Aus ihnen lässt sich ablesen, in welchen Ländern in Südamerika, Afrika und Asien ein Geldhaus vielleicht eine Filiale eröffnen sollte. Beispielsweise gibt es in China immer mehr Millionäre - potenzielle Kunden für die Bank. Die Berechnung des Vermögens der ärmsten fünfzig Prozent sind nur ein Nebenprodukt - die Rundungsreste in den Vermögensstatistiken.

Die Birnen, zu denen Oxfam greift, stehen auf der sogenannten Forbes-Liste. Das Magazin Forbes veröffentlich einmal im Jahr ein Ranking der reichsten Menschen der Welt. Die Finanzagentur Bloomberg veröffentlicht übrigens eine ähnliche Liste und kommt zu anderen Ergebnissen. Oxfam zählt einfach die Forbes-Liste von oben nach unten, bis das geschätzte Vermögen der aufgezählten Personen die Summe erreicht, die Credit Suisse für die ärmste Hälfte nennt. Die acht Menschen sind der häufige Davos-Gast Bill Gates, der Gründer der Modekette Zara, Amancio Ortega, der Investor Warren Buffett, der mexikanische Unternehmer Carlos Slim, Amazon-Gründer Jeff Bezos, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Larry Ellison von der IT-Firma Oracle und Michael Bloomberg von der erwähnten Finanzagentur. Im Bloomberg-Ranking ist Bloomberg übrigens nicht unter den Top Ten.