Autos ohne Sprit, Heizungen ohne Gas, Strom ohne Kohle - die heimliche Agenda von Kopenhagen. Warum die Konferenz in Wahrheit ein Wirtschaftsgipfel ist.
Wie weit fährt ein Auto mit 95 Prozent weniger Sprit? Wie warm wird eine Wohnung ganz ohne Öl und Gas? Wie sollen Lampen leuchten und Computer laufen, wenn Kraftwerke keine Kohle mehr verbrennen dürfen?
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Vorbote der Katastrophe? Ein Staubsturm, genannt Habub, fegt über die sudanesische Stadt Khartum hinweg. Extreme Wetter-Ereignisse, so sagen Forscher, werden mit der Erderwärmung zunehmen. (© Foto: AFP)
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Autos ohne Sprit, Heizungen ohne Gas, Strom ohne Kohle - das ist die heimliche Agenda von Kopenhagen. Am Montag beginnen dort die Verhandlungen über ein neues Klimaabkommen. Es soll, anders als das Kyoto-Protokoll, endlich einen echten Beitrag leisten gegen die Erderwärmung, soll das von Menschen verursachte Temperatur-Plus bis 2050 auf zwei Grad Celsius begrenzen. Das setzt mehr voraus als die üblichen Minimalbekenntnisse gutmeinender Staaten, die am Ende die wenigsten nur einhalten.
Die Aufgabe wird umso unfasslicher, je genauer man sie betrachtet. Bis 2050 sollen sich die Industriestaaten fast vollständig von der Verbrennung fossiler Rohstoffe verabschieden. Ein Budget von zwei Tonnen Treibhausgasen würde am Ende für jeden Menschen bleiben. Das ist weniger als ein Zehntel dessen, was Amerikaner derzeit für ihren Lebensstil beanspruchen, und ein Fünftel dessen, was ein Durchschnitts-Deutscher braucht: für Wärme, Licht, Mobilität, Konsum.
Dieses Ziel könnten die Staaten in Kopenhagen in Angriff nehmen. Gemeinsam könnten sie das größte Rad der Wirtschaftsgeschichte drehen: Sie könnten sich von Technologien verabschieden, die den Pfad der Wirtschaft seit Jahrzehnten bestimmen. Und das bis 2050, in einem halben Menschenleben.
40 Jahre sind historisch betrachtet eine Millisekunde, in der jüngeren Entwicklungsgeschichte aber können sie eine ganze Epoche sein. Die vergangenen 40 Jahre sahen das Überschallflugzeug Concorde kommen und wieder abstürzen, sie erlebten den beispiellosen Siegeszug des Computers und verhalfen der Welt zu einer neuen, virtuellen Wirklichkeit. Wenige Jahre nur brauchte es, den Raum zu einer Dimension der Vergangenheit zu machen. Doch eines blieb bestehen: das System von Hitze und Dampf.
Feuer und Dampf sind Ausgangspunkt nahezu jeder Innovation der jüngeren Geschichte. Sie machten die Überwindung großer Entfernungen im Massenbeförderungsmittel Zug möglich, die Verbrennung des Ölderivats Benzin schuf das individuelle Pendant, das Automobil. Dampfmaschinen erlaubten die Produktion großer Stückzahlen in Fabriken, Dieselmotoren den massenhaften Gütertransport in Lastkraftwagen und Containerschiffen.
Dampfbetriebene Computer
Doch während große Teile der Wirtschaft von Durchbruch zu Durchbruch hechteten, blieb die Energiewelt ihrer Technologie treu. Fahrzeugmotoren mögen in der Vergangenheit weitaus effizienter geworden sein, sie mögen die Verbrennung perfektioniert haben und das Maximum an Energie herausholen. Am Grundprinzip änderte sich aber nichts. Die Eisenbahn mag die Epoche der Dampflokomotive genauso hinter sich gelassen haben, wie es die Industrie getan hat. Nur beziehen alle nun Energie in Form von Strom - aus Kraftwerken, die nach wie vor nach dem Prinzip von Hitze und Dampf arbeiten.
Moderne Kessel und Generatoren mögen geholfen haben, weitaus mehr aus Kohle und Gas zu holen, als dies vor 150 Jahren der Fall war. Doch das Grundprinzip blieb dasselbe. Selbst der modernste Computer ist so letztlich überwiegend dampfbetrieben und von Kohle befeuert. Und das, obwohl längst klar ist, dass die gesamte globale Entwicklung, nicht nur die wirtschaftliche, mit der Abhängigkeit von endlichen Rohstoffen auf Sand gebaut ist; obwohl es alternative Technologie schon gibt. Dahinter steht dieselbe Blindheit, mit der Investoren in den Jahren vor dem Finanzcrash geschlagen waren.
Nur ist das Problem in diesem Fall weit elementarer, weil nicht nur die Quellen des globalen Wachstumsmodells irgendwann zwangsläufig versiegen werden, sondern weil ihre Nutzung zunehmend die Lebensbedingungen auf dem Planeten verändert. Es droht die Wiederentdeckung einer alten Erfahrung. Nahezu die gesamte Menschheitsgeschichte war geprägt von den Begrenzungen durch die Natur. Der Mensch hat sich erst in den vergangenen 150 Jahren von Umweltbedingungen zunehmend unabhängig machen können. Er erweckte nährstoffarme Böden mit Dünger zu neuem Leben, er lernte Entfernungen zu überwinden, er machte die Verbreitung von Wissen zu einer Frage der Datenleitung. Er kann Meerwasser entsalzen und Wolken wegbomben. Aber den Klimawandel stoppen?
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Wie viel ist uns die Umwelt wirklich wert? Eine Suche nach dem Preis der Natur. Jetzt lesen ...
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