Weltklimagipfel:Windelweiche Pläne

Wenn nicht bald gehandelt wird, ist ein gravierender Klimawandel nicht mehr aufzuhalten. Doch die Konzepte der meisten Staaten werden der Bedrohung nicht gerecht.

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Klimawandel, afp

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Es drängt

Umweltschützer und Wissenschaftler warnen vor dramatischen Folgen des Klimawandels. Von der Politik fordern sie ein schnelles und entschlossenes Handeln. Nur noch drei Jahre bleiben der Staatengemeinschaft, um neue langfristige Zielmarken für den Klimaschutz zu setzen. Denn 2012 läuft der Vertrag von Kyoto aus.

Auf dem UN-Weltklimagipfel in Kopenhagen Anfang Dezember 2009 soll eine verbindliche Vereinbarung getroffen werden. Doch ob sie zustande kommt, erscheint fraglich. Denn die einzelnen Staaten gehen mit sehr unterschiedlichen Plänen in die Verhandlungen - und nur wenige entsprechen den Empfehlungen der Klimaforscher.

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Klimawandel, Getty

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Die Forderungen der Klimaforscher

Wenige Tage vor Beginn der Verhandlungen in Kopenhagen richteten weltweit führende Klimawissenschaftler noch einmal einen eindringlichen Appell an die Politik. Sollte die Erderwärmung weiter so fortschreiten, wie es das schwindende Meereis am Nordpol und die steigenden Temperaturen befürchten lassen, könnte bis zum Ende des Jahrhunderts die Durschnittstemperatur um sieben Grad Celsius und der Meeresspiegel um etwa einen Meter steigen, warnen die Forscher in ihrer "Kopenhagen-Diagnose".

Damit es zu diesem Schreckensszenario nicht kommt, müssen die Treibhausgas-Emissionen spätestens von 2020 an massiv abnehmen, fordern die 26 Forscher aus acht Ländern. Nur dann könne das international anerkannte Ziel eingehalten werden, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

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EU, Klimawandel, dpa

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Musterknabe Europäische Union

Die EU möchte das Zwei-Grad-Ziel von Forschung und Vereinten Nationen erreichen. Sie legte als erste Gruppe von Industrieländern dafür konkrete Ziele fest - und möchte damit auch anderen Nationen die Richtung weisen. Europa ist bereit, sich in Kopenhagen auf eine Senkung der Treibhausgase bis 2020 um bis zu 30 Prozent zu verpflichten - sofern andere Länder vergleichbare Angebote machen.

Zudem kann der amtierende Ratsvorsitzende, der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt, nun mit einem konkreten Angebot an die Entwicklungsländer in die Verhandlungen gehen. So haben sich die Mitgliedsstaaten auf eine Soforthilfe von 7,2 Milliarden Euro innerhalb der nächsten drei Jahre verständigt. Mit einer Sondersteuer auf Spekulationsgewinne wollen sie zudem auch langfristig Geld für den Klimaschutz zusammentragen.

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Klimawandel, USA, dpa

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Bremser USA auf neuem Kurs

Die USA sind für etwa ein Fünftel des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich - damit ist das Land der zweitgrößte Klimasünder der Erde. Wie es aussieht, wird sich daran auch so bald nichts ändern. Denn die US-Pläne zur Emissions-Reduzierung bleiben weit hinter den Forderungen der Forscher zurück. US-Präsident Barack Obama kündigte an, den Kohlendioxid-Ausstoß seines Landes in einem ersten Schritt bis 2020 um 17 Prozent unter den Wert von 2005 zu bringen. Internationaler Maßstab ist allerdings 1990. Im Vergleich zu damals liegt die angebotene Verminderung nur bei etwa vier Prozent und damit deutlich unter dem, was die EU erreichen möchte. In einem weiteren Schritt wollen die USA die Emissionen dann bis 2030 um 42 Prozent senken.

Nicht nur Umweltschützer, sondern auch die europäischen Staaten halten die Ankündigungen Obamas daher für unzureichend. Trotzdem herrscht insgesamt bei EU und UN zunächst einmal Erleichterung, dass die USA kurz vor Beginn des Weltklimagipfels überhaupt erstmals konkrete Ziele genannt haben. Bislang galten die Vereinigten Staaten in Klimafragen als Bremser. Das Kyoto-Abkommen hatten sie zwar unterzeichnet, aber dann nicht ratifiziert.

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Klimawandel, China, Reuters

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Spätzünder China

China ist heute der größte Produzent von Treibhausgasen weltweit. Die Volksrepublik weigerte sich jedoch lange Zeit, sich auf konkrete Klimaziele festnageln zu lassen. Nach den USA kündigte nun auch die Regierung von Ministerpräsident Wen Jiabao erstmals eigene konkrete Vorgaben an. Danach soll der Ausstoß der Treibhausgase künftig nicht mehr so stark zulegen wie das Wirtschaftswachstum. Die Treibhausgase, die für jeden Yuan Wirtschaftsleistung ausgestoßen werden, sollen vielmehr bis 2020 um 40 bis 45 Prozent gegenüber dem Stand von 2005 verringert werden.

Mit dieser Zielsetzung wird China den Emissions-Ausstoß allerdings nur abbremsen, nicht senken. Die Umweltorganisation Greenpeace geht mit den Plänen Chinas hart ins Gericht: Das sei zu wenig, um unter dem Zwei-Grad-Ziel zu bleiben. Auch die EU nannte Chinas Pläne "für manche enttäuschend".

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Klimawandel, Russland, afp

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Sogwirkung auf andere Länder

Nach China signalisiert nun auch Indien Zugeständnisse bei den Klimaverhandlungen, um der Erderwärmung entgegenzuwirken - denn die beiden asiatischen Regionalmächte haben eine gemeinsame Haltung in Kopenhagen angekündigt. Andere Länder haben zwar auch Vorschläge vorgelegt, wollen ihre endgültige Position jedoch vom Verlauf der Gespräche in der dänischen Hauptstadt abhängig machen - und davon, dass alle wichtigen Länder ein Klimaschutz-Abkommen unterzeichnen.

So wäre Japan bereit, seine Emissionen im Vergleich zu 1990 bis zum Jahr 2020 um bis zu einem Viertel zu senken. Russland hat noch kein offizielles Angebot vorgelegt, wäre aber nach Angaben der EU-Kommission ebenfalls bereit, seine Emissionen zu drosseln - bis zum Jahr 2020 um 20 bis 25 Prozent. Die australische Regierung würde das Land gerne verpflichten, seinen CO2-Ausstoß verglichen mit dem Jahr 2000 um ein Viertel zu senken - scheitert jedoch bislang am Parlament.

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Klimawandel, Südamerika, afp

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Die Forderungen der Armen

Damit das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden kann, müssten jedoch nicht nur Industrienationen zum Klimaschutz beitragen, sondern auch Schwellen- und Entwicklungsländer. Wissenschaftlern zufolge müssten sie ihren Ausstoß an Treibhausgasen um bis zu 30 Prozent reduzieren. Doch die notwendigen Maßnahmen können sich arme Staaten nicht leisten.

Viele Länder fordern daher Hilfe von den Industrienationen - zumal es bislang vor allem jene sind, die das Klima am meisten belasten. So verlangen unter anderem die Amazonas-Staaten in Südamerika technische und finanzielle Unterstützung der internationalen Gemeinschaft für den Schutz des Regenwaldes, wie Brasiliens Außenminister Celso Amorim (l.) und Präsident Luiz Inacio Lula da Silva nach einem Treffen der Amazonas-Anrainer darlegten.

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Klimawandel, Afrika, Getty

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Geringer Ausstoß - geringe Verpflichtung

Auch viele afrikanische Politiker bestehen darauf, dass es nicht an ihnen sei, den Klimawandel aufzuhalten. Denn die Emissionen der afrikanischen Staaten sind im Vergleich zum Ausstoß der Industrienationen gering - sie liegen für den gesamten Kontinent unter den Emissionen der USA, Chinas, Russlands, Indiens oder Japans.

Auch sie fordern Hilfe für die Bewältigung der Folgen des Klimawandels. Von der Weltbank und dem Rückversicherer Munich Re gibt es Überlegungen zu einer Art Versicherungsmodell, doch ob die Industrienationen sich tatsächlich zu dessen Bezahlung durchringen können, ist unklar.

Foto: Getty Images Text: sueddeutsche.de/AFP/AP/dpa/Reuters/gal/holz/

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