Griechenland Urlauber helfen Griechenland aus der Krise

In diesem Tempel sollten sich Diesseits und Jenseits begegnen, wenn auch vielleicht auf andere Art: Selfie vor der Athener Akropolis.

(Foto: Christian Hartmann/Reuters)
  • Die Wirtschaft in Griechenland ist das zweite Quartal in Folge gewachsen.
  • Insbesondere der Tourismus boomt. Gäste aus Asien sollen die Entwicklung weiter stärken.
  • In der Staatskasse macht sich der Trend kaum bemerkbar. Offenbar werden in der Branche weiter Steuern hinterzogen.
Von Mike Szymanski, Athen

Alexandros Frydas muss nur vom Balkon im sechsten Stock blicken, dann weiß er, dass er sich nicht geirrt hat. Zwischen zwei Häuserschluchten, hier, mitten im Zentrum von Athen, erhebt sich der Neubau eines Fünfsternehotels, kühle Formen, die Fassaden in unberührtem Weiß. Das moderne Athen, wie es in der Werbung dafür heißt. Frydas muss mit vielleicht 70 Quadratmetern für seine Firma auskommen - drei Zimmer für sieben Vollzeitkräfte. Bei Frydas finden sich: billige Möbel und viel Hoffnung. Gegenüber aber steht in Beton gegossene Zuversicht.

"Wenn die sich mit ihrem Hotel so sicher sind, dass der Tourismus die Zukunft ist, dann können wir so falsch nicht liegen", sagt Frydas. Er geht wieder rein. Er hat mit zwei Freunden 2013 die Firma Athens Insiders gegründet. Damals eher noch eine Idee, die reifen musste, ein Start-up. Eine Notlösung - dies auch. Sie wollten nicht arbeitslos sein wie so viele andere in ihrem Alter in diesem krisengeplagten Land. Ihr Einfall: besserer Tourismus. "Es ist doch unfair, wenn die Leute nach Griechenland kommen und denken, Akropolis, griechischer Salat und Moussaka, das wäre schon alles."

Die Zahl der Gästeankünfte könnte auf 30 Millionen klettern. Ein Rekord

Im Sommer 2017 ist nicht mehr alles Krise in Griechenland. Es ist ein Freitag, aber von Feierabendstimmung ist im Hafen von Piräus nun wirklich nicht viel zu spüren. Ein Hafenmitarbeiter schaut in die Bucht. Es wird nicht mehr lange dauern, dann legen die Kreuzfahrtschiffe an und entlassen wieder Tausende Besucher auf einmal aus ihren dicken Bäuchen. Europäer, Amerikaner - und neuerdings viele Chinesen. Am Flughafen geht es ähnlich hektisch zu. Die Zahl der Gästeankünfte könnte auf 30 Millionen klettern, ein Rekord.

Renditeplus im Süden

Mit Anleihen der europäischen Krisenstaaten haben Anleger wieder Chancen. Es gibt aber auch Risiken. Wenn die EZB ihre Anleihenkäufe einstellt, ändert sich die Lage. Von Harald Freiberger und Jan Willmroth mehr ...

Es gebe viele Urlauber, die nicht im Strom der Masse mitschwimmen wollten, glaubt Alexandros Frydas. "Sie wollen Einzigartiges erleben. Wir versuchen, das möglich zu machen."

Vor einiger Zeit meldete sich ein Juristenpaar aus Kalifornien bei den Athens Insiders. Sie wollten eine Führung, nicht auf die Akropolis, sondern in ein Athener Gericht, und sie wollten ein Gespräch mit griechischen Kollegen. Dann setzten sich Frydas und sein Team an ihre Schreibtische, telefonierten und organisierten. Es geht natürlich auch eine Nummer kleiner. Wer will, kann mit Frydas Mitarbeiter Yannis Zafeiropoulos, der ihm am Schreibtisch gegenübersitzt, die Tavernen der Stadt erkunden. Er hat sich in London zum Sommelier ausbilden lassen. In diesen von verblüffender Leichtigkeit getragenen Athener Nächten kann Zafeiropoulos genau der richtige Lotse sein. Das kostet ein Paar aber mindestens 200 Euro.

Erdoğan vergrault mit seinem autokratischen Gebaren Touristen

Das Geschäft läuft. 2013 hatten sie 30 Kunden, in diesem Jahr könnten es schon 5000 werden. Sieben Angestellte im Büro und zehn Mitarbeiter, Leute wie Yannis Zafeiropoulos, die mit den Kunden unterwegs sind.

Nach sieben Jahren der Dauerkrise sieht es so aus, als würde sich das Land aufrappeln. Das zweite Quartal in Folge ist die Wirtschaft gewachsen, Ende 2017 könnte es ein Plus von gut zwei Prozent geben. Dazu dürfte maßgeblich der Tourismus beigetragen haben. Jeder fünfte Grieche verdient direkt oder indirekt am Geschäft mit den Urlaubern.

Ein Blick auf die Karte genügt, um zu verstehen, warum Griechenland hoch im Kurs steht: In der Türkei vergrault das zunehmend autokratische Gebaren von Präsident Recep Tayyip Erdoğan Touristen. Es gibt Kreuzfahrt-Passagiere, die sich lieber länger auf griechischen Inseln absetzen lassen, als die Türkei-Stationen mitzunehmen. Ägypten? Tunesien? Auch gefühlt eher wieder unsicherer geworden. Griechenland mag arm sein. Als gefährliches Land ist es bisher nicht in Erscheinung getreten.

Giorgos Koubenas ist früher als Kapitän zur See gefahren. Heute steuert er als Vize-Präsident ein Unternehmen mit dem Namen Celestyal Cruises, das fünf Kreuzfahrtschiffe unterhält. "Wenn es eine Chance zur wirtschaftlichen Erholung gibt, dann funktioniert das nur über den Tourismus."