Euro-Gruppe vertagt Hilfszahlungen für Griechenland Zoff statt Zaster

Fast zwölf Stunden hatten sie Zeit zu streiten - und die Finanzminister der Euro-Gruppe haben sie genutzt. Am Ende bleibt nur die Wut der Griechen und ein neuer Termin. Geld bekommt Griechenland vorerst nicht. Die Verantwortlichen sprechen von "technischen Schwierigkeiten", ein internes Dokument berichtet aber von fundamentalen Meinungsverschiedenheiten.

Es ist bitter für Griechenland: Das Land hat zuletzt alles getan, um die Ansprüche der Kreditgeber zu erfüllen - doch Geld gibt es nicht.

Am frühen Mittwochmorgen brachen die Finanzminister der Euro-Gruppe ihre Beratungen darüber ab, wie die Finanzierungslücken Griechenlands geschlossen werden sollen. Damit wird die nächste Tranche der Hilfen in Höhe von 44 Milliarden Euro vorerst nicht ausgezahlt. Dabei braucht das Land dringend den Kredit, um zahlungsfähig zu bleiben. Die Anleger reagierten verunsichert: Der Euro verlor einen halben Cent gegen den Dollar. Nun soll am kommenden Montag weiterverhandelt werden.

Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras hält einen Aufschub der Hilfen für sein Land für ungerechtfertigt: "Griechenland hat eingehalten, wozu es sich verpflichtet hat", sagte Samaras in Athen. "Unsere Partner müssen nun zusammen mit dem IWF ebenfalls tun, was sie sich vorgenommen haben." Technische Schwierigkeiten bei der Suche nach einer Lösung "rechtfertigen weder Nachlässigkeiten noch Verzögerungen", sagte Samaras.

Beobachter sagen, dass sich die Finanzminister letztlich nicht auf eine Lösung verständigen konnten. Es sei wie im Restaurant gewesen: Es gebe viele Gerichte, die satt machten - doch jeder wollte ein anderes Gericht essen.

Mit "technischen Arbeiten", die noch zu leisten seien, hatte der Vorsitzende der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker in seinem Statement den Abbruch der Gespräche gerechtfertigt. Auch seiner Erklärung zufolge hatte Griechenland alle Zusagen erfüllt, die es bis zum Euro-Gruppen-Treffen umsetzen wollte.

"Um Haaresbreite von einem Abkommen entfernt"

Die Beratungen der Finanzminister beschrieb Juncker als "extensiv", was in der Diplomatensprache in der Regel eine heftige Aussprache bedeutet. Es seien jedoch "Fortschritte über ein einheitliches Paket an glaubwürdigen Initiativen" erzielt worden, hieß es kryptisch. Diese sollten "substanziell" zur Schuldentragfähigkeit beitragen.

Die "technischen" Schwierigkeiten dürften handfeste inhaltliche Streitereien sein. Denn die Standpunkte der Beteiligten sind eigentlich nicht miteinander vereinbar. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von einem internen Dokument, dass nur zwei Möglichkeiten vorsieht, Griechenlands Schuldenlevel auf die erwünschten 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu senken: Entweder die Euro-Staaten, die dem Land Geld geliehen haben, verzichten in einem zweiten Schuldenschnitt auf die Rückzahlung eines Teils ihrer Kredite, doch vor allem Deutschland als größter Kreditgeber lehnt diese Option ab. Oder die Frist Griechenlands wird um zwei Jahre verlängert - wogegen sich wiederum der IWF sperrt. Wegen dieser Verlängerung hatten IWF-Chefin Christine Lagarde und Juncker vergangene Woche auf einer Pressekonferenz öffentlich widersprochen - was bei gemeinsamen Auftritten der Euro-Helfer äußerst selten vorkommt.

Auch andere Erklärungen, warum es immer noch keine Einigung gibt, fielen vage aus. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble versuchte in der ARD, das Ergebnis als Teilerfolg zu verkaufen. Es gebe immerhin einen "Kontrollmechanismus". "Da die Fragen so kompliziert sind, haben wir keine abschließende Lösung gefunden", sagte er.

Zuversichtlich klang alles hingegen bei Frankreichs Finanzministers Pierre Moscovici. "Eine Abmachung ist sehr nahe", sagte er dem Radiosender Europe1. "Wir sind um Haaresbreite von einem Abkommen entfernt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das am Montag schaffen."

Schäuble sagte auch, die Finanzlage Griechenlands werde kein Thema auf dem am Donnerstag beginnenden EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs sein. Doch die Zeit drängt.