Korruption bei WM-Vergabe Bitte, es tut sich doch was!

Der neue Chefermittler der Fifa untersucht Korruptionsvorwürfe gegen den WM-Ausrichter Katar. Der Fall dient in erster Linie als Tätigkeitsnachweis für die versprochenen Reformen - und nicht als ernsthafter Versuch, den Weltfußball ehrlicher zu machen.

Von Thomas Kistner

Die Ethikkommission fand keine stichhaltigen Beweise für Korruption bei der WM-Vergabe an Katar 2022: Animation des Stadions Al-Gharafa.

(Foto: hhvision/dpa)

Der Fußball-Weltverband Fifa untersucht Korruptionsvorwürfe gegen den WM-Ausrichter Katar - fliegt jetzt alles auf? Es klang bedrohlich, was die Sunday Times am Wochenende meldete. Die Fifa hat von dem britischen Blatt verdächtiges Material erhalten und an ihren internen Chefermittler weitergeleitet, den US-Anwalt Michael Garcia. Katars WM- Organisatoren beteuern prompt, es habe nie unsaubere Deals bei ihrer Bewerbung gegeben. Im Dementieren haben die Katarer inzwischen eine Menge Routine.

Worum geht es konkret? Katars Werber, die Ende 2010 den Zuschlag für die WM 2022 feierten, hatten Monate zuvor intensiv überlegt, ob sie eine Million Dollar in ein recht anrüchiges Gala-Dinner samt Workshop in Johannesburg investieren sollten. Dieses Event veranstaltete Samson Adamu bei der WM in Südafrika zu Ehren von Afrikas Fußball-Legenden. Samson wiederum ist der Sohn des (mittlerweile wegen Korruption gesperrten) Fifa- Vorstandes Amos Adamu aus Nigeria. Und Adamu senior - so schließt sich der Kreis - sollte mit seinen 23 Vorstandskollegen über die WM-Vergabe 2022 abstimmen.

Laut Aktenlage dürfte der tiefere Sinn der Oldie-Fete gewesen sein, aus einer 220.000 Dollar teuren Gala, die dann mit einer Million aus Katar betankt wird, rund 800.000 Dollar Privatgewinn abzuzweigen. Samson, der dank Papas Beziehungen auch im WM-Tickethandel mitmischte, kam also Anfang 2010 mit Katars Bewerberchef Ali al-Thawadi ins Gespräch; auch ein Vertrag wurde entworfen. Nur zur Zahlung sei es nicht gekommen, meldet die Times, die diesen Fall ebenso ins Rollen brachte wie zuvor schon - im Herbst 2010 - Amos Adamu zu Fall.

Damals fragten Undercover-Journalisten der Zeitung den Funktionär mit versteckter Kamera, was sein Votum bei der WM-Kür koste. Antwort: 800.000 Pfund. Die Times veröffentlichte das Video, Adamu wurde - nebst Kollege Reynald Teemari (Tahiti), der in dieselbe Falle getappt war - Wochen vor der Wahl aus dem Fifa-Vorstand gefeuert.

Katar, heißt es, habe das Sponsorangebot an Adamu junior damals zurückgezogen, weil es "die Fifa-Regeln beachtet" habe. Gut, dass das noch rechtzeitig auffiel. Nur rätseln jetzt alle, wer Samsons sündteure Gala in Südafrika am Ende tatsächlich bezahlt hat. Die Spur versickert bei einer Firma namens Kinetic Sports Management, die der Absolvent einer Fifa-finanzierten Schweizer Sportakademie Monate zuvor mit rund 5000 Euro Stammkapital gegründet hatte. In Nigeria gibt es eine Firma mit selbem Namen, registriert am Wohnsitz seines Vaters, des für drei Jahre gesperrten Fifa-Vorstands.

"Nach Erhalt der Dokumente", teilte die Fifa mit, "hat die Fifa diese sofort an Michael J. Garcia weitergereicht", der werde über "die nächsten Schritte entscheiden." Das klingt allerdings dramatischer, als es nach Lage der Dinge ist: Denn was besagen die Papiere schon konkret?