DFB Franz Beckenbauer und Co. wollen keinen Schadensersatz zahlen

Einst WM-Organisatoren des DFB, nun Gegner des DFB: Wolfgang Niersbach (links) und Franz Beckenbauer.

(Foto: dpa)
  • Eine vom Deutschen Fußballbund (DFB) angerufene Hamburger Schlichtungsbehörde für Streitfälle hat für Dienstag, 29. März, einen Gütetermin mit Franz Beckenbauer und weiteren Ex-Funktionären angesetzt.
  • Beckenbauer und seine einstigen Mitstreiter sind allerdings nicht verpflichtet, zu erscheinen.
Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

Knapp zehn Jahre ist das Sommermärchen nun schon her. Für die Macher der Fußball-WM 2006 in Deutschland läge es also durchaus nahe, sich wieder einmal zu treffen und auf die alten Zeiten anzustoßen.

Nächsten Dienstag, gleich nach Ostern, böte sich das an. Da sind Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach, Fedor Radmann, Horst R. Schmidt und Theo Zwanziger ohnehin nach Hamburg geladen. Doch kaum eines der einstigen Präsidiumsmitglieder des Organisationskomitees (OK) der WM 2006 wird kommen. Es gibt ohnehin nichts zu feiern.

Der frühere OK-Chef Beckenbauer und seine damaligen Vizes sollen nach Recherchen von SZ, NDR und WDR bei der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle (ÖRA) der Hansestadt Hamburg erklären, ob sie gedenken, 7,7 Millionen Euro an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu zahlen. Als Schadenersatz in der Affäre um die WM 2006.

Es geht um die 6,7 Millionen Euro, die das von Beckenbauer geleitete OK vor der Weltmeisterschaft verschoben hatte, plus eine Million Euro Zinsen. Weitere Forderungen könnten folgen. Der DFB hat die 7,7 Millionen Euro Ende 2015 geltend gemacht; in einem bei der ÖRA eingereichten "Antrag auf Einleitung eines Güteverfahrens".

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Von Beckenbauer bis Zwanziger zahlt niemand auch nur einen Cent freiwillig

Die Schlichtungsstelle in Hamburg hat nunmehr Gütetermine für den 29. März angesetzt, der Reihe nach für jeden OK-Mann. Beckenbauer wäre am Nachmittag als einer der Letzten dran. Kommen muss aber keiner, nicht einmal die Anwälte der OK-Leute müssen erscheinen.

Große Worte sind auch gar nicht nötig. Von Beckenbauer bis Zwanziger zahlt niemand auch nur einen Cent freiwillig an den DFB, dem alle einst dienten: Niersbach und Zwanziger als Präsidenten, Schmidt als Generalsekretär und Schatzmeister, Radmann als WM-Bewerber, Beckenbauer als Nationalspieler, Teamchef, Weltmeister, Kaiser und Lichtgestalt; und alle eben als WM-Organisatoren.

Im Kreise ihrer Anwälte werden schwere Vorwürfe gegen den DFB erhoben. Der Verband habe das Verfahren in Hamburg "unter Missbrauch geltenden Rechts" in Gang gebracht. Dem DFB gehe es gar nicht um eine einvernehmliche Lösung, sondern alleine darum, eine Verjährung der geltend gemachten Ansprüche zu verhindern.

Das hatte der Verband allerdings auch selbst so kommuniziert: Für den Fall, dass dem DFB in der Affäre ein finanzieller Schaden entstehe, solle dieser bei den WM-Machern von einst gegebenenfalls eingefordert werden. Auf Gütetermine sollte der DFB dann aber nicht hoffen - er wird vor Gericht ziehen müssen.

Ein größerer Bruch mit der eigenen Geschichte als eine Klage gegen Franz Beckenbauer wäre kaum denkbar. Doch bereits die bei der ÖRA erhobenen Vorwürfe sind heftig. Sie dokumentieren, dass die neue DFB-Spitze um den künftigen Präsidenten Reinhard Grindel ernst macht mit der Aufarbeitung der Affäre.

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Zwanziger hält sich offen, nach Hamburg zu kommen

Manches spricht dafür, dass der Zuschlag für das Turnier gekauft war; in jedem Fall sind enorme Beträge in dunklen Kanälen versickert. Die Millionen, um die es konkret geht, soll der einstige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus Beckenbauer 2002 heimlich geliehen haben.

2005 zahlte das deutsche WM-OK 6,7 Millionen via Fifa an Dreyfus zurück, getarnt als Zuschuss für eine damals noch geplante Eröffnungs- Gala der WM 2006. Diese Gala wurde aber von der Fifa später abgesagt. Der DFB wirft der damaligen OK-Spitze nun vor, die 6,7 Millionen Euro nicht von der Fifa zurückgefordert zu haben, "nachdem der angebliche Verwendungszweck entfallen war".

Beckenbauer & Co hätten dem Verband "erheblichen Schaden zugefügt", heißt es in den bei der ÖRA eingereichten Anträgen. Außerdem seien damals beim Fiskus "mutmaßlich unzutreffende Angaben" über die Zahlung an die Fifa gemacht worden. Das könne dazu führen, dass dem DFB die Gemeinnützigkeit nachträglich für einen bestimmten Zeitraum aberkannt werde. Es drohe ein "erheblicher zusätzlicher Schaden", trägt der Verband vor.

Mit der Steuererklärung des DFB hatten Beckenbauer und Radmann aber nichts zu tun; Radmann war zum Zeitpunkt der 6,7-Millionen-Euro-Überweisung an die Fifa auch nicht mehr OK-Vize. Im Kreise der Anwälte der OK-Leute wird dem DFB entgegnet, der Fall sei durchaus verjährt. Die geltende Zehn-Jahres-Frist habe mit der Überweisung im April 2005 begonnen; der ÖRA-Antrag des DFB Ende 2015 sei zu spät erfolgt. Der Verband sieht das anders.

Einer wird am 29. März vielleicht doch erscheinen. Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger hat sich den Termin "vorgemerkt. Ich halte mir offen, ob ich mit meinem Anwalt komme".

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