Gazproms Aktivitäten Top-Sponsor im Dienste Putins

FC Chelsea, Schalke 04 und nun auch die Fifa: Der russische Großsponsor Gazprom hat die Welt des Sports weit durchdrungen. Passenderweise verlaufen parallel dazu die Ambitionen des russischen Präsidenten.

Von Johannes Aumüller

Wladimir Putin sparte nicht an markigen Worten. "Sind denn solche PR-Aktionen eine Tragödie wert?", fragte Russlands Staatschef ins Auditorium. "Bei solchen Aktionen kann alles Mögliche passieren." Vor einer Woche war das, als Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace versuchten, eine Ölplattform zu stürmen, um gegen die umfangreichen Bohrungen des staatlich kontrollierten Energieriesen Gazprom in der Arktis zu protestieren. Etwa 30 Personen wurden verhaftet, die russische Justiz ermittelt wegen Piraterie.

Das wollten manche Greenpeace-Mitglieder nicht auf sich sitzen lassen, und so setzte sich der Konflikt am Dienstagabend beim Champions-League-Spiel zwischen dem FC Basel und Schalke (0:1) auf ungewöhnliche Weise fort. Vier Umweltschützer seilten sich kurz nach Spielbeginn vom Stadiondach ab und entrollten ein riesiges gelbes Transparent gegen Gazprom; für fünf Minuten musste die Partie unterbrochen werden.

Dem Schweizer Verein droht nun eine Strafe, wie der europäische Fußballverband (Uefa) am Mittwoch mitteilte. Gazprom will sich dazu nicht äußern. Doch diese Aktion lenkt den Blick auf die Tatsache, wie sehr dieser Konzern - passenderweise parallel zu Putins sportpolitischen Ambitionen - die Welt des Sports bereits durchdrungen hat, vor allem im Fußball.

Hauptsponsor der Champions League

Seit 2005 ist Gazprom Mehrheitseigner von Zenit Sankt Petersburg, in den Jahren danach stieg er bei Schalke 04 sowie Roter Stern Belgrad als Hauptsponsor ein, beim FC Chelsea des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch ist er als "weltweiter Energiepartner" aktiv und auch mit dem FC Bayern hat es schon Verhandlungen gegeben - außer Belgrad alles Teilnehmer an der laufenden Champions-League-Saison. Für Europas Königsklasse fungiert Gazprom seit 2012 als Top-Sponsor, entsprechend delikat ist, wie die Uefa nun den Zwischenfall in Basel sanktioniert.

Zudem hat der Konzern kürzlich einen Vertrag mit dem Weltfußballverband unterzeichnet - bei dem steigt er 2015 als Partner ein. Die derzeit vorangetriebenen Pläne für die Gründung einer russisch-ukrainischen Liga gehen sogar unmittelbar auf das Unternehmen beziehungsweise seinen Chef Alexej Miller zurück. Und dann gibt es noch Franz Beckenbauer als "Sportbotschafter" des Verbandes Russischer Gasproduzenten (RGO), wo selbstredend Gazprom das Sagen hat.

Auch in vielen anderen Sportarten ist der Konzern engagiert. Als vor ein paar Jahren das russische Radsport-Projekt Katjuscha an den Start ging, zählte Gazprom zu den Unterstützern. Seit Sommer ist er Sponsor der Balkan-Liga im Handball, welche die Bundesliga herausfordern möchte. Kürzlich versprach Alexej Miller in Sankt Petersburg den Bau einer Tennis-Akademie - mit dem Ziel, wieder "Profis von Weltformat" auszubilden. Die beiden letzten Spielzeiten der Champions League im Tischtennis gewann ein russischer Klub namens Gazprom Fakel Orenburg. Es gab auch schon eine von Gazprom unterstützte Segel-Regatta, bei der die Athleten quer über die Ostsee ungefähr die Route nahmen, über die der Konzern in einer großen Pipeline sein Gas von Russland nach Mitteleuropa schickt. Wenn demnächst in Sankt Petersburg "Weltspiele der Kampfsportarten" stattfinden, ist unter den Unterstützern natürlich auch: Gazprom.

Da verblüfft es fast schon, dass der Konzern nicht zu den offiziellen Sponsoren der Olympischen Winterspiele in Sotschi zählt. Etwas mehr als zwei Milliarden Euro hat Gazprom nach Recherchen der Zeitung Wedomosti dort trotzdem investiert.