DFB-Elf Toni Kroos - unauffällig bester Nationalspieler

Lenker: Toni Kroos

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Er ist schneller mit den Augen als mit den Beinen. In dieser Form wird der Spielmacher von Real Madrid einer der wichtigsten Spieler für die EM.

Von Martin Schneider

Toni Kroos ist jetzt seit geraumer Zeit Spielmacher bei Real Madrid, im Sommer zur Europameisterschaft werden es zwei Jahre sein. Spielmacher bei Real Madrid, das waren vor ihm Leute wie Zinédine Zidane, Bernd Schuster oder Günter Netzer, aber Toni Kroos bekommt von diesem Glanz gefühlt ziemlich wenig ab. Das liegt natürlich auch ein bisschen daran, dass es den klassischen Zehner nicht mehr gibt und dass das Real Madrid in dieser Saison nicht den Ruhm von einst hat. Und den Rest-Glanz beansprucht Cristiano Ronaldo für sich allein.

Aber dafür, dass Kroos nun schon so lange Stammspieler und Regisseur des nach eigener Ansicht größten und galaktischsten Vereins der Welt ist, dafür steht er erstaunlich selten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Auch nach den Freundschaftsspielen der deutschen Nationalmannschaft gegen England und Italien ist wenig von Toni Kroos die Rede, Mario Gomez und Mario Götze dominieren die Schlagzeilen. Dabei war Kroos Doppeltorschütze und zweimal der beste Mann auf dem Platz. Bei der Europameisterschaft wird er einer der wichtigsten deutschen Spieler werden.

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Sowohl gegen England wie gegen Italien ordnete Kroos das Spiel. Er spielte auf der Sechser-Position, von wo man heute ein Spiel lenkt. Toni Kroos war der Spiel-Sortierer der Nationalelf. Er bekam entweder von Antonio Rüdiger oder von Mats Hummels den Ball mit dem Auftrag: Entscheide, was damit zu tun ist. Langer Ball nach vorne wie vor dem Elfmeter auf den gestarteten Sebastian Rudy? Pass durch Lücke auf Julian Draxler oder Thomas Müller? Oder selbst den Platz nutzen, wie vor seinem 1:0 gegen England? Kroos entscheidet, was im Spiel passiert.

Er selbst sagte nach dem Spiel, die Mannschaft habe sich "besser präsentiert als gegen England" und dass es in den letzten 20 Minuten ein paar Ungenauigkeiten gegeben habe, die man besser hätte machen können. Joachim Löw meinte, Toni Kroos und Mesut Özil, der gegen Italien neben ihm auf der Sechser-Position spielte, hätten das "hervorragend gemacht." Gerade im Spielaufbau, wo es gegen England noch ein paar Probleme gab. Beide seien "technisch extrem gut", sagte Löw noch, aber all das kann man unter normaler Wertschätzung abheften. Dass Kroos das deutsche Spiel prägt, das wird mittlerweile von ihm erwartet.

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Man sah das gegen Italien beispielhaft vor dem Elfmeter zum 4:0, aber man könnte sich auch viele andere Szenen raussuchen. Kroos läuft in diesen Minuten im Mittelfeld umher, wobei laufen als Verb schon zu dynamisch ist, er trabt eigentlich nur, er wippt auf und ab wie ein Jogger an der Isar. Er bekommt mal den Ball von Mesut Özil und legt ihn quer. Dann bekommt er den Ball von Mats Hummels und legt ihn quer. Dabei schaut er sich immer wieder um. Seine Augen sind aktiver als sein Körper. Blick nach hinten, Blick zur Seite, Blick nach vorne. Die Italiener attackieren ihn halbherzig, vertrauen auf ihre Kette. Der trabt ja nur, wird schon nix passieren.