Die deutsche Nationalelf spielt viel zu gut derzeit. Sie reihte Momente der Perfektion aneinander, bis sich daraus abgeschlossene Sequenzen ergaben. Ketzer behaupten: Nicht mal die Spanier gelangen so dynamisch geradlinig vors Tor wie am Dienstagabend die Deutschen.
Noch 204 Tage bis zum Beginn der EM, "ein sehr langes halbes Jahr", wie der Bundestrainer in Hamburg sagte. Ihm wäre ein sehr kurzes halbes Jahr lieber, noch lieber würde er wohl schon übermorgen das Turnier eröffnen, selbst wenn das bedeuten müsste, auf Bastian Schweinsteiger zu verzichten.
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Ein Testspiel, das zum Festspiel wurde: Thomas Müller, Miroslav Klose und Mesut Özil bejubeln das 3:0. (© dpa)
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Aber: Schweinsteiger? Wer war das noch mal? Hat man den vermisst, als man Holland "in Grund und Boden spielte", wie Manuel Neuer schonungslos ehrlich bekannte?
In dieser Luxus-Mannschaft gibt es zwar viele Spieler, deren Talente sie einzigartig erscheinen lassen, aber dank des hoch entwickelten Ganzen kaum einen mehr, der eine leere Stelle hinterlässt, wenn er mal fehlt. Die Ausnahme bildet Thomas Müller, der unter den großen Fußballern auf der Welt unvergleichlich ist. Eine schräge, aber gute Laune der Natur hat ihn hervorgebracht.
In Hamburg haben Müller und Kollegen dem ohnehin glänzenden Länderspieljahr eine funkelnde Krone aufgesetzt. Wie im vorigen Jahr hat die Nationalmannschaft auch 2011 ein Konjunkturhoch ohne Brüche und nennenswerte Schwankungen erlebt, von Partie zu Partie ist sie besser geworden. Das Publikum wird verwöhnt wie selten zuvor, Testspiele sind auf einmal Festspiele.
Im August beim 3:2 gegen Brasilien hatte das DFB-Team ein wunderbares Spektakel geboten, aber beim 3:0 gegen Holland hat es ein Niveau in der Nähe der Vollendung erreicht, das Rätsel aufgab: War es die Fortsetzung der Steigerung oder eine gesteigerte Fortsetzung?
Die Deutschen reihten Momente der Perfektion aneinander, bis sich daraus abgeschlossene Sequenzen ergaben. Ketzer behaupteten: Nicht mal die Spanier gelangen so dynamisch geradlinig vors Tor wie am Dienstagabend die Deutschen, und schon gar nicht bringen sie deren Effizienz zustande, wenn sie vor dem Ziel stehen. Die Ketzer mögen vielleicht recht haben. Aber richtig von Belang ist ihre Diagnose erst, wenn sie sie nächstes Jahr im Sommer wiederholen dürfen.
Die Frage ist, ob sich eine Nationalelf das leisten kann: ein halbes Jahr vor dem Startschuss in bester Turnierform zu sein. Sowas ist gegen die nationale Tradition und schafft Misstrauen. Die Konkurrenz beruhigt ihre Anhänger, indem sie Raum zur Steigerung lässt:
Die Spanier haben nach einer 0:1-Niederlage in England soeben mit Ach und Krach ein Remis in Costa Rica erreicht. Italien und Frankreich haben ihr Publikum enttäuscht. Und die schlauen Holländer haben sich vom DFB kostenlos Nachhilfe geben lassen.
Die Deutschen spielen viel zu gut zurzeit. Dieser Vorwurf wird den Bundestrainer sicher hart treffen.
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(SZ vom 17.11.2011/jüsc)
Berliner Zeitung
Champions-League-Finale
Der DFB sucht gute Leute für die Nach-Löw-Ära. Sie scheinen der richtige Mann zu sein.
gewiss, der auftritt des dfb-teams war beeindruckend. allerdings traten die niederländer nicht in bestbesetzung an. zudem schienen sie nicht sonderlich motiviert zu sein - warum auch immer ...
ich wünschte mir etwas mehr sachlichkeit, gerade von seiten der medien. wozu euphorie und übersteigerte erwartungshaltung führen können, mussten "unsere" fußball-damen" erfahren ...
ja, das war mal so, Arbeit, Kampf und Ausdauer.
Aber, Sie vergessen, "Schönspielerei" bedeutet auch Arbeit und Ausdauer.
Bleibt der Kampf.
Hier muss man sehen, dass vor 2006 an "Schönspielerei" nicht zu denken war, dafür fehlten einfach die Spieler.
ob der schöne Fussball auch der erfolgreiche sein wird-die Erfolge des dt. Fussballs waren harter Arbeit ,Kampf u. Ausdauer zu verdanken, nicht Schönspielerei, wie sie seit 2006 angesagt ist.
Gehört dieses Gebabbel vermeintlich dazu, vielleicht um die Spannung hoch zu halten? Eine wirklich gute Mannschaft mit einem großen Kader, die samt und sonders bis zum Turnier weiter voll im Saft steht, schließlich fahren die ja nicht zum kollektiven Relaxen zu den Malediven, hält ihre Form nicht mal eben ein paar Wochen. Spanien spielte über viele Jahre auf (aller)höchstem Niveau, bei denen sind zwei schlechte Spiele gleich ein Weltwunder. Statt der Unkerei lieber darüber berichten, dass es immer noch deutliche Steigerungsmöglichkeiten gibt, zum Beispiel das Spiel auf der linken Seite und sich freuen darüber, dass daeinfach eine richtig gute Mannschaft zusammen gewachsen ist und weiterhin reifen kann.