BVB nach dem 1:5 Gereizt wegen Hummels

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Allzu viel Vergangenheitsbewältigung konnte Thomas Tuchel unter Dortmunds Spätherbst-Sonne noch nicht betreiben. Nur Sven Bender und Gonzalo Castro absolvierten am Montag auf dem Trainingsrasen ihr Auslaufpensum. "Wir müssen zurück zur Bissigkeit und zu mehr Aufmerksamkeit im Defensivverhalten", hatte der BVB-Trainer als Parole nach dem überdeutlichen 1:5 bei den Bayern ausgegeben. Und dann gleich selbst eingeschränkt, dass fast alle seine Spieler umgehend zu ihren Nationalteams aufgebrochen sind.

Das Montagstraining fand, wie üblich, auf einem Trainingsplatz weit weg von den Zuschauerplätzen statt. Aber selbst aus der Entfernung glaubten Beobachter, bei Tuchel eine lautstarke Gereiztheit festgestellt zu haben. Auch wenn Dortmunds offizielle Sprachregelung schon vor der Pleite alle Meister-Ambitionen verbannt hatte, war dem ehrgeizigen Trainer kurz nach dem Spiel anzumerken, dass er sich vielleicht mehr ausgerechnet hatte. Nicht nur an diesem Abend, sondern insgesamt.

Hummels lässt Dampf ab

Mats Hummels ging es offenbar ähnlich. Der Weltmeister und BVB-Kapitän ließ Dampf ab und beschwerte sich nach der Pleite über seine Mitspieler. Zum dritten Mal nacheinander. Die 60 Meter weiten Passvorlagen von Jérôme Boateng, die zu den Bayern-Treffern zum 1:0 und zum 3:1 führten, fand Hummels, hätten man im Keim ersticken können. "Ich weiß nicht, wer da genau eingeteilt war, aber da muss man ihm nicht so viel Platz lassen."

Hummels selbst allerdings sah ausgerechnet in beiden Situationen, die Müller und Lewandowski ausnutzten, selbst alles andere als gut aus. Lang geschlagene Bälle - wie die von Boateng - sind zwangsläufig lange unterwegs. Zeit, die aber Hummels nicht nutzte, um die Situationen zu antizipieren und sich rechtzeitig rückwärts zu orientieren.

Pikantes Foto von @kingarturo23

Adiletten an den Füßen, Nike-Schuhe in den Händen: Der Kampf der Ausrüster reicht bis in die Kabine des FC Bayern. Von Claudio Catuogno mehr ...

BVB-Sportchef Michael Zorc war ausgesprochen gereizt ob der erneuten Kollegen-Schelte des Nationalspielers. "Ich wäre froh, wenn Mats als Kapitän mit gutem Beispiel voran gehen würde, auch was die Kategorie Selbstkritik angeht", sagte Zorc. Hummels hatte sich schon bei den beiden Unentschieden in der Bundesliga (1:1 in Hoffenheim, 2:2 zu Hause gegen Darmstadt) über das unkonzentrierte Deckungsverhalten seiner Mitspieler und über die schwache Chancenverwertung beklagt. Tuchel hatte ihn, auch öffentlich, dazu ermuntert, sich in solche Kritik gefälligst selbst mit einzuschließen. Hummels hatte sich danach für sein Meckern entschuldigt.